„In meiner Familie atmet man die Musik mit der Luft ein“
Die Cellistin María Auxiliadora Bozada Waflar hat in ihrem jungen Leben schon viel erreicht. Sie studierte an der renommierten Musikhochschule Reina Sofía in Madrid, anschließend folgt ein Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Wir sprechen mit ihr über ihren Werdegang, die Liebe zur Musik und ihre Unterstützung durch das Deutschlandstipendium.
Die Cellistin María Auxiliadora Bozada Waflar hat in ihrem jungen Leben schon viel erreicht. Sie studierte an der renommierten Musikhochschule Reina Sofía in Madrid, anschließend folgt ein Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Wir sprechen mit ihr über ihren Werdegang, die Liebe zur Musik und ihre Unterstützung durch das Deutschlandstipendium.
Frau Bozada Waflar, Sie weisen eine musikalische Laufbahn auf, von der andere nur träumen können. Wie haben Sie zum Cello gefunden?
Ich hatte schon immer ein großes Interesse an Musik – meine Mutter ist Pianistin und auch mein Onkel sowie meine Cousins spielen verschiedene Instrumente. Als mein Onkel meiner Mutter zum Geburtstag ein Cello schenkte, war ich vom Klang so fasziniert, dass ich es einfach selbst ausprobieren musste. Da war ich gerade sieben Jahre alt. Anfangs hat meine Mutter mich unterrichtet. Aber schon bald besuchte ich das Konservatorium in meiner Heimatstadt Sevilla, um mich weiter zu verbessern. In meiner Familie atmet man die Musik förmlich mit der Luft ein. Als ich noch in Spanien lebte, spielten wir fast jeden Tag zusammen Cello- und Klaviersonaten. In Deutschland bin ich seit 2023. Die Leidenschaft für die Musik verbindet meine Familie und mich auch in der Ferne.
Gibt es einen Grund, warum Sie Spanien verlassen und sich für ein Studium in Deutschland entschieden haben?
Es war immer mein Traum, hier zu studieren. Deutschland weist im Vergleich zu Spanien eine deutlich ausgeprägtere Kultur der klassischen Musik auf. Man kann sich hier intensiv spezialisieren, viele Konzerte spielen und an zahlreichen Wettbewerben teilnehmen. Alle berühmten Komponistinnen und Komponisten haben mindestens einmal hier gelebt und das Land blickt auf eine lange Musikgeschichte zurück. Ich habe mich am Ende für Leipzig entschieden, weil ich gerne beim Cellisten Peter Bruns studieren wollte, der Professor an der dortigen Hochschule für Musik und Theater ist.
Wie läuft Ihre musikalische Karriere in Deutschland?
Ich versuche, an so vielen Wettbewerben wie möglich teilzunehmen. Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich bislang bei jedem dieser nationalen wie internationalen Wettbewerbe Auszeichnungen erhalten habe. Sie sind für junge Musikerinnen und Musiker unerlässlich – zum einen, um sich selbst einen Namen machen zu können. Aber auch als kontinuierlicher Anreiz, um die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Je höher die Herausforderung, desto mehr lernt man.
Wie viel Vorbereitung steckt in einem Auftritt?
Auf jeden Wettbewerb muss ich mich sieben bis acht Monate vorbereiten. Eine unglaublich lange Zeit, wenn man bedenkt, dass das zu spielende Stück am Ende nur etwa 15 Minuten lang ist. Doch das ist es mir wert. Denn für Erfolg muss man seine gesamte Leidenschaft in die Sache stecken. Es ist ein harter Beruf, dessen muss man sich bewusst sein – und gleichzeitig den Mut haben, ohne Angst einfach weiterzumachen.
Sie können auf zahlreiche gewonnene Preise und weitere Erfolge zurückblicken. Worauf sind Sie besonders stolz?
Es fällt mir schwer, aus all den Wettbewerben einen herauszupicken. Aber besonders stolz bin ich darauf, dass ich in meinem ersten internationalen Wettbewerb direkt den dritten Platz belegt habe. Das war 2022 beim J.-F.-Dotzauer-Wettbewerb in Dresden. Im Finale vor einem großen Publikum mit einem Orchester zu spielen, war eine einmalige Erfahrung, die sich als ausgesprochen schöne Erinnerung bei mir eingebrannt hat. Mich erfüllt nichts mehr, als mich durch die Musik auszudrücken und dem Publikum dabei Freude zu bereiten. Im besten Fall gelingt es mir, dass die Menschen mit meiner Musik ihre Sorgen vergessen – das macht mich sehr zufrieden.
Inwiefern unterstützt Sie das Deutschlandstipendium bei Ihrer Karriere?
Ohne die finanzielle Unterstützung durch das Deutschlandstipendium könnte ich meiner musikalischen Karriere in dieser Form nicht nachgehen. Das Stipendium ermöglicht mir die Teilnahme an Wettbewerben. Denn Anfahrt und Unterkunft müssen meistens aus eigenem Geldbeutel finanziert werden. Auch die Instandhaltung und Pflege von Instrumenten bedeutet erhebliche regelmäßige Kosten. Abgesehen davon gibt mir die Förderung überhaupt erst die Möglichkeit, mich vollends auf die Musik konzentrieren zu können. Ich übe vier bis fünf Stunden täglich. Eine zusätzliche Lohnarbeit neben dem Studium würde diese Zeit erheblich einschränken.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich möchte weiter an herausfordernden Wettbewerben teilnehmen und damit als Solo-Cellistin bekannter werden. Auch die Gründung einer Kammermusik-Gruppe reizt mich. Nach dem Bachelorabschluss möchte ich meinen Master in Deutschland machen. Auch in diesem Jahr habe ich mich für das Deutschlandstipendium beworben und hoffe sehr auf eine erneute Förderung. Es hat mir im vergangenen Jahr sehr geholfen, mein Studium zu finanzieren, und ich würde das Stipendium gerne auch weiterhin genießen. Meinen Traum, eine gute Musikerin zu werden, verfolge ich auf jeden Fall weiter.
Über María Auxiliadora Bozada Waflar
María Auxiliadora Bozada Waflar wurde 2004 in Sevilla, Spanien geboren. Von 2020 bis 2022 besuchte sie die Musikhochschule Reina Sofía in Madrid. Seit 2023 studiert sie an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, wo sie seit 2024 das Deutschlandstipendium erhält. Zu ihren größten bisherigen Erfolgen zählen der 1. Platz bei der internationalen Gustav Mahler Prize Cello Competition 2025 in Prag sowie der 2. Platz bei der internationalen Bratislava Cello Competition 2024.
Stand: Juli 2025