„Eine große Familie“

An der Hochschule Bremerhaven, an der rund 3.000 Studierende lernen und forschen, ist der Familiengedanke für die Umsetzung des Deutschlandstipendiums ein Erfolgsfaktor. Warum das so ist, berichtet die Programmverantwortliche Christiane Johannsen.

An der Hochschule Bremerhaven, an der rund 3.000 Studierende lernen und forschen, wird viel Wert auf das persönliche Miteinander gelegt. Der Familiengedanke ist auch für die Umsetzung des Deutschlandstipendiums ein Erfolgsfaktor. Warum das so ist, berichtet die Programmverantwortliche Christiane Johannsen im Interview.

Programmverantwortliche Christiane Johannsen

Schafft eine familiäre Atmosphäre in der Deutschlandstipendium-Community: Christiane Johannsen, Programmverantwortliche der Hochschule Bremerhaven

 © Bernd Otten

Was macht das Deutschlandstipendium an einer kleinen Hochschule wie der Hochschule Bremerhaven aus?

Bei uns bilden alle Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie Förderinnen und Förderer eine große Familie. Das ist eine Community, die sich kennt, die sich schätzt, die einen intensiven persönlichen Kontakt zueinander hat. Ich glaube, das ist etwas, was nur an einer kleinen Hochschule geht.

Sie betreuen das Programm bereits seit dem Jahr 2012. Wie tragen Sie mit Ihrer Arbeit zu dieser Atmosphäre bei?

Ich habe zu jeder und jedem eine persönliche Beziehung. Das gilt für die Fördernden wie auch für die Studierenden. Mein Büro befindet sich mitten auf dem Campus. Wenn das Fenster auf ist, wissen alle, dass ich da bin. Viele kommen einfach auf einen Schnack vorbei. Man trifft sich, man schätzt sich, man grüßt sich. Keiner hat Probleme, sein Herz aufzumachen.

Setzen Sie auch bei der Mittelakquise auf die persönliche Ansprache?

Wir gehen nicht auf die breite Masse. Wenn ich unterwegs bin, werde ich häufig auf das Deutschlandstipendium angesprochen. Diese Kontakte versuche ich für die Akquise zu nutzen. Aber genauso habe ich meine Professorinnen und Professoren, die gut in der regionalen Wirtschaft vernetzt sind und für mich den Erstkontakt machen. Bei uns geben Fördernde ihre Zusage immer nur für ein Jahr. Denn ich möchte, dass die Förderung in jedem Jahr eine bewusste Entscheidung ist. Das ist mir ganz wichtig, weil dadurch eine große Bindung und Identifikation entsteht. Und es springt keiner ab. Das ist das Schöne. 

Wie ist das Verhältnis Ihrer Stipendiatinnen und Stipendiaten untereinander?

Sie kommen alle aus unterschiedlichen Studiengängen und sind in verschiedenen Semestern. Über das Studium haben sie wenig Schnittmengen. Jedoch bewegen sie sich alle von ihren Leistungen her im oberen Bereich und sehen es als ihre Aufgabe an, die anderen Studierenden „mitzuziehen.“ Über diese Rolle, die manchmal auch mit einem Leidensdruck verbunden sein kann, können sie sich austauschen. Das hilft ihnen.

Vernetzen sich die Studierenden auch mit ihren Förderinnen und Förderern?

Wir haben pro Jahr mindestens drei Veranstaltungen für unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie unseren Fördernden. Im Laufe der Zeit entwickelt sich unter ihnen ein eher freundschaftliches Verhältnis, sodass die Veranstaltungen immer informeller werden. Nur bei der Stipendienvergabe trägt man doch eher schick, zum Beispiel Jackett mit Binder oder eben „das kleine Schwarze“, weil es ein festlicher Rahmen ist. Wir waren aber auch schon zusammen bowlen oder sind gemeinsam Segeln gewesen. Da sind wir dann ganz locker unterwegs.

Warum sind diese Treffen wichtig?

Ich habe es nach dem Studium selbst erlebt, dass mich zwei Menschen an die Hand genommen und mir geholfen haben, mein Netzwerk aufzubauen. Davon zehre ich heute noch. Als ich das Deutschlandstipendium übernommen habe, wollte ich deshalb genau dasselbe machen. Über das Geld freuen sich die Studierenden. Aber sie verstehen auch, wie wertvoll ein verlässliches Netzwerk ist. Sie können Kontakte knüpfen, Fragen stellen und haben die Chance, sich weiterzuentwickeln.

Haben Sie als Hochschule auch etwas von dem Programm?

Das Deutschlandstipendium ist ein tolles Mittel, um in die Breite zu gehen, um Anlässe zu schaffen und um sein Netzwerk zu verbreitern. Es hilft außerdem, für andere Themen zu werben oder Kooperationen in Forschung und Entwicklung noch einmal voranzubringen. Es ist eine ganz tolle Chance. Sowohl mit unseren Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten wie auch mit den Stifterinnen und Stiftern haben wir Botschafterinnen und Botschafter auf hohem Niveau.