Rückenwind für Hürdenläufer

Auf der Jahresveranstaltung des Deutschlandstipendiums wurden die fünf Gewinner-Hochschulen des diesjährigen Wettbewerbs ausgezeichnet, die mit vorbildhaften Förderkonzepten für Vielfalt von Talent und Leistung unter den Studierenden überzeugten.

Im Rahmen des Wettbewerbs „Rückenwind für Hürdenläufer“ wurden auf der Jahresveranstaltung des Deutschlandstipendiums 2019 fünf Hochschulen ausgezeichnet, die mit vorbildhaften Förderkonzepten für Vielfalt von Talent und Leistung unter den Studierenden überzeugten.

Sieger-Hochschulen des Wettebwerbs "Rückenwind für Hürdenläufer"

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, MdB ( 4. v. l. ) und Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft e. V. (4. v. r.), zeichneten die fünf Gewinner-Hochschulen aus. 

© BMBF / BILDKRAFTWERK / Bernd Lammel

Ob Migrationshintergrund, nicht-akademisches Elternhaus, zweiter Bildungsweg, gesundheitliche Einschränkung oder die Erziehung eigener Kinder: Viele der Stipendiatinnen und Stipendiaten haben vor dem Beginn oder während ihres Studiums bereits so manche Herausforderung gemeistert und gehen trotz besonderer sozialer, familiärer oder persönlicher Umstände mutig, engagiert und erfolgreich ihren Weg. Wie Hochschulen diese (bildungs-)biografischen Merkmale bei der Förderung durch das Deutschlandstipendium einbeziehen, stand im Mittelpunkt des diesjährigen Hochschul-Wettbewerbs „Rückenwind für Hürdenläufer“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft e. V.

Die fünf Gewinner, die auf der diesjährigen Jahresveranstaltung an der Fachhochschule Bielefeld prämiert wurden, überzeugten die Jury mit ganz unterschiedlichen Konzepten, neuen Ideen und vielfältigen Maßnahmen:

Stiftung Studienfonds OWL

„Staffelstab für Hürdenläufer“: Geförderte mit mutigen Lebens- und Bildungswegen werden zu Botschafterinnen und Botschaftern.

Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung Studienfonds OWL

© BMBF / Hans-Joachim Rickel

Die Idee: 
Viele der Stipendiatinnen und Stipendiaten, die in ihrem Leben selbst eine Hürde überwunden haben, übernehmen oftmals schon jetzt eine Mittlerrolle: Sie helfen anderen Studierenden, Hemmschwellen bei der Bewerbung für das Deutschlandstipendium abzubauen. Die Stiftung Studienfonds OWL – ein Kooperationsprojekt der Universität Bielefeld, der Universität Paderborn, der Fachhochschule Bielefeld, der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe sowie der Hochschule für Musik Detmold – möchte diese jungen Persönlichkeiten in ihrer Vorbildfunktion weiter stärken. 

Der Hintergrund:
Die Stiftung Studienfonds OWL misst sozialen, familiären und persönlichen Umständen einen hohen Stellenwert bei. Nicht nur bei den Kommunikations- und Fundraising-Aktivitäten, sondern auch bei der Bewerbung, der Vergabe und der Ausgestaltung des Deutschlandstipendiums spielen Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt an Talent und Leistung sowie Chancengleichheit eine entscheidende Rolle. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Beratungsstellen an den fünf Hochschulen – beispielsweise Studienberatungen, International Offices oder Familienbüros – konnten bereits Hemmschwellen für sogenannte „Hürdenläufer“ abgebaut werden. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten profitieren außerdem von einem breit gefächerten ideellen Förderangebot mit verschiedenen Veranstaltungsformaten: von Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung über Bewerbungstrainings bis hin zu Polit-Talks und Kaminabenden mit Unternehmerpersönlichkeiten. Auf diese Weise können die Geförderten in besonderem Maße von der Vielfalt des Netzwerks Deutschlandstipendium profitieren.

Geplante Maßnahmen: 
In Workshops sollen die „Hürdenläufer“ unter den Stipendiatinnen und Stipendiaten geschult und dadurch noch stärker dazu befähigt werden, andere „Hürdenläufer“ zu einer Bewerbung zu motivieren und sie auf die Chancen des Deutschlandstipendiums aufmerksam zu machen. Die Workshops sollen in das nächste Stipendiaten-Förderer-Treffen im Jahr 2020 integriert werden.

Freie Universität Berlin 

„Gemeinsam für Vielfalt – Talente fördern, Zukunft gestalten“: öffentlichkeitswirksame Kampagne im Storytelling-Format.

Vertreterinnen und Vertreter der Freien Universität Berlin

© BMBF / Hans-Joachim Rickel

Die Idee:
Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit, Wissenschaftsfreiheit und Nachhaltigkeit, ebenso wie die internationale Ausrichtung sind zentrale Profilmerkmale der Freien Universität. Dieses Selbstverständnis bestimmt auch die Aktivitäten rund um das Deutschlandstipendium. So werden Personen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen gefördert. Die im Deutschlandstipendium angelegte Idee der Vielfalt soll stärker nach außen kommuniziert werden. 

Der Hintergrund:
Hochschuleigene Programme, die sich an Menschen mit Fluchthintergrund richten oder spezielle Arbeitsgruppen zum Thema Diversität sind nur zwei Beispiele für das intensive Engagement der Freien Universität zur Förderung von Vielfalt. Der Gedanke spiegelt sich auch in der Ausgestaltung des Deutschlandstipendiums wider, dessen Bewerbung zum Beispiel in Deutsch und Englisch möglich ist und von dem besonders viele Studierende mit Migrationshintergrund (42 Prozent der Geförderten) profitieren. Bei der ideellen Förderung spielt das Thema Vielfalt ebenfalls eine wichtige Rolle: Das Mentoring-Programm, das durch das weltweite Alumni-Netzwerk der Freien Universität unterstützt wird, hilft den Stipendiatinnen und Stipendiaten dabei, eigene Fähigkeiten und Kompetenzen zu stärken und konkrete Ziele und Strategien für den eigenen Lebensweg zu entwickeln.

Geplante Maßnahmen:
Mit Blick auf das 10-jährige Jubiläum des Deutschlandstipendiums im Jahr 2021 plant die Freie Universität Berlin eine Kampagne, bei der Fördernde, Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie Alumni des Programms porträtiert werden und gemeinsam die große Vielfalt und Internationalität des Deutschlandstipendiums an der Freien Universität repräsentieren. Diese „Gesichter des Deutschlandstipendiums“ werden über ihre außergewöhnlichen Lebenswege, ihr persönliches Engagement und ihre Erfahrungen mit dem Stipendienprogramm berichten. Die Porträts sollen das Kernstück einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne bilden, die von Aktionen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen im Online- und Printbereich flankiert werden sollen.

Technische Hochschule Nürnberg 

„Mut zum Studium“: Erst-Akademikerinnen und Erst-Akademikern den Start ins Studium erleichtern.

Vertreterinnen und Vertreter der Technischen Hochschule Nürnberg

© BMBF / BILDKRAFTWERK / Bernd Lammel

Die Idee:
Junge Leute, die aus eher bildungsfernen Elternhäusern kommen, fällt die Entscheidung für ein Studium häufig schwerer. Das Deutschlandstipendium und das Programm „Mut zum Studium“ sollen als Türöffner zum Studium eingesetzt werden.

Der Hintergrund:
Vielfältigkeit in Forschung, Lehre, Weiterbildung sowie Administration und Service gehören zum Selbstverständnis der Technischen Hochschule Nürnberg, an der 55 Prozent der Studierenden aus Nicht-Akademikerfamilien stammen. Diese Studierenden haben sich ihren Weg an die Hochschule oftmals erkämpft – auch deshalb, weil sie nicht auf Studienerfahrungen aus dem familiären Umfeld zurückgreifen können. An der Technischen Hochschule Nürnberg werden Erst-Akademikerinnen und Erst-Akademiker bereits durch eine Vielzahl an Förderangeboten unterstützt. Ein Beispiel ist das Programm „Mut zum Studium“, bei dem Studierende aus höheren Semestern – sogenannte Studienbegleiterinnen und Studienbegleiter – den Erststudierenden beratend zur Seite stehen. Seminare zur Entwicklung von Lernstrategien oder vom Career-Service organisierte Praxistage bei Unternehmen helfen den Geförderten dabei, die eigenen Leistungen zu reflektieren. Um gezielt Personengruppen anzusprechen, die aus eher bildungsfernen Familien stammen, organisiert die Technische Hochschule Nürnberg im Rahmen des Programms „Mut zum Studium“ und des Deutschlandstipendiums außerdem vielfältige Informationsveranstaltungen.

Geplante Maßnahmen:
Die Technische Hochschule Nürnberg setzt sich stetig dafür ein, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für das Deutschlandstipendium anzusprechen und zur Bewerbung zu motivieren. „Weiche Faktoren“, wie der eigene Lebens- und Bildungsweg, sollen nach Möglichkeit künftig bei der Vergabe noch stärker berücksichtigt werden.

 Universität Konstanz 

„Stark in der Vielfalt“: mit Coachings eine Brücke zur Arbeitswelt schlagen.

Vertreterinnen und Vertreter der Universität Konstanz bei der Preisverleihung

 © BMBF / Hans-Joachim-Rickel

Die Idee:
Der Schritt vom Studium in die Berufswelt stellt vor allem für Studierende mit besonderen sozialen, familiären und persönlichen Umständen eine Herausforderung dar. Spezielle Coachings sollen ihnen den Sprung in die Berufswelt erleichtern. 

Der Hintergrund:
Die Universität Konstanz hat zum Ziel, Bildungsgerechtigkeit herzustellen, Vielfalt zu fördern und Diskriminierung zu beseitigen. Der Leitgedanke, Studierende in der Weiterentwicklung von persönlichen Stärken und Schlüsselqualifikationen zu unterstützen, steht auch bei der Vergabe des Deutschlandstipendiums im Fokus: Knapp 80 Prozent der Deutschlandstipendien an der Universität Konstanz wurden in diesem Jahr an Studierende vergeben, die nicht nur herausragende Noten aufweisen können, sondern auch erfolgreich bildungsbiografische Hürden überwunden haben – darunter Erstakademikerinnen und -akademiker, Eltern im Studium, Studierende mit chronischen Erkrankungen, Studierende mit Migrationshintergrund sowie Studierende mit pflegebedürftigen Angehörigen. 

Geplante Maßnahmen:
Durch das Angebot von professionellen Coachings zum Berufseinstieg sollen Stipendiatinnen und Stipendiaten, die bildungsbiografische Hürden überwunden haben, das entsprechende Rüstzeug für den Arbeitsmarkt erhalten. Die Auswahl der Coaches sowie die Durchführung der Coachings wird in enger Kooperation mit dem Career Service der Universität Konstanz erfolgen.   

Hochschule Nordhausen

„Chance nutzen – Vielfalt fördern“: Weg zu einer diversitätssensiblen Hochschule ebnen.

Vertreterinnen und Vertreter der Hochschule Nordhausen bei der Preisverleihung

 © BMBF / BILDKRAFTWERK / Bernd Lammel

Die Idee:
Um das Thema Diversität stärker in der Hochschule zu verankern, sollen auf allen Ebenen neue Angebote entwickelt werden – von Workshops für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen über modifizierte Anschreiben bis hin zu zusätzlichen Lehrangeboten. 

Der Hintergrund:
Mit durchschnittlich 2.300 Studierenden ist die Hochschule Nordhausen relativ klein. Diversität spielt derzeit vor allem in den sozialen Studiengängen eine Rolle und ist in der Organisationsstruktur der Hochschule verankert: Seit November 2018 gibt es einen wissenschaftlichen Mitarbeiter für Diversität, um die Belange von Studierenden aus dem Ausland kümmert sich ein eigens dafür eingerichtetes Büro. Diese Ansätze sollen weiter ausgebaut werden. Im Rahmen des Deutschlandstipendiums soll die Förderung und Unterstützung von Studierenden mit vielfältigen Biografien entwickelt werden, um dann Modell für alle Studierenden zu sein.

Geplante Maßnahmen:
Vielfalt von Talent und Leistung soll zum einen im Bewerbungs- und Auswahlprozess des Deutschlandstipendiums sowie in der Fördererakquise noch deutlicher berücksichtigt werden. Zum anderen soll das Thema durch zusätzliche Workshops und Angebote für Studierende mehr Präsenz erhalten. Darüber hinaus sind eine Plakataktion zur Erhöhung des Bewusstseins für Diversität und die Einrichtung eines Forums im E-Learning-System zur offenen Diskussion geplant. Langfristig will die Hochschule Nordhausen ein Gesamtkonzept der „diversitätssensiblen Hochschule“ entwickeln.