Auch die "Kleineren" machen mit

Chancen für Bildungsaufsteiger, Stärkung des Bildungsstandortes, regionale Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft: Inzwischen entdecken zunehmend auch „kleinere“ Hochschulen die Vorteile des Deutschlandstipendiums. Warum es sich besonders für sie lohnt, dabei zu sein? Wir haben an zwei Fachhochschulen und einer Pädagogischen Hochschule nachgefragt.

Mann am Schreibtisch

Der Deutschlandstipendiat Carl Sebastian Hoffmann absolviert den praktischen Teil seines BWL-Studiums bei der Sparkasse Weserbergland.
Foto: © Frank May 2014
Deutschlandstipendiat Carl Sebastian Hoffmann war schon immer zielstrebig. Das hat ihn oft gerettet. Er hat viel geschafft: Von der Hauptschule wechselte er an die Berufsfachschule Wirtschaft und von dort aus ans Wirtschaftsgymnasium. Finanziell war es immer eng. Großgezogen hat ihn und seinen Bruder die Großmutter. „Ohne meine Großmutter und meinen Bruder wäre ich aufgeschmissen gewesen. Sie haben mich immer unterstützt.“ Für seinen Führerschein sparte der Zwillingsbruder mit. Heute studiert Carl Sebastian Hoffmann im dritten Semester an der Hochschule Weserbergland, einer privaten Einrichtung für duale Studiengänge. „Für mich kam nur ein duales Studium infrage. Da bin ich bei einem Unternehmen angestellt, bekomme ein monatliches Gehalt und verbinde Theorie und Praxis. Anders wäre eine akademische Laufbahn für mich auch gar nicht finanzierbar“, sagt der 24-Jährige, der den praktischen Teil seines BWL-Studiums bei der Sparkasse Weserbergland absolviert.Dabei macht sich sein Engagement auch im Studium durch herausragende Leistungen bemerkbar. Das zeigt nicht zuletzt die Anerkennung durch das Deutschlandstipendium. Seit Oktober 2013 bessern monatlich 300 Euro das knappe Studienbudget auf. Für Hoffmann ist das eine große Entlastung: „Jetzt habe ich an den Wochenenden Freiraum und  mir bleibt mehr Zeit zum Lernen.“ 

Carl Sebastian Hoffmann in der Bibliothek der Hochschule Weserbergland bei der Recherche für seine Hausarbeit. Foto: © Frank May 2014Sein privater Förderer ist der Rotary Club Hameln, der zunächst für zwei Semester die Hälfte des vom Bund geförderten Deutschlandstipendiums übernimmt. Das motiviert den angehenden Betriebswirt noch zusätzlich. „Das Deutschlandstipendium bedeutet mir sehr viel. Endlich kann ich mir auch die teure Fachliteratur für Themen leisten, die mich neben der Pflichtlektüre interessieren.“

Ein Stipendium für Bildungsaufsteiger

Für Monika Deppmeyer sind genau solche Geschichten ein Grund mehr, sich für das Deutschlandstipendium ins Zeug zu legen. „Mich freut besonders, dass auch Studierende aus Nichtakademikerhaushalten mit diesem leistungsbezogenen Stipendium gefördert werden“, betont die Koordinatorin des Deutschlandstipendiums an der Hochschule Weserbergland. „Viele unserer Studierenden kommen von weit her, benötigen einen Zweitwohnsitz oder haben hohe Fahrtkosten.“ Zwar würden sie in einem dualen Studium von ihrem Praxispartner entlohnt, sie können aber kein BAföG erhalten. Das mache dieses Stipendium auch aus finanziellen Gründen für alle Studierenden attraktiv. 56 Bewerbungen gingen gleich im ersten Jahr über den Tisch von Monika Deppmeyer. Immerhin sieben Deutschlandstipendien kann die Hochschule mit insgesamt rund 500 Studierenden vergeben, seit die Förderquote im Herbst vergangenen Jahres auf 1,5 Prozent angehoben wurde. „Für das eine Prozent vorher hat sich der Verwaltungsaufwand einfach nicht gelohnt“, so Deppmeyer, die sich über die positive Resonanz bei privaten Geldgebern freut. „Ich finde es einfach toll, dass das Stipendienprogramm jetzt auch bei uns angelaufen ist. Endlich können wir mitmischen.“

Starke Nachfrage bei den Studierenden

Auch die Studierenden an der Fachhochschule Flensburg haben offenbar nur darauf gewartet, sich für das Deutschlandstipendium bewerben zu können. „Wir haben viel Energie in die Homepage und den Bewerbungsprozess gesteckt, um gut aufgestellt zu starten. Als es dann losging, waren wir überwältigt von der Nachfrage – schon vor dem Bewerbungsstart bekamen wir Anfragen. Sogar von Studierenden der Universität Flensburg“, staunt Heike Bille, Präsidiumsbeauftragte für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer. Sechs Stipendien für je ein Jahr konnte die auf Wirtschaft und Technik spezialisierte Fachhochschule im Wintersemester 2013/2014 einwerben. Für die Fachhochschule mit rund 4.000 Studierenden ist das noch Neuland. Die Zusammenarbeit mit den Unternehmen in der Region funktioniert aber immer besser. „Wir haben unsere Lehren aus den Anfängen gezogen, wollen noch mehr auf die Unternehmen zugehen und werden uns auch ganz neue Wege einfallen lassen, um potenzielle Förderer zu finden“, ist Heike Bille zuversichtlich. Zielgruppe sind dabei die kleinen und mittleren Betriebe in und um Flensburg. „Schließlich bilden wir hier den Nachwuchs für den Mittelstand aus. Unser Praxisbezug ist ein großes Plus für die Unternehmen. Das hat sich herumgesprochen“, meint Heike Bille.

Bildungspolitisches Statement für die Zukunft

Die Pädagogische Hochschule Weingarten muss anders argumentieren, um Förderer zu gewinnen. Die Bildungseinrichtung mit mehr als 3.000 Studierenden bildet vorwiegend Lehrer aus. „Unternehmen als Förderer zu gewinnen war eine echte Herausforderung“, erzählt Christian Gras, Rektoratsreferent der PH Weingarten. „Überzeugt haben wir sie schließlich mit dem Argument, in die Zukunft der Ausbilder für die kommende Fachkräftegeneration zu investieren.“ Vier Studierende profitieren seit dem Sommersemester 2013 von dem Engagement privater Mittelgeber aus der Region wie der Kreissparkasse Ravensburg oder der Stiftung Ravensburger Verlag: „Das Deutschlandstipendium ist für uns und unsere Förderer ein bildungspolitisches Statement für die Zukunft“, sagt Gras, der zuversichtlich ist, dass sich bald noch mehr Mittelgeber für die kommende Pädagogengeneration engagieren.