„Kulturwandel muss nachhaltig sein“

Das Deutschlandstipendium war an der TU Darmstadt die Initialzündung für den Aufbau des Hochschulfundraisings. Warum sich ein langer Atem lohnt, berichten Kanzler Dr. Manfred Efinger und Mareile Vogler, Leiterin Universitätsförderung.

Mareile Vogler und Dr. Manfred Efinger, TU Darmstadt

Werben erfolgreich für das Deutschlandstipendium: Mareile Vogler und Dr. Manfred Efinger von der TU Darmstadt

Das Deutschlandstipendium war an der Technischen Universität Darmstadt die Initialzündung für den Aufbau des Hochschulfundraisings. Seitdem wächst die Zahl der Stipendien kontinuierlich. Im Studienjahr 2015/16 erreichte die Hochschule mit 377 Stipendien und einer Gesamtfördersumme von 1,3 Millionen Euro ihre bisherige Bestleistung. Über die anfänglichen Herausforderungen, und warum sich ein langer Atem lohnt, berichten Kanzler Dr. Manfred Efinger und die Leiterin der Universitätsförderung Mareile Vogler im Doppelinterview.

Herr Dr. Efinger, die TU Darmstadt zählt in Deutschland zu den erfolgreichsten Hochschulen beim Einwerben privater Fördermittel. Welche Ziele verbinden Sie langfristig mit dem Deutschlandstipendium?

Dr. Manfred Efinger: Das Deutschlandstipendium bezieht sich auf den oberen Bereich der leistungsfähigen Studierenden, die wir zusammen mit den Förderern unterstützen wollen. Wir haben die Hoffnung, dass wir sie langfristig an uns binden können. Vor 30 Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass ein herausragender Studierender so ein Förderinstrument erhält. Durch das Deutschlandstipendium rücken Gesellschaft und TU stärker zusammen. Man geht mit wechselseitigem Interesse aufeinander zu. Daraus entsteht ein Netzwerk, das langfristig trägt und über das Stipendienprogramm hinausgeht.

Wer wirbt an der Hochschule die Mittel ein?

Efinger: Der Bereich Fundraising ist im Ressort des Kanzlers angesiedelt. Das Deutschlandstipendium haben wir dezentral angesetzt. Das heißt, jeder Fachbereich wirbt und vergibt Stipendien eigenständig. Aufgabe des Kanzlers ist es, das Deutschlandstipendium bei Gesprächen mit Stiftungen und potenziellen Förderern einzubringen und auf die Förderungsmöglichkeiten hinzuweisen. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, gigantische Summen zu generieren. Vielleicht irgendwann einmal, aber erst einmal sind es die kleinen Brötchen. 

Frau Vogler, Sie und Ihr Team haben das Deutschlandstipendium an der TU Darmstadt von Anbeginn begleitet. Welche alltäglichen Herausforderungen stellen sich Ihnen?

Mareile Vogler: Die zentrale Herausforderung ist, nach innen und außen deutlich zu machen, dass Hochschulen über die Grundfinanzierung hinaus Gelder benötigen. Innerhalb der Universität muss gewährleistet werden, dass das Einwerben privater Mittel Forschung und Lehre nicht beeinflusst. Mit der Einführung des Deutschlandstipendiums haben wir eigens dafür einen Code of Conduct erstellt, der Transparenz sicherstellen soll.

Als Leiterin der Universitätsförderung sprechen Sie potenzielle Förderer an und pflegen bestehende Beziehungen. Welche Strategien setzen Sie dazu um?

Vogler: Als Technische Universität haben wir den Vorteil, dass Unternehmen unseren natur- und ingenieurwissenschaftlichen Nachwuchs kennenlernen möchten. Einige unserer Förderer betreiben mit uns bereits Forschung oder sind strategische Partner der Hochschule. Zur Neuakquise sprechen wir Unternehmen direkt an und stellen das Deutschlandstipendium jährlich auf der Unternehmenskontaktmesse Konaktiva vor. Darüber hinaus machen wir durch Events, Briefe und Telefonate auf das Deutschlandstipendium aufmerksam. Langfristig planen wir, dass unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten als Botschafter und Multiplikatoren des Deutschlandstipendiums auftreten. 

Ein Blick auf die Anfänge: Wie ist das Deutschlandstipendium an Ihrer Hochschule gestartet?

Efinger: Es gab zwar eine grundsätzliche Bereitschaft an diesem Konzept mitzuwirken, aber keine Folie, an der man sich orientieren konnte. Wir mussten uns alles erarbeiten. Die Besonderheit war hier, dass die Universität am Anfang in Vorleistung gehen musste. Das Deutschlandstipendium erfordert von Hochschulen ein gewisses Volumen und eine Bereitschaft, die Anfangsphase auch abzufedern. Für uns war aber klar, dass der Nutzen des Deutschlandstipendiums für die Hochschule viel größer ist. Natürlich gab es einige bürokratische Schwierigkeiten, aber der Hauptpunkt ist, dass der Kulturwandel nachhaltig gestaltet wird. Sonst wird es irgendwann doch wieder einschlafen. Wir werden jedoch alles tun, um das zu verhindern.

Würden Sie sagen, dass Deutschlandstipendium hat das Hochschulfundraising in Deutschland verändert?

Efinger: Ich finde, durch das Deutschlandstipendium hat das Thema Spenden einen positiveren Anstrich bekommen. Das Deutschlandstipendium ist nichts Abstraktes. Bei der Stipendienfeier sieht man die strahlenden Gesichter auf der Bühne und die Menschen, die durch diese Spenden gefördert werden. Für die TU Darmstadt war das Deutschlandstipendium eine Art Initialzündung für das Fundraising. Unser Team hat sich seither breiter aufgestellt und entwickelt sich ständig weiter. Wer weiß, ob es das alles ohne das Deutschlandstipendium gegeben hätte. Ich finde, dass es auf die gesamte deutsche Hochschullandschaft eine positive Wirkung hat. Wir müssen nun das Pflänzchen aber weiter hegen und pflegen.