„Eine durchweg positive Resonanz“

Warum engagieren sich Unternehmen für das Deutschlandstipendium? Diese Frage stellte sich TU Darmstadt-Student Maximilian Klöckner schon, als er Stipendiat wurde. Der 23-Jährige widmete sogar seine Bachelorarbeit diesem Thema. Das Ergebnis liegt inzwischen als Studie vor. Welche Erkenntnis den angehenden Wirtschaftsingenieur besonders überrascht hat, erzählt er im Interview.

Untersuchte im Rahmen seiner Bachelorarbeit die Motivation von fördernden Unternehmen: TU Darmstadt-Stipendiat Maximilian Klöckner | © privatWie sind Sie darauf gekommen, die Fördermotivation von Unternehmen zum Thema Ihrer Bachelorarbeit zu machen?

Bei der Recherche für meine Bachelorarbeit bin ich auf eine Ausschreibung des Lehrstuhls für Corporate Finance an der TU Darmstadt gestoßen, die hieß: das Deutschlandstipendium aus Sicht der geldgebenden Unternehmen. Das fiel mir direkt auf, weil ich mir diese Frage, als ich 2014 Stipendiat wurde, auch schon selbst gestellt hatte: Warum fördern Unternehmen eigentlich das Deutschlandstipendium? In meiner Bachelorarbeit, aus der dann die Studie entstanden ist, habe ich die Motivation der privatwirtschaftlichen Förderer untersucht. Mit 70 bis 80 Prozent machen Unternehmen immerhin das Gros der Förderer aus.

Wie sind Sie bei Ihrer Untersuchung vorgegangen?

Im ersten Schritt habe ich die Zitate ausgewertet, die in der Förderer-Galerie auf der Website des Deutschlandstipendiums veröffentlicht werden. Diese habe ich analysiert und fünf Hauptmotive identifiziert. Der zweite Schritt war eine eigene Erhebung. Zum einen habe ich die Förderer der TU Darmstadt in Papierform befragt. Zum anderen habe ich eine Online-Umfrage gestartet, die auch Förderer von außerhalb angesprochen hat. Die zentrale Frage war: Welche Fördermotive sind Ihnen in welcher Reihenfolge wichtig? Zusätzlich habe ich die Unternehmen noch nach der Wirkung und ihrer Zufriedenheit mit dem Deutschlandstipendium gefragt.

Was haben Sie herausgefunden?

Das mit Abstand wichtigste Motiv für fördernde Unternehmen ist der Kontakt zu Studierenden und angehenden Absolventen. An zweiter Stelle folgt das Thema Unternehmensreputation, also die Aufwertung des eigenen Images durch die Teilnahme am Programm. An dritter Stelle stehen die Kontakte zur Hochschule, aus denen Kooperationen oder Forschungsverbindungen entstehen können. An vierter und fünfter Stelle folgen die Wahrnehmung der eigenen gesellschaftlichen Verantwortung sowie die regionale Wirtschaftsstärkung.

Gab es eine Erkenntnis, von der Sie besonders überrascht waren?

Überraschend war die durchweg positive Resonanz. Es gab bezogen auf die gesamte Stichprobe keine negative Rückmeldung. Dafür aber eine große Zufriedenheit mit einzelnen Faktoren: Dazu gehören das verbesserte Image und ein Gefühl der gesellschaftlichen Verantwortung. Heraus kam auch, dass es nahezu kein anderes Instrument gibt, mit dem so zielgenau angehende Absolventen erreicht werden können. Ein Drittel der Unternehmen gab an, ehemalige Stipendiaten bereits als feste Mitarbeiter gewonnen zu haben. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis wurde ebenfalls als positiv bewertet.

Sie sind selbst Stipendiat. Was bedeutet Ihnen das Deutschlandstipendium?

Sehr viel. Das kann ich an drei Punkten festmachen: Punkt 1 ist die finanzielle Förderung. Als Student machen 300 Euro im Monat einen großen Unterschied. Punkt 2 ist der direkte Kontakt zum Förderer. An der TU Darmstadt gleicht eine Matching-Software die Wünsche der Stipendiaten mit den Präferenzen der Förderer ab, sodass beide möglichst gut zueinander passen. In meinem Fall hat das gut funktioniert: Ich studiere im Wirtschaftsingenieurwesen und wurde zunächst von einem Unternehmen aus der Automobilbranche gefördert. Heute ist mein Förderer eine Beratungsfirma. Durch den persönlichen Kontakt gewinnt man Einblicke, die man als Student sonst nicht bekommen würde. Ich habe zum Beispiel schon an Werksbesichtigungen oder Führungen meiner Förderer teilgenommen. Diese Termine empfinde ich immer als sehr angenehm. Der dritte Punkt sind die ideellen Förderangebote, wie Workshops und Vernetzungsmöglichkeiten, die die TU Darmstadt neben dem normalen Programm anbietet. Daran nehme ich gerne teil. Ich gehe auch regelmäßig zum Stipendiaten-Stammtisch, zu dem auch mal die Förderer eingeladen sind. Das ist eine gute Möglichkeit, sich kennenzulernen und sich weiter zu vernetzen.