„Es verbindet die Menschen“

Thea Rüdiger-Herrmann hat ein ausgeprägtes Gespür für soziale Themen. Im Interview berichtet die Masterstudentin, welche neuen Erfahrungen sie durch das Deutschlandstipendium sammeln konnte und wie die Förderung ihren Blick verändert hat. 

Thea Rüdiger-Herrmann ist eine der rund 2.200 Studierenden der Hochschule Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Die 37-Jährige, die ihren Master im Bereich Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung absolviert, hat ein großes Interesse und ein ausgeprägtes Gespür für soziale Themen. Im Interview berichtet sie, welche neuen Erfahrungen sie durch das Deutschlandstipendium auf ihrem Gebiet sammeln konnte und wie die Förderung ihren Blick verändert hat.  

Stipendiatin Thea Rüdiger-Herrmann

Thea Rüdiger-Herrmann konnte durch das Deutschlandstipendium eine interne Fortbildung in einem Pflegeheim veranstalten

© Mirko Thiele

Frau Rüdiger-Herrmann, die Hochschule Neubrandenburg ist eine vergleichsweise kleine Hochschule. Was gefällt Ihnen an der überschaubaren Größe?

Ich habe mich nicht bewusst für eine kleinere Hochschule entschieden. Ich bin bereits staatlich anerkannte Ergotherapeutin und konnte, nachdem ich mit meinem Mann von Berlin nach Güstrow gezogen bin, an der Hochschule Neubrandenburg „Soziale Arbeit“ studieren. Nun mache ich meinen Master im Studiengang „Psychosoziale Beratung“ und bin dort im vierten Semester. Der Vorteil an einer kleineren Hochschule ist, dass die Dozentinnen und Dozenten, die Professorinnen und Professoren, sowie auch die Ansprechpartnerin für das Deutschlandstipendium immer gut erreichbar sind – sei es in den Sprechstunden, per E-Mail oder auch einfach dem Flur. Es gibt auch nur wenige Hochschulen in Deutschland, die meinen Masterstudiengang anbieten. Die Studierenden kommen deshalb aus unterschiedlichen Bundesländern, sodass hier ein sehr lebendiger Austausch stattfindet.

Sie sind seit dem Wintersemester 2018/2019 Deutschlandstipendiatin. Was bedeutet Ihnen die Förderung?

Soziale Themen spielen in meinem Leben eine wichtige Rolle. Das ist auch in meinem persönlichen Umfeld so, da mein Mann Pastor ist und viele unserer Freunde im sozialen und theologischen Bereich engagiert sind. Förderungen für Studierende im sozialen Bereich sind allerdings eher selten. Der größte Gewinn ist, dass ich durch die finanzielle Unterstützung meine Fahrtkosten begleichen und mein Ehrenamt in einem Jugendverband weiterführen kann. Davon abgesehen habe ich mich auch nach einer Art Würdigung gesehnt, die ich durch die Auszeichnung erfahren habe. Was mich außerdem weitergebracht hat, war, dass mich die Hochschule dazu ermutigt hat, Kontakt zu meinem Förderer aufzunehmen.

Ihr Förderer, ein Wohnungsunternehmen aus der Region, hat es Ihnen ermöglicht, eine interne Fortbildung für die Führungskräfte eines Pflegeheims zu veranstalten. Wie kam es dazu?

Meine Ansprechpartnerin und mein Ansprechpartner haben mich gefragt, wie sie mich noch fördern können. Wir haben dann gemeinsam überlegt, wie ich die Kompetenzen aus meinem Studium und meine berufliche Erfahrung als Ehe-, Familien- und Lebensberaterin anwenden kann. So entstand die Idee zu einem Vortrag für die Führungskräfte des Pflegeheims. Das Thema war „Transaktionsanalyse und Bindungstheorie“. Das ist ein tiefenpsychologisches Modell, bei dem es um die Betrachtung von Konfliktreaktionen geht. Damit haben ja auch Führungskräfte in einem Pflegeheim zu tun. Mein Ansatz war es deshalb, dem Team auf diesem Gebiet neuen Input zu geben.

Was haben Sie daraus mitgenommen?

Dass sich durch die Förderung die Möglichkeit ergibt, eine solche Fortbildung zu halten, hätte ich wirklich nicht gedacht. Das Deutschlandstipendium ist sozial und es verbindet die Menschen, weil der Fokus auch darauf liegt, wie wir miteinander umgehen und wie wir uns gegenseitig unterstützen können. Ich habe dadurch auch gemerkt, dass von Seiten der Hochschule viel Wohlwollen vorhanden ist, uns Studierende zu fördern. Das war mir früher nicht so klar, weil ich sehr darauf fokussiert war, dass ich unbedingt noch besser werden muss. Diese Offenheit, auch die der Professorinnen und Professoren, habe ich erst durch die Veranstaltungen des Deutschlandstipendiums begriffen, und ich habe erkannt, dass das eine große Chance ist. Das hat meinen Blick verändert.