„Wir formen die nächste Generation“

Lehrerinnen und Lehrer vermitteln Wissen und tragen dazu bei, dass sich junge Menschen zu selbstständigen Persönlichkeiten entwickeln. Wie verantwortungsvoll diese Aufgabe ist, berichten die Lehramtsstudentinnen Alexandra Perkas und Cindy Lumtscher.

Lehrerinnen und Lehrer vermitteln nicht nur Wissen, sie tragen auch dazu bei, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sich zu selbstständigen Persönlichkeiten entwickeln. So verstehen die Lehramtsstudentinnen Alexandra Perkas (TU Dresden) und Cindy Lumtscher (TU Chemnitz) ihren Beruf. Bereits auf der Jahresveranstaltung in Dresden berichteten die beiden Deutschlandstipendiatinnen von ihren Erfahrungen. Im Doppel-Interview erzählen sie jetzt, wie sie durch die Förderung den nötigen Freiraum erhalten, um sich auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorzubereiten.

Stipendiatin Cindy Lumtscher

Deutschlandstipendiatin Cindy Lumtscher studiert Grundschullehramt an der Technischen Universität Chemnitz

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Frau Lumtscher und Frau Perkas, Sie stehen beide noch am Anfang ihrer Lehrerinnen-Karriere. Was zeichnet gute Lehrkräfte für Sie persönlich aus?

Lumtscher: Die Kinder auffangen zu können –  das ist heutzutage ein großes Thema, da viele verschiedene Kinder in den Klassen sitzen: Kinder mit Aufmerksamkeitsdefiziten, Integrationskinder oder Kinder mit Deutsch als Zweitsprache. Damit muss ich als Grundschullehrerin kreativ und spontan umgehen, um die verschiedenen Persönlichkeiten wahrnehmen zu können.

Perkas: Da ich in der berufsbildenden Schule unterrichten werde, habe ich mit jungen Erwachsenen zu tun. Für mich spielt das Lehren und das Motivieren der Schüler zum eigenständigen Lernen eine große Rolle. Sie darauf zu trainieren, dass sie alle ihre Ressourcen nutzen können und es auch tun, damit sie in der Zukunft als eigenständige Personen funktionieren.

Frau Lumtscher, Sie konnten dank des Deutschlandstipendiums ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Hospizhelferin ausbauen.

Lumtscher: Ja das stimmt. Unser neues Projekt heißt „Hospiz macht Schule“. Wir gehen in die neunten bis dreizehnten Klassen und reden mit den Jugendlichen über die Themen Trauer, Tod und Sterben. Das Stipendium mit 300 Euro im Monat sind eine Riesenhilfe, da ich neben dem Studium weniger arbeiten muss und mich in meinem Ehrenamt entfalten kann. Ich habe mich jetzt auch für ein Projekt in Indien beworben, das sich für die Bildung von Mädchen einsetzt. Mit der Förderung im Rücken kann ich sagen: „Okay, das mache ich jetzt einfach.“

Stipendiatin Alexandra Perkas

Alexandra Perkas, Deutschlandstipendiatin der Technischen Univeristät Dresden, wird später an berufsbildenden Schulen unterrichten. 

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Frau Perkas, was hat sich bei Ihnen durch das Deutschlandstipendium verändert?

Perkas: Ich habe vorher jedes Wochenende in der Gastronomie gearbeitet. Darunter litten das Studium und das persönliche Umfeld, weil ich permanent übermüdet war und mein Fokus auf so vielen verschiedenen Dingen lag. Durch die Förderung konnte ich meine Arbeit auf ein Minimum reduzieren und bin aus diesem „Hätte ich mehr Zeit, könnte ich besser sein“-Teufelskreis raugekommen.

Frau Lumtscher, welche Rolle spielen engagierte Lehrerinnen und Lehrer für die Zukunft?

Lumtscher: Es ist nicht mehr unbedingt wie früher, dass Kinder brav sind, gerade sitzen und Respekt haben. Die Kinder sind vielfältig, sie sind bunt. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die darauf eingehen können, sind wichtig. Man muss aber auch mit verschiedenen Elternhäusern klarkommen. Man muss sich ein stabiles Nervenkostüm aneignen und es aushalten, wenn Eltern ihre Kinder anschreien oder mit Klagen drohen. 

Frau Perkas, Ihr Plädoyer: Warum sollten sich mehr private Förderer für Studierende im Bereich Lehramt stark machen?

Perkas: Viele Förderer nutzen das Deutschlandstipendium, um Fachkräfte kennenzulernen. Lehramtsstudierende fallen aus diesem Raster heraus, da sie für Unternehmen keinen direkten wirtschaftlichen Nutzen haben. Aber Lehrerinnen und Lehrer tragen unsere Gesellschaft. Seit Jahrhunderten formen sie die nächste Generation und sind unmittelbar mit ihr verbunden. Deshalb sollte man in Lehramtsstudierenden investieren. Ich fühle mich mit meinem Förderer, der Schaufler Foundation, tief verbunden. Das hat tatsächlich mein Leben verändert, hin zu einem besseren Leben, zu einer wesentlich besseren Wahrnehmung von mir selber. Und das hat auch sehr viel zu meinem Glück beigetragen.