Als Mutter zum Master

Studieren mit Kind – das erfordert viel Organisationstalent: Immer wenn Sabine Helm ihre Veranstaltungen im Fach Umweltplanung und Ingenieursökologie besuchen wollte, musste sie sich erst um eine Betreuung für ihren kleinen Sohn kümmern. Doch dann kam der Münchnerin die rettende Idee.

Sabine Helm, Deutschlandstipendiatin an der Technischen Universität München: „Wenn man ein Kind betreuen muss, dauern viele Dinge einfach länger. Und man muss sich aktiv darum bemühen, Hilfe zu suchen, zum Beispiel einen Babysitter für die Vorlesungszeit. Deshalb habe ich gemeinsam mit anderen eine Elterninitiative gegründet, bei der sich Studierende mit Kind gegenseitig helfen.“ © Technische Universität München

 

Managerin ist Sabine Helm schon längst. Zeitmanagerin. Denn die 27-Jährige hat seit 2010 einen kleinen Sohn. Und es ist eine echte Herausforderung, den Nachwuchs mit ihrem Studium an der Technischen Universität München unter einen Hut zu bekommen. Drei Semester musste die Studentin der Umweltplanung und Ingenieursökologie nach der Geburt ihres Kindes pausieren. „Nun möchte ich mich zurückmelden“, erklärt Sabine Helm. Denn jetzt sieht sie zwei wichtige Voraussetzungen erfüllt.

„Mein Mann und ich haben seit Oktober einen Krippenplatz“, freut sie sich. Damit habe sie wieder den nötigen Freiraum, weiter zu studieren. Die zweite wichtige Voraussetzung ist das Deutschlandstipendium. „Da ich selbst nur sehr wenig BAföG bekomme, ist das Stipendium für uns eine riesige finanzielle Entlastung.“ Sabine Helms Ehemann studiert ebenfalls an der Technischen Universität München. Zwar erhält er einen Mietzuschuss von den Eltern, aber kein BAföG. Nun helfen die 300 Euro monatlich bei der finanziellen Absicherung. Als Teil einer Elite fühlt sie sich keineswegs. „Ich denke, dass ich das Deutschlandstipendium auch aufgrund meiner familiären Situation bekomme habe.“

Gleich zu Anfang ihres Studiums erfuhr Sabine Helm, dass sie schwanger ist. „Auf vieles musste ich mich neu einstellen. Ich habe zum Beispiel gelernt, wie wichtig es ist, immer früh genug mit dem Organisieren anzufangen.“ Doch ganz aufhören zu studieren – das kam nie infrage. Obwohl keine Großeltern in der Nähe sind, die auf das Kind aufpassen könnten. Obwohl der Babysitter für die Zeit während der Vorlesungen ganz schön ins Geld ging.

Eine gute Idee brachte die Rettung: Die junge Mutter gründete kurzerhand gemeinsam mit anderen studierenden Müttern eine Elterninitiative. Der Grundgedanke: Studierende mit Kind helfen sich gegenseitig. Kostenlos. „Während die einen Vorlesungen und Seminare besuchen, passen die anderen auf die Kinder auf“, erklärt sie. Jeder sei abwechselnd dran, das würde hervorragend klappen. „Mit der Zeit hat sich eine richtige Gemeinschaft gebildet, sodass es jetzt nicht mehr nur darum geht, auf die Kinder aufzupassen. Wir verbringen auch so Zeit miteinander.“

Das Thema ihrer Masterarbeit steht bereits fest: Ökobilanzierung. „Daher würde ich gern mal meinen Förderer, die MAN, kennenlernen“, sagt Sabine Helm. Sie interessiert, was der Fahrzeug- und Maschinenbaukonzern in dieser Richtung unternimmt. Und wer weiß, vielleicht komme sie auf diesem Weg auch an erste Kontakte – „oder an den ersten Job“.