Verantwortung fördert Perspektiven

Friedel Mark war in ihrem Leben viel im Ausland unterwegs. Das war ein Grund, warum sie einen jungen Menschen mit Migrationshintergrund unterstützen wollte. Zu Deutschlandstipendiat Ibrahim Al Halabi pflegt sie ein herzliches Verhältnis.

Friedel Mark war in ihrem Leben viel im Ausland unterwegs. Das war ein Grund, warum sie einen jungen Menschen mit Migrationshintergrund unterstützen wollte. Zu Deutschlandstipendiat Ibrahim Al Halabi pflegt sie ein herzliches Verhältnis. Die beiden unterhalten sich über andere Kulturen, gehen zusammen wandern oder kochen gemeinsam.

Deutschlandstipendiat Ibrahim Al Halabi und Förderin Friedel Mark

Deutschlandstipendiat Ibrahim Al Halabi und Förderin Friedel Mark

©BMBF/Bildkraftwerk/Paul-Peter Weiler

Ibrahim Al Halabi kam 2015 allein nach Deutschland. In Lübeck, wo der 33-Jährige aktuell an der Technischen Hochschule seinen Bachelor im Fach Informationstechnologie und Design macht, fühlt er sich mittlerweile sehr wohl. Einen großen Beitrag dazu hat Friedel Mark geleistet, die den aus Syrien Geflüchteten seit 2018 mit dem Deutschlandstipendium unterstützt. „Es geht nicht nur ums Geld, sondern um eine Stütze an sich“, sagt die Privatförderin. Ibrahim Al Halabi findet bei ihr vor allem emotionalen Halt: „Sie ist fast wie eine Mutter. Das ist einfach ein gutes Gefühl, so ein warmes Herz neben mir zu haben.“

Neustart mit Ende zwanzig

Wie beginnt man ein neues Leben in einem fremden Land, ohne die Sprache zu sprechen? Diese schwierige Aufgabe löste Ibrahim Al Halabi mit unermüdlichem Einsatz und viel Geduld. Zunächst musste er an der Technischen Hochschule einen Integrationskurs belegen, um die Zulassung zum Studium zu erwerben: „Vormittags habe ich Deutsch gelernt und nachmittags ging es in die Berufsschule. Das war wirklich stressig, aber es hat sich gelohnt.“ Als er mit seinem Studium beginnt, ist er dreißig Jahre alt. Anfangs fällt es ihm aufgrund der Sprachbarrieren schwer: „Es gab immer wieder neue Begriffe, die ich verstehen musste.“ Neben dem Studium belegt er weiter Deutschkurse und arbeitet, das Budget ist dennoch knapp. „Als ich die Zusage für das Deutschlandstipendium bekommen habe, habe ich mich riesig gefreut.“

Gutes Essen und gute Gespräche

Die Förderung ist für Ibrahim Al Halabi eine große finanzielle Erleichterung und ermöglicht ihm die volle Konzentration auf sein Studium. Sein Computerwissen kommt auch Friedel Mark zugute, wenn der PC mal wieder eingerichtet werden muss. Doch wichtiger ist beiden die persönliche Komponente. „Wir tauschen uns vor allem über alltägliche Dinge aus“, erzählt Friedel Mark. Ob Algerien, Afrika oder die Wandergebiete in Deutschland – ihre Erlebnisse teilt sie mit Ibrahim Al Halabi, der die Orte in seine innere Landkarte einträgt. „Sie erzählt mir viel von der Kultur und der Geschichte. Wenn ich später mal zu diesen Orten reise, kann ich mich daran erinnern.“ Umgekehrt berichtet der Deutschlandstipendiat von Damaskus und bereitet hin und wieder arabisches Essen zu. „Ein paar Mal im Jahr klappt das: Mal kocht er und mal bekommt er von mir ein typisches deutsches Essen wie zum Beispiel Gulasch,“ freut sich die Lübeckerin.  

Abgeben und bereichert werden

Die Idee, junge Menschen mit Migrationshintergrund auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen, verfolgte Friedel Mark schon seit längerem: „Ich habe einen engen Bezug zum Ausland, da schon mein Vater häufig unterwegs war. Als Regionalplanerin in der Koordinierung von Entwicklungshilfe habe ich selbst viele Jahre in Afrika gearbeitet.“ Nach einer unkomplizierten Fördermöglichkeit suchte sie lange vergebens. Umso mehr freute sie sich, als sie von einem befreundeten Ehepaar vom Deutschlandstipendium erfuhr: „Ich bin kinderlos und habe keinen Anhang. Ich finde, es ist sinnvoll, etwas abzugeben.“ Aufgrund ihrer guten Erfahrungen wirbt Friedel Mark auch im Bekanntenkreis für die Förderung: „Ich finde es wichtig, dass Privatleute angesprochen werden. Es ist eine spannende Sache, da es einen ja auch selbst bereichert, wenn man neue Menschen kennenlernt.“ Ibrahim Al Halabi setzt weiterhin alles daran, seine Karrierechancen zu verbessern. Da er weiß, dass das Leben unberechenbar sein kann, sollten seiner Ansicht nach noch mehr Studierende gefördert werden: „Es gibt immer Herausforderungen. Deshalb ist es gut, dass es Stipendien gibt, die einem das Leben leichter machen. Die Unterstützung durch das Deutschlandstipendium ist für mich unbeschreiblich.“