Auftaktveranstaltung 2011

Der Anfang für eine neue Stipendienkultur ist gemacht: Am 1. Februar 2011 kamen Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft in die Berliner Humboldt-Universität zur Auftaktveranstaltung des Deutschlandstipendiums. 

Neue Ära der Stipendienkultur

Rund 300 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft kamen zum Auftakt für das Deutschlandstipendium. Podiumsdiskussion und Reden im Audimax der Berliner Humboldt-Universität zeigten: Eine Stipendienkultur in Deutschland birgt Chancen für alle.

Auftaktveranstaltung 2011

Bundesbildungsministerin a. D. Annette Schavan mit den ersten Deutschlandstipendiaten der Universität Augsburg Marcus Renner, Verena Pitzl und Barbara Seitz, (v.l.n.r.).

Unter dem Motto "Junge Talente fördern kostet jetzt nur noch halb so viel" kamen am 1. Februar prominente Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft in das Audimax der traditionsreichen Humboldt-Universität. Mit dabei auch erste Förderer und Stipendiaten, darunter Marcus Renner. Der Student von der Universität Augsburg musste bislang hart jobben neben dem Studium, jetzt fördert ein regionales Unternehmen sein Deutschlandstipendium. Die andere Hälfte der Mittel schießt der Bund dazu. Hart gerungen habe man um das neue nationale Förderprogramm, sagte die Bundesministerin a. D. und versprach, das weiterhin zu tun, "denn eine Stipendienkultur ist in Deutschland überfällig". Schavan warb insbesondere für ein stärkeres Miteinander von Hochschulen und Alumni.

Mehr als Talentwerbung

Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität pflichtete ihr bei. "Mit dem Stipendium betreten wir eine neue Ära." Mit Blick auf die durch das Deutschlandstipendium angeregte Stipendienkultur sprach er von einer "neuen Dimension" der Förderung. Wie eine fortgeschrittene Stipendienkultur aussieht, erläuterte mit Anja Langenbucher die Vertreterin der weltweit größten Privatstiftung: der Bill und Melinda Gates Foundation. Ihr Vortrag vermittelte interessante Einblicke in die angelsächsische Förderkultur und setzte Impulse zu einem lebhaften Podiumsgespräch. Darüber, dass eine Stipendienkultur gerade in Zeiten des Fachkräftemangels zu den dringenden gesellschaftlichen Aufgaben gehört, herrschte in der von TV-Journalistin Petra Gerster moderierten Runde Einigkeit. Es gehe dabei um viel mehr als um "Talentwerbung", setzte Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger auseinander. Das Unternehmen begreife sich als Teil der aktiven Bürgergesellschaft und sei stolz darauf, mit dieser Form der Studienförderung einen weiteren Beitrag zur Stärkung des Bildungs- und Wissensstandortes zu leisten. Für ein intensiveres Miteinander von Bürgern, Hochschulen und Unternehmen setzte sich auch Christian Kramberg vom Verein alumni-clubs.net ein. Er warb dabei nachdrücklich für die bessere Vernetzung aller Akteure über die Hochschulen.

Keine Eliteförderung per se

Einer, der schon auf ein starkes regionales Netzwerk bauen kann, ist Hochschulrektor Prof. Dr. Ulrich Radtke von der Universität Duisburg-Essen. Ihm kam es in der Diskussion noch auf etwas anderes an: An seiner Universität stammen mehr als 50 Prozent der potenziellen Stipendiatinnen und Stipendiaten aus Nichtakademiker-Haushalten oder Zuwandererfamilien. Für ihn sei das Deutschlandstipendium als Ergänzung zur Breitenförderung daher nicht pauschal gleichzusetzen mit Eliteförderung. Auch den allmählichen Ausbau des Stipendienprogramms, durch den bis zu acht Prozent aller Studierenden profitieren sollen, hält er für sinnvoll: "Die Hochschulen und Universitäten haben dem Bundesministerium empfohlen, langsam anzufangen. Neue Strukturen brauchen Zeit, zumal die Bereitschaft zum Fördern noch wachsen muss." Bei seinen Gesprächen mit potenziellen Stiftern höre er allerdings viel öfter ein Ja als ein Nein, schließt er optimistisch. Auch hinsichtlich des Aufbaus geeigneter Fundraising-Strukturen zeigte sich die Runde zuversichtlich. "An den meisten deutschen Hochschulen kommt die Organisation des Deutschlandstipendiums zügig voran", berichtete die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz Prof. Dr. Margret Wintermantel. Der Anfang ist gemacht.