So gelingt die Stipendienförderung an künstlerischen Hochschulen – 6 Impulse
Wie lässt sich eine erfolgreiche ideelle Förderung und Vernetzung an künstlerischen Hochschulen gestalten? Das haben wir Vera Timmerberg, Leiterin der Stabsstelle Hochschulentwicklung an der Folkwang Universität der Künste, gefragt. Entstanden sind daraus sechs Impulse.
Wie lässt sich eine erfolgreiche ideelle Förderung und Vernetzung an künstlerischen Hochschulen gestalten? Das haben wir Vera Timmerberg, Leiterin der Stabsstelle Hochschulentwicklung an der Folkwang Universität der Künste, gefragt. Entstanden sind daraus sechs Impulse.
1. Binden Sie das Lehrpersonal aktiv ein
Ein zentraler Erfolgsfaktor an der Folkwang Universität der Künste ist, dass das Lehrpersonal aktiv in die Ansprache von Studierenden eingebunden ist. „Überdies sind die Lehrenden die wichtigen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für die Vergabe von Stipendien. Denn sie pflegen einen sehr direkten Kontakt zu den Studierenden, sprechen sie an, ermutigen und unterstützen sie“, erklärt Vera Timmerberg. Diese enge Beteiligung schafft die Grundlage für eine nachhaltige ideelle Förderung. Durch persönliche Ansprache und Begleitung werden die Studierenden frühzeitig in Netzwerke und Förderangebote eingebunden, die über die finanzielle Unterstützung hinausgehen und ihre künstlerische und persönliche Entwicklung stärken.
2. Klare Koordination und individuelle Beratung erhöhen die Passgenauigkeit
An der Folkwang Universität der Künste gibt es eine feste Person, die das Deutschlandstipendium koordiniert. „Dazu gehört eine breite Kommunikation der Angebote der ideellen Förderung und Vernetzung, individuelle Beratung von Geförderten über für sie passende Förderangebote, das Matching von Stipendiatinnen und Stipendiaten an Fördernde sowie die Vernetzung von Geförderten untereinander“, so Vera Timmerberg. Diese zentrale Koordination sorgt für Transparenz und eine passgenaue Förderung.
3. Veranstalten Sie regelmäßige Treffen für den persönlichen Austausch
Regelmäßige Veranstaltungen von Geförderten und Fördernden haben sich bewährt, um den Austausch zu unterstützen. „Wir organisieren Formate, um sich persönlich kennenzulernen und voneinander zu lernen“, so Timmerberg. Ein Beispiel hierfür sind gemeinsame Zusammenkünfte an der Hochschule, bei denen Stipendiatinnen und Stipendiaten auf Fördernde treffen. Die Hochschulleitung übernimmt die Einführung und stellt die Teilnehmenden einander vor. Im anschließenden informellen Teil können sich alle ungezwungen austauschen. Diese Begegnungen schaffen Vertrauen und stärken das Netzwerk. Außerdem organisiert die Hochschule vertrauliche Austauschrunden unter den Stipendiatinnen und Stipendiaten, in denen sie unter sich sind und über ihre gesammelten Erfahrungen sprechen bzw. sich vernetzen können. Sollten sich in den Austauschtreffen Fragen oder Anliegen ergeben, bietet die Hochschule auch eine Beratung an. Das können Fragen rund um Förderprogramme allgemein sein, oder auch solche, die sich auf die individuelle Studiensituation oder Lebenslage beziehen. Je nach Anliegen wird von der dafür zuständigen Stelle des Beratungsnetzwerks der Hochschule informiert und beraten.
4. Interdisziplinarität als Chance für neue Verbindungen nutzen
Die interdisziplinäre Ausrichtung der Folkwang Universität der Künste eröffnet vielfältige Möglichkeiten für Vernetzung und Kooperation. „Interdisziplinarität bietet die Chance, sich mit anderen Netzwerken, Gruppen und Personen zu verknüpfen“, sagt Timmerberg und ergänzt: „Die Studierenden arbeiten in ihren Projekten mit Kommilitoninnen und Kommilitonen aus den verschiedenen künstlerischen Disziplinen zusammen – Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft. Ihre Arbeiten präsentieren sie gemeinsam. Dabei wird erlebbar, wie sich die Künste miteinander verweben und Neues entsteht. So entwickelt sich eine besonders bereichernde Förderkultur.“ Die ideelle Förderung schafft also Raum für gemeinsame Projekte, wechselseitige Inspiration und kreatives Arbeiten über Fachgrenzen hinweg.
5. Fördern Sie die Eigeninitiative der Stipendiatinnen und Stipendiaten
An der Folkwang Universität der Künste regen die Geförderten – ermutigt vom Arbeitsbereich der Hochschulförderung – häufig interdisziplinäre Projekte an. Davon profitiert laut Timmerberg die ganze Hochschule. Außerdem können sie Vorbilder für andere sein, die ein Stipendium anstreben. „Eine große Rolle spielen hier die Lehrenden, die den direkten Kontakt zu ihren Studierenden haben. Sie greifen Impulse von Studierenden auf, unterstützen sie bei der Ausarbeitung ihrer Ideen und ermutigen sie, für eine mögliche finanzielle Unterstützung von Projekten auch bei den Fördernden anzufragen.“
6. Lehrende als Impulsgebende für Netzwerke und Förderpartnerschaften
Die Vernetzung mit Fördernden, Alumni und externen Kulturschaffenden läuft an der Folkwang Universität der Künste über die Lehrenden und Fachbereiche. „Dort werden konkrete Kooperationen und Beziehungen gelebt und gepflegt, was den Aufbau eines starken Netzwerks ermöglicht“, erzählt Timmerberg. Ein Beispiel für exklusive Formate ist die Pina Bausch Professur, mit der international herausragende Künstlerinnen und Künstler aus allen Disziplinen mit einer Gastprofessur an die Universität berufen werden können. Diese Formate zeigen exemplarisch, wie Lehrende gemeinsam mit externen Partnerinnen und Partnern innovative Impulse in die Hochschule tragen. Das ermöglicht bereichernde Begegnungen mit renommierten Künstlerinnen und Künstlern.
Über Vera Timmerberg
Vera Timmerberg leitet die Stabsstelle Hochschulentwicklung an der Folkwang Universität der Künste, der zentralen Ausbildungsstätte in Nordrhein-Westfalen für Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft mit Campus in Essen, Bochum, Duisburg und Dortmund. Die Stabsstelle koordiniert auch die Stipendienvergabe für das Deutschlandstipendium.
Stand: Juli 2025