Wein für Bildung – Bildung für Wein

Der Geisenheim Alumni Association e. V. hat eine ungewöhnliche Spendenaktion ins Leben gerufen: Alljährlich werden auf dem Wiesbadener Ostermarkt Überraschungs-Weinpakete verkauft. Die Einnahmen nutzt der Verein zur Förderung junger Talente.

Der Geisenheim Alumni Association e. V. hat eine ungewöhnliche Spendenaktion ins Leben gerufen: Alljährlich verkaufen Studierende und Alumni auf dem Wiesbadener Ostermarkt Überraschungs-Weinpakete. Die Flaschen sind eine Spende und stammen aus Rückstellungen von Weinverkostungen. Die Einnahmen nutzt der Alumniverein, um talentierte Studierende der Hochschule Geisenheim University zu unterstützen.

Aktion "Wein für Bildung - Bildung für Wein" Hochschule Geisenheim

Die Einnahmen der Aktion "Wein für Bildung - Bildung für Wein" kommen Studierenden der Hochschule Geisenheim University zugute

© Robert Lönarz, Hochschule Geisenheim

Der Ostermarkt in Wiesbaden hat eine lange Tradition. Alljährlich können Besucherinnen und Besucher an einem Wochenende vor Ostern durch die historische Altstadt schlendern und Kunsthandwerk, Spezialitäten & Co. aus der Region erwerben. Einige Stände gehören schon fest zum Repertoire – so auch der Weinverkauf der Hochschule Geisenheim. Das zeigte sich beim diesjährigen Markt, der Anfang April stattfand: „Als wir mit unserem Transporter vorgefahren sind, standen die Menschen schon Schlange“, erzählt Robert Lönarz, Leiter Kommunikation an der Hochschule Geisenheim University und Präsident der Geisenheim Alumni Association e. V. Viele Weinliebhaber waren extra früh aufgestanden, um pünktlich zum Verkaufsstart da zu sein. Kein Wunder also: „Nach genau 42 Minuten hatten wir alle 1.000 Flaschen verkauft“, berichtet Robert Lönarz. Er und sein Team, darunter auch Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten, verkauften die Kartons mit je sechs Flaschen für jeweils 25 Euro. Damit liegt der Wert der enthaltenen Spitzenweine weit über dem Verkaufspreis. 20.000 Euro hat der Alumniverein mit der Aktion eingenommen. Das Geld kommt direkt den Studierenden der Hochschule Geisenheim zugute: Unter anderem wird dadurch der private Anteil für fünf Deutschlandstipendien finanziert.

Ungenutzte Weinschätze

Robert Lönarz, Hochschule Geisenheim

Engagiert sich für den Weinbau-Nachwuchs: Robert Lönarz

© Robert Lönarz, Hochschule Geisenheim

Ihren Ursprung hat die Aktion „Wein für Bildung – Bildung für Wein“ bereits zu Beginn der Nullerjahre: „Da der Weinbau eine große Bedeutung an unserer Hochschule hat, arbeiten viele der Dozentinnen und Dozenten ehrenamtlich als Juroren bei Weinverkostungen“, berichtet Robert Lönarz. Auch er selbst tat das häufig. Dabei fiel ihm auf, wie viele Weinflaschen ungenutzt bleiben: „Von jeder Sorte müssen in der Regel zwölf Flaschen eingesandt werden, drei für die Verkostung, die anderen dienen als Reserve und Probe für Kontrollen.“ Diese sogenannten „Rückstellproben“ werden eine gewisse Zeit aufbewahrt und dann entweder vernichtet oder – in kleineren Mengen – an soziale Einrichtungen gespendet. „Ich habe den Meiningerverlag in Neustadt, der sehr große Verkostungen durchführt, gefragt, ob wir die Rückstellproben nicht zur Ausbildung nutzen könnten“, schildert Robert Lönarz sein Vorgehen. Immerhin waren auch viele ausländische Weine – beispielsweise aus Südafrika oder Chile – dabei, die die Weinbaustudierenden dann sensorisch bewerten konnten.

Steigendes Niveau

Angesichts der großen Mengen solcher Rückstellproben überlegte Robert Lönarz, ob sich der Wein nicht für einen guten Zweck nutzen ließe. So entstand die Idee zu „Wein für Bildung – Bildung für Wein“. Für den Initiator ist der Titel der Aktion weit mehr als ein Slogan: „Durch den Weinverkauf investieren wir in Bildung, weil wir Studierende fördern. Und dadurch, dass sich die Studierenden besser auf ihr Studium konzentrieren können, tun wir auch etwas dafür, dass das Niveau in der Branche steigt.“ Dass die Wahl des Alumnivereins auf Spenden für das Deutschlandstipendium fiel, ist kein Zufall: „Das Deutschlandstipendium hat eine große Bedeutung für die Hochschule Geisenheim“, sagt er. „Es ist eine einfache Form der Förderung. Und der Betrag hat eine Höhe, die den Studierenden auch wirklich hilft.“