„Als Lehrerin möchte ich ein Vorbild für meine Schüler sein“

Der Lebensweg von Katja Jung ist ungewöhnlich: Mit 40 Jahren begann die Schreinermeisterin ein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Seit einem Jahr ist sie Deutschlandstipendiatin und froh darüber, dass private Förderer die Bedeutung eines engagierten Lehrernachwuchses erkannt haben.

Deutschlandstipendiatin Katja Jung | © Martin TschernichDie Entscheidung, einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen, traf Katja Jung nach reiflicher Überlegung. „Ich habe schon länger darüber nachgedacht, dass ich das vielleicht ganz gut könnte – anderen Wissen zu vermitteln“, erzählt die heute 44-Jährige. Als Schreinerin in Werkstätten übernahm sie gerne die Aufgabe, ihre Kolleginnen und Kollegen einzuarbeiten, ihnen etwas beizubringen. „Das hat mir schon immer Spaß gemacht und es hat auch ganz gut funktioniert, wenn ich etwas erklärt habe.“ Weil es für sie immer schwieriger wurde, eine gute Arbeitsstelle zu finden, deren Arbeitszeiten mit ihren Pflichten als alleinerziehende Mutter vereinbar waren, suchte sie nach Alternativen zum Schreiner-Handwerk – und fand sie an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Inzwischen studiert Katja Jung dort im neunten Semester Lehramt für (Werk-)Realschulen in den MINT-Fächern Technik, Biologie und Physik – und will im kommenden Jahr ihr Examen machen.

Endlich voll auf das Studium konzentrieren

Die Motivation, sich für das Deutschlandstipendium zu bewerben, war zunächst eine finanzielle: „Ich bin einfach zu alt für BAföG und bekomme auch sonst relativ wenig Unterstützung. Bevor ich Deutschlandstipendiatin wurde, musste ich immer zusätzlich arbeiten. Das war manchmal ganz schön hart neben dem Vollzeitstudium.“ Als ebenso wichtig wie die finanzielle Sicherheit empfindet die Heidelbergerin den ideellen Wert, den sie als Deutschlandstipendiatin erfährt: „Die Förderung ist auch eine Anerkennung dessen, was ich schon geleistet habe. Das motiviert mich.“ Noch vor einigen Jahren sei ein Berufswechsel oft als Scheitern angesehen worden. Jetzt hat sie das Gefühl, dass ihre Flexibilität gesehen und anerkannt wird – auch durch die privaten Förderer des Deutschlandstipendiums, wie in ihrem Fall die Vector Stiftung.

Mehr Aufmerksamkeit für den Lehrerberuf

Über das Engagement von Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen für das Deutschlandstipendium freut sich Katja Jung jedoch nicht nur, weil sie selbst davon profitiert: „Ich finde es unheimlich wichtig, dass aus der Gesellschaft der Impuls kommt, auf Lehrer hinzuweisen und darauf, wie wichtig deren Arbeit ist.“ In der Öffentlichkeit werde häufig ein negatives Bild von Lehrern gezeichnet, obwohl es so viele engagierte Menschen in diesem Beruf gibt. „Gerade der MINT-Bereich müsste noch viel mehr Aufmerksamkeit bekommen“, glaubt Katja Jung. Was sie toll findet: „Dass es in Deutschland so viele Möglichkeiten gibt, wie jetzt auch für mich, in meinem Alter noch einmal zu studieren.“ Lebenslanges Lernen hält sie für sehr wichtig. Genau wie gesellschaftliches Engagement. An ihrer Hochschule wirkt sie unter anderem als Tutorin: „Als Lehrerin möchte ich auch Vorbild für meine Schüler sein.“

Probieren geht über Studieren

Ihre Berufsaussichten schätzt sie als gut ein. „Die Fächer, die ich studiert habe, sind sehr gefragt. Mehrere Schulen, bei denen ich Praktika gemacht habe, haben mir empfohlen, mich nach meinem Abschluss direkt bei ihnen zu bewerben.“ Ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen legt Katja Jung das Deutschlandstipendium ans Herz: „Es sollten noch mehr Studierende ihr Glück probieren. Manche scheuen den Aufwand und sehen nicht, dass es nicht nur um das Geld geht, sondern auch um ideelle Unterstützung.“ Für Katja Jung war schon der Bewerbungsprozess eine wertvolle Erfahrung: „Es bringt einen selbst weiter, wenn man seine persönliche Motivation für das eigene Studium formuliert.“