Das regionale Netzwerk fördern

60 Stipendiaten unterstützt die Hans Hermann Voss-Stiftung im Rahmen des Deutschlandstipendiums. Stiftungsvorstand Johanna Holst berichtet über die Motivation, junge Studierende naturwissenschaftlicher und technischer Fachrichtungen zu fördern.

60 Stipendiatinnen und Stipendiaten unterstützt die Hans Hermann Voss-Stiftung im Rahmen des Deutschlandstipendiums an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, der Technischen Hochschule (TH) Köln, der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Technischen Universität (TU) Darmstadt. Stiftungsvorstand Johanna Holst berichtet im Interview über die Motivation, junge Studierende naturwissenschaftlicher und technischer Fachrichtungen zu fördern. Eine Motivation, die zurückgeht auf den Gründer der Stiftung: Hans Hermann Voss, Ingenieur und Unternehmer in der Stadt Wipperfürth.

Eine Frau, die vor einer weißen wand steht

Die Hans Hermann Voss-Stiftung und Stiftungsvorstand Johanna Holst setzen sich für den naturwissenschaftlichen und technischen Nachwuchs ein. 

© Anett Kürten

Die Hans Hermann Voss-Stiftung setzt sich unter anderem für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein. Warum haben Sie sich für das Deutschlandstipendium als Förderinstrument entschieden? 

Der große Vorteil des Deutschlandstipendiums ist, dass durch die kostenmäßig niedrigschwellige Förderung viele leistungsstarke Studierende erreicht werden können. Aus der Perspektive eines privaten Förderers ist besonders die Verdopplung der Stipendienmittel durch den Bund attraktiv. Dadurch entsteht eine große Hebelwirkung. Hans Hermann Voss, unserem Stifter, war Bildung sehr wichtig. Er hat nach dem Krieg Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Stuttgart studieren können und war sich dieses Privilegs bewusst. Eines der Leitmotive unserer Stiftung ist, dass wir mit unserer Förderung einen Beitrag dazu leisten wollen, jungen Menschen den Weg ins (Berufs-)Leben zu erleichtern.

Wie müssen Forschung und Entwicklung zukünftig aufgestellt sein, um die Fragen der Zukunft beantworten zu können?

Eine große Bedeutung haben die interdisziplinäre Forschung und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Schließlich sind es die jungen Menschen, die die Zukunft gestalten. Eine breite Wissensaneignung in der Studienzeit ist dabei sowohl im wissenschaftlichen wie auch im gesellschaftlichen Sinn sehr wichtig. Wir möchten mit unserer Förderung im Rahmen des Deutschlandstipendiums erreichen, dass Studierende Freiräume gewinnen, über den Tellerrand hinausschauen und ihren Horizont über ihr Studienfach hinaus erweitern. Manche Studierende nutzen die Förderung, um sich intensiv ihren Forschungsprojekten widmen zu können. Andere nutzen das ideelle Rahmenprogramm, um in andere Themengebiete hineinzuschnuppern. Wieder andere können durch die Förderung ihr ehrenamtliches Engagement fortführen. Es ist klasse, dass neben dem entscheidenden Kriterium der Leistung beim Deutschlandstipendium auch dieses Engagement mitberücksichtigt wird. Wir finden das alles sehr unterstützenswert.

An der RWTH Aachen profitieren derzeit 30 Studierende durch ein Deutschlandstipendium der Hans Hermann Voss-Stiftung. Wie sieht der Kontakt zu den Studierenden aus?

Wir fördern im Rahmen des Deutschlandstipendiums an verschiedenen Hochschulen der Region. Angefangen hat unser Engagement an der RWTH Aachen. Vor kurzem war die Stipendienvergabe, bei der wir nicht nur unsere neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten kennengelernt haben, sondern auch diejenigen wiedergesehen haben, die wir schon zum zweiten oder dritten Mal fördern. Mehrmals jährlich laden wir unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten zu Veranstaltungen ein. Im letzten Jahr kam der Workshop zur Innovation in Kooperation mit dem Human Technology Center von der RWTH Aachen gut an. Im Januar bieten wir am Standort einer ehemaligen Mülldeponie, heute ein europäisches Kompetenzzentrum für Stoffumwandlung und Umwelttechnologien, einen Workshop zu den Themen Ressourcen, Ressourcenpolitik und Nachhaltigkeit an. Zu diesen Workshops kommen Studierende verschiedener Hochschulen, wodurch ein interdisziplinärer Austausch und interessante Gespräche entstehen.

Wie passen Unternehmenspersönlichkeiten wie Herr Voss und das Deutschlandstipendium zusammen?

In fachlicher Hinsicht sind wir ganz sicher, dass es Herrn Voss gefallen hätte, dass wir talentierte Studierende verschiedener Fachrichtungen – von Maschinenbau und Elektrotechnik, über Informatik und Mathematik bis zur Biotechnologie – fördern. Gleichzeitig war ihm bei der Stiftungsgründung 1992 neben der Absicherung seines Unternehmens auch wichtig, dass seine Förderung im regionalen Umfeld erhalten bleibt. Gefördert wurden immer junge Menschen in lokalen Vereinen und Bildung. Herr Voss war der Überzeugung, dass man Erfolg nicht allein erwirtschaftet und dass man als Unternehmer die Verpflichtung hat, dem Umfeld, in dem das Unternehmen so erfolgreich werden konnte, etwas zurückzugeben. Mit dem Deutschlandstipendium können wir gezielt den wissenschaftlichen Nachwuchs der Region und damit auch das regionale Netzwerk fördern. 

Warum sind Ihrer Ansicht nach Förderprogramme wie das Deutschlandstipendium so wichtig?

Unsere Förderung beginnt am Anfang der Bildungskette. Wir unterstützen zum Beispiel die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern mit dem Ziel, dass schon die Jüngsten an naturwissenschaftliche und technische Themen herangeführt werden. Perspektivisch werden so vielleicht mehr junge Menschen an die Hochschulen kommen, die sich das sonst nicht zugetraut hätten. Und durch das Deutschlandstipendium müssen viele Studierende nicht so viel außerhalb der Wissenschaft tätig sein. Damit können sie sich stärker auf ihr Fach und ihr wissenschaftliches Arbeiten konzentrieren.