Mit der Krabbeldecke zur Vorlesung

Studieren mit zwei Kindern? Das geht doch nicht, dachte Katja Schertler. Jetzt ist sie froh, dass sie den Schritt gewagt hat. Das Deutschlandstipendium hilft, die finanziellen Hürden zu überwinden. Das Baby im Hörsaal stört niemanden – im Gegenteil.  

Studieren mit zwei Kindern? Das geht doch nicht, dachte Katja Schertler. Jetzt ist die angehende Managerin für Pflege und Gesundheit froh, dass sie den Schritt gewagt hat. Das Deutschlandstipendium hilft der Studentin der htw saar, die finanziellen Hürden zu überwinden. Das Baby im Hörsaal stört niemanden – im Gegenteil.  

Deutschlandstipendiatin Katja Schertler

Richtige Entscheidung: Deutschlandstipendiatin Katja Schertler hat als zweifache Mutter ein Studium begonnen 

© privat

Deutschlandstipendiatin Katja Schertler wollte eigentlich schon viel früher studieren. Nach dem Abitur entschied sie sich jedoch zunächst für eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. „Nachdem ich dann einmal berufstätig war und eigenes Geld verdient hatte, geriet der Wunsch irgendwie aus dem Blick“, erzählt die 26-Jährige. Vom Saarland ging sie nach Frankfurt am Main und arbeitete dort zwei Jahre am Universitätsklinikum, bevor im Jahr 2016 ihr Sohn Yoshua zur Welt kam. Nach kurzer Elternzeit stieg die junge Mutter wieder in den Beruf ein. Die Arbeit machte ihr großen Spaß. Allerdings beobachtete sie auch einige Dinge im Krankenhausalltag, die aus ihrer Sicht besser gemacht werden könnten. „Als Krankenschwester hat man darauf jedoch kaum Einfluss“, sagt sie.

Und es geht doch

Als sich Ende 2017 mit Tochter Thessa Kind Nummer zwei ankündigte, erhielt Katja Schertler in einem frühen Stadium ihrer Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot – und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Diese nutzte sie, um sich über mögliche Studiengänge zu informieren. „Management und Expertise in Pflege und Gesundheit“ an der htw saar passte exakt zu ihren Vorstellungen. Doch für realistisch hielt sie ihre Karrierepläne nicht: „Ich dachte, dass Studieren mit zwei Kindern nicht geht.“ Trotz der Zweifel besuchte Katja Schertler kurz vor der Geburt ihrer Tochter einen Infotag der Hochschule. Das gab den Ausschlag: Eine Familienbeauftragte empfing sie, zeigte ihr Still- und Elternzimmer, machte sie mit einer anderen studierenden Mutter bekannt und ermunterte sie, das Studium aufzunehmen. „Nach dem Gespräch war ich mir sicher, dass ich es versuchen will“, erzählt Katja Schertler. „Von der Hochschule habe ich auch den Tipp bekommen, mich direkt für das Deutschlandstipendium zu bewerben.“

Das Baby studiert mit

Über die Förderzusage ist Erstsemesterstudentin Katja Schertler heilfroh. Denn ohne die monatliche Unterstützung in Höhe von 300 Euro wäre der Beginn ihres Studiums nur schwer möglich gewesen. „Das Deutschlandstipendium war meine Eintrittskarte, denn Kinder sind schon teuer“, sagt Katja Schertler. Besonders dankbar ist sie auch ihrem Förderer: „Viele Firmen fördern Wirtschaftswissenschaftler oder angehende Ingenieure. Ich finde es toll, dass mein Förderer, die StudienStiftungSaar, auch die Sozialwissenschaften unterstützt.“ Genauso glücklich ist die zweifache Mutter darüber, dass bei der Vergabe des Deutschlandstipendiums auch die Erziehung eigener Kinder berücksichtig wird: „Das ist klasse, denn das Elternsein ist auch ein Lernprozess. Ich merke, wie viel ich davon hinsichtlich Selbstorganisation, Selbstdisziplin und Management profitiere.“ Ihren Alltag hat Katja Schertler gut organisiert. Während der zweijährige Yoshua in der Krippe ist, begleitet die vier Monate alte Thessa ihre Mama in den Hörsaal. „Sie studiert mit mir“, lacht Katja Schertler. Die kritischen Blicke, die sie anfänglich befürchtet hatte, blieben aus. Das beruhigt: „Je lockerer ich bin, desto lockerer ist auch das Baby. Und wenn ich für eine Übung beide Hände brauche, nimmt auch die Dozentin schon mal meine Tochter auf den Arm.“