Kind, Kegel, Campus: So schafft die Uni Wuppertal Vereinbarkeit
Wie vereinbare ich ein Studium mit der Elternrolle? Wie kann mir das Deutschlandstipendium dabei helfen? Wie funktioniert das für Studierende mit Mutterschutz, Mutterschaftsgeld oder Elterngeld? Für all diese Fragen gibt es an der Uni Wuppertal Maria Gierth und ihr Familienbüro.
„Sei ein Mann, nimm Elternzeit“, so konnte man es am Vatertag 2025 auf den Bierdeckeln in der Kneipe der Uni Wuppertal lesen. Auf der Rückseite fand man Argumente, warum Elternzeit für Väter positiv wirkt. Die Aktion kam gut an. Hinter dem charmanten Projekt steckt das Familienbüro der Uni Wuppertal. Maria Gierth leitet es seit inzwischen über zehn Jahren. Sie war bereits seit 2010 als Mitarbeiterin im heutigen Institut für Erziehungswissenschaft angestellt und kannte sich entsprechend nicht nur im Kosmos Universität, sondern auch mit den Themen von Eltern bestens aus. Seit 2015 entwickelt sie das Familienbüro kontinuierlich weiter und ist dabei in einem regen Austausch mit dem im deutschsprachigen Raum aktiven Verein „Familie in der Hochschule“. So wurde Maria Gierth beispielsweise auf die Kidsboxen aufmerksam. Das sind rollbare Schränke mit Spielsachen, Bilderbüchern und bei Bedarf auch einem integrierten Babybettchen. Eltern können sie ausleihen. So finden Kinder auch auf dem Campus und in Vorlesungen Beschäftigung – und leichter in den Schlaf.
Wie das Deutschlandstipendium Studierenden mit Kind hilft
Neben der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Vereinbarkeit von Studium und Elternschaft gehört die Beratung zu Maria Gierths Hauptaufgaben. Neben praktischen Fragen beantwortet sie dabei auch alle sozialrechtlichen und finanziellen. Dabei spiele auch das Deutschlandstipendium eine tragende Rolle, so Gierth. Es könne gerade für Studierende mit Kind ein verlässlicher Partner sein und entscheidend dabei helfen, neben dem Kind mehr Zeit fürs Studium zu haben – weil zum Beispiel der Umfang des Nebenjobs reduziert werden kann. Annika Grübler, Leiterin des Stiftungs- und Kooperationsmanagements, wo das Deutschlandstipendium an der Uni Wuppertal angesiedelt ist, ergänzt: „Die stärkste Wirkung entfaltet das Deutschlandstipendium vor allem in Phasen erhöhter Belastung oder an Übergängen – etwa zu Beginn des Studiums mit Kind, wenn Alltag, Betreuung und Studium neu organisiert werden müssen. Auch in Prüfungsphasen, in denen weniger Zeit für Erwerbsarbeit bleibt, ist die Unterstützung besonders relevant”.
Viel geht schon, viel kommt noch
Manche Studierende nutzen das Deutschlandstipendium auch, um eine Tagesmutter oder Babysitter zu finanzieren. Maria Gierth hat eigens dafür eine Babysittingbörse ins Leben gerufen. Zudem finden regelmäßig Eltern-Kind-Treffen statt. Den dort stattfindenden Austausch empfindet Maria Gierth als besonders hilfreich. Neu ist eine erst kürzlich etablierte Elternaustauschgruppe zum Thema Neurodivergenz. Hier kommen Eltern zusammen, deren Kinder eine entsprechende Diagnose haben oder die sich selbst diesbezüglich herausgefordert fühlen. Solche Formate möchte Maria Gierth weiter ausbauen. Dasselbe gilt für multifunktionale Räume. Infrastrukturell wurde zwar schon einiges geschafft – es gibt extra Still- und Wickelmöglichkeiten, ausgewiesene Eltern-Kind-Parkplätze, spezielle Eltern-Kind-Lernräume, auch in der Bibliothek, aber das Angebot soll weiter ausgebaut werden. Maria Gierth wünscht sich eine Uni, in der Eltern selbstverständlich lernen und Eltern sein können.
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Frau Gierth, Sie haben in den letzten zehn Jahren viel geschafft. Worauf sind Sie besonders stolz und was hoffen Sie für die Zukunft des Familienbüros?
Bis zum 1. Juni, dem internationalen Kindertag, möchte ich das Konzept für die Multifunktionsräume fertig umgesetzt haben. Wenn ich zurückblicke, bin ich einfach stolz darauf, dass sich das Familienbüro zu einer festen Anlaufstelle für alle Vereinbarkeitsfragen entwickelt hat. Man merkt den Unterschied im Vergleich zu vor zehn Jahren deutlich. Natürlich mache ich mir auch ein wenig Sorgen wegen der bevorstehenden Kürzungen, die im Hochschulbereich vorgesehen sind. Ich bin da aber guter Dinge. Die Hochschulleitung denkt das Thema immer mit. Vereinbarkeit betrifft schließlich nicht nur studierende Eltern, sondern auch viele andere Menschen mit Care-Aufgaben oder Pflegeverantwortung. Selbst wenn man keine Kinder hat, könnte man irgendwann pflegebetroffen sein – etwa, wenn man sich um Eltern oder andere Angehörige kümmern muss. Solche Realitäten muss eine Universität berücksichtigen.
Frau Grübler, welche Rolle spielt die Tatsache, dass man ein Kind hat oder erwartet für Studierende, die sich für ein Deutschlandstipendium bewerben wollen?
Die Verantwortung für ein Kind ist Teil der sogenannten weichen Kriterien, die – sofern freiwillig angegeben – bei der Auswahl der Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten in die Gesamtbewertung einfließen. Das bedeutet: Die Betreuung eines Kindes wird als zusätzliche Anforderung anerkannt, unter der akademische Leistungen erbracht werden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass familiäre Verantwortung im Auswahlprozess angemessen berücksichtigt wird, ohne die leistungsorientierte Grundstruktur des Deutschlandstipendiums aufzugeben. Für Studierende mit Kind ist das Deutschlandstipendium kein „Bonus“, sondern häufig ein entscheidender Faktor für Stabilität, Durchhaltevermögen und Studienerfolg.
Stand: April 2026