Die Kraft des Steines

Das Studium der Bildhauerei an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft bringt Johanna Foldt immer wieder in Kontakt mit den eigenen Grenzen. Das Deutschlandstipendium gibt ihr Stabilität und ermöglicht ihr, gut für sich selbst zu sorgen. 

Das Studium der Bildhauerei an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn bringt Johanna Foldt immer wieder in Kontakt mit den eigenen Grenzen. Das Deutschlandstipendium gibt ihr Stabilität und ermöglicht ihr, gut für sich selbst zu sorgen. 

Deutschlandstipendiatin Johanna Foldt

Schöpft aus der Förderung viel Kraft: Deutschlandstipendiatin Johanna Foldt

© privat

Johanna Foldt hat den Wunsch, dem Leben näher zu sein. Deshalb studierte die heute 24-Jährige vor ihrem Studium an der Alanus Hochschule zunächst ein Jahr lang Biologie. Ihre Erfüllung war es jedoch nicht und sie merkte, dass ihr der Kontakt zur Natur ein Bedürfnis ist. Über die Arbeit mit dem Material Stein, die sie bei einer Studienfahrt nach Norwegen für sich entdeckte, spürte sie mehr denn je, was körperliche und geistige Kraft bedeuten. Danach war es klar: Es ist die Bildhauerei. „Es war so, als ob ich ein Werkzeug gefunden hätte“, erzählt sie. Nach fünf Semestern im Bachelor-Studiengang Bildende Kunst ist sie nicht nur mit verschiedenen Naturmaterialien in Kontakt getreten, sondern hat auch viel über eigene innere Prozesse erfahren. Um diese für sich zu verarbeiten, entschied sie sich im vergangenen Jahr für eine therapeutische Begleitung. Es ist ihr sehr wichtig, diesen Punkt zu erwähnen. Denn: „Für mich ist das ein essenzieller Teil einer gesunden künstlerischen Arbeit. Weil man an Dinge rankommt, die man im täglichen Leben nicht hat.“ Um sich diese Betreuung leisten zu können und den freien Strukturen ihres Studiums gerecht zu werden, bewarb sie sich für das Deutschlandstipendium: „In einem Kunststudium muss jeder seine eigenen Stärken finden. Das braucht sehr viel Zeit. Deswegen bin ich dankbar, dass ich mich jetzt durch Deutschlandstipendium ein Jahr auf das Studium konzentrieren kann.“ 

Bildhauerisch arbeiten heißt in Kontakt treten

Auch kleine „Ausreißer“ aus der Enge des städtischen und industriell geprägten Lebens in Nordrhein-Westfalen kann sie sich dank der finanziellen Unterstützung gönnen. Gerade nutzt sie einen Aufenthalt in Frankreich, um künstlerisch aufzutanken: „Ich brauche eine gewisse Purheit in der Natur, weil das für mich persönlich ein großer Impuls ist, aus dem ich ganz viel Kraft schöpfe.“ Diese beruhigenden Momente ermöglichen ihr auch die Quarzwerke Witterschlick, die in Alfter Quarzsande und -kiese abbauen und aufbereiten und Johanna Foldt über das Deutschlandstipendium unterstützen. Eine Gemeinsamkeit von Förderer und Stipendiatin ist das Interesse für Materialien. Bei der Stipendienvergabefeier der Alanus Hochschule tauschte sich Johanna Foldt mit einem Mitarbeiter des Unternehmens persönlich über die verschiedenen Qualitäten von Naturstoffen aus: Es war einfach schön, dass da auch jemand ist, der forscht, was Material ist, was es kann und was es ausmacht. Und es war spannend, zu sehen, aus welchen Gründen sie forschen und aus welchen Gründen ich forsche.“

Mit Kunst Kräfte mobilisieren 

Ihre Zukunft hat die junge Bildhauerin noch nicht in Stein gemeißelt. Sie lässt die Dinge auf sich zukommen und bleibt offen gegenüber dem, was kommt. Momentan kann sie sich gut vorstellen, mit Kindern und Jugendlichen künstlerisch zu arbeiten. In einer immer komplexer werdenden Welt hält sie die künstlerische Tätigkeit für besonders wichtig. Künstlerinnen und Künstler, die sich intensiv mit verschiedenen Prozessen auseinandersetzen, haben ganze andere Möglichkeiten die Welt zu sehen und verschiedene Qualitäten zu erkennen. Diese Fähigkeiten braucht es, um Dingen nicht einfach zu folgen.“ Das ist auch einer der Gründe, warum sie findet, dass mehr private Förderer den Kunstnachwuchs unterstützen sollten: „Kreative Prozesse brauchen finanzielle Sicherheit – als klaren Raum, in dem Kräfte freigesetzt werden können.“