Ein Stipendium. Viele Wege. Große Erfolge.

Jakob Schillinger, Laura Vargas Koch und Manouchehr Shamsrizi haben eines gemeinsam: Während ihres Studiums wurden sie mit dem Deutschlandstipendium gefördert. Doch was machen der Weltverbesserer, die Profi-Judokämpferin und der Vordenker heute? Im Porträt berichten die drei über ihre Erfolge, blicken auf ihre Förderung zurück und verraten, welche Pläne sie für die Zukunft haben.

Mit der „EinDollarBrille“ auf die Forbes-Liste

Beweger und Jungunternehmer Jakob Schillinger | © Martin Aufmuth EinDollarBrille e.V.Jakob Schillinger ist ein echter Weltverbesserer: Der ehemalige Deutschlandstipendiat der LMU München ist Mitbegründer des Vereins „EinDollarBrille“ und hat mit seiner Arbeit Menschen in Entwicklungsländern wie Burkina Faso und Ruanda zu einer günstigen Sehhilfe verholfen. Gleichzeitig sicherte er damit vielen Einwohnerinnen und Einwohnern ein Einkommen als Optiker. Das Konzept der „EinDollarBrille“ ist einfach, erzählt der 26-Jährige, der vor seinem Psychologiestudium an der LMU München schon BWL an der TU München studierte: „Wir bringen als Verein die Technologie in die Länder, bilden dort Leute aus und schaffen eine Verkaufsstruktur. So können sie selbst die Brillen zum Preis von einem Dollar herstellen und an Menschen verkaufen, die sich sonst keine Brille leisten könnten. Die Vision ist, so 150 Millionen Menschen weltweit eine Sehhilfe zu verschaffen.“ Damit hat es Jakob Schillinger in diesem Jahr auf die renommierte Forbes-Liste „30 Under 30 Europe – Social Entrepreneurs“ geschafft – für ihn eine große Ehre. Auch an die Auszeichnung mit dem Deutschlandstipendium erinnert er sich gerne zurück: „Ich war stolz und glücklich. Denn es war eine wundervolle Erfahrung gefördert zu werden.“ Dem Kind italienischer Einwanderer half der finanzielle Zuschuss sehr: „Meine Eltern waren nur begrenzt in der Lage, mich zu unterstützen. 300 Euro machten einen großen Unterschied“, erzählt er. Die zeitlichen Freiräume und persönlichen Kontakte, die ihm das Deutschlandstipendium ermöglicht hat, waren ein weiterer Gewinn: „Ich musste nebenbei nicht arbeiten und konnte mich dadurch mehr auf mein Ehrenamt und mein Studium konzentrieren“, sagt er und ergänzt: „Das Deutschlandstipendium stellt dir zudem eine Gemeinschaft zur Seite, die dich auch ideell unterstützt.“ Nicht zuletzt ist Jakob Schillinger froh, dass das Deutschlandstipendium Studierende wie ihn belohnt, die sich für die Gesellschaft einsetzen: „Es ist wichtig, Menschen zu fördern, die etwas bewegen wollen.“ Er selbst hat auch noch einiges vor: Seine aktiven Ämter bei „EinDollarBrille“ hat er inzwischen abgegeben und ist in den USA als junger Unternehmer im Bereich Consulting und Coaching tätig. Er widmet sich nun neuen Projekten, wie dem Häuserbau: „In Entwicklungsländern wird vieles gebraucht. Ich möchte mein Wissen und meine Fähigkeiten als jemand, der in der ersten Welt ausgebildet ist und auf die Ressourcen der ersten Welt zurückgreifen kann, nutzen und so vielen Menschen wie möglich helfen.“ 

Bronzemedaille am Zuckerhut

Judoka und Doktorandin Laura Vargas Koch | © Michael NeugebauerNicht jeder kann von sich behaupten, olympisches Edelmetall zu besitzen. Laura Vargas Koch schon. Die 26-jährige Judoka gehört zu den besten Kämpferinnen der Welt und gewann in diesem Jahr Bronze bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Für die derzeitige Mathematik-Doktorandin der RWTH Aachen und ehemalige Deutschlandstipendiatin der TU Berlin ist das der Lohn für fast 20 Jahre hartes Training. Nach Abschluss ihres Masters in Mathematik im vergangenen Jahr ist es für die gebürtige Berlinerin leichter geworden, ihr tägliches Pensum zu absolvieren: „Ich wohne jetzt in Köln in der Nähe meiner Trainingsstätte, kann mir meine Zeit flexibler einteilen und habe es nicht weit nach Aachen“, erzählt sie. An ihren vollgepackten Alltag als Studentin in Berlin erinnert sie sich noch gut: „Ich habe morgens trainiert, bin dann zur TU gefahren und abends wieder zurück ins Sportforum. Das war schon viel.“ Zusätzlich reiste sie damals schon zu Trainingslagern oder Wettkämpfen ins Ausland und engagierte sich nebenbei noch in ihrer Fakultät. Eine wissenschaftliche Laufbahn neben dem Sport war für sie trotz doppelter Belastung immer beschlossene Sache: „Es gibt mir Halt und Sicherheit, dass ich noch etwas anderes habe“, sagt sie. Nur für einen Studentenjob blieb der Profisportlerin keine Zeit. „Es wäre grenzwertig gewesen, wenn ich noch hätte arbeiten müssen“, erinnert sie sich. Deshalb probierte sie ihr Glück und bewarb sich für das Deutschlandstipendium: „Ich hatte gute Noten, hinzu kam der Sport. Da dachte ich: ‚Das passt doch zu mir‘“. Die finanzielle Erleichterung bedeutete Laura Vargas Koch genauso viel wie die Unterstützung ihrer Hochschule und die Anerkennung ihrer Leistungen im Hörsaal und auf der Matte. Sie findet es gut, dass bei der Vergabe des Deutschlandstipendiums nicht nur Noten zählen: „Es ist wichtig, dass auch andere Aspekte honoriert werden. Damit übernimmt eine Uni Verantwortung und zeigt, welche Werte sie vertritt.“ Auch der Kontakt zu ihrem Förderer, dem IT-Unternehmen Intel, war für Laura Vargas Koch aufschlussreich. An den Besuch eines Laboratoriums erinnert sie sich heute noch gerne: „Das war eine tolle Erfahrung, die ich so nicht erwartet hätte.“ Wie ihre Pläne für die Zukunft aussehen? Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio will Laura Vargas Koch noch einmal um eine Medaille kämpfen und natürlich möchte sie ihre Promotion abschließen. 

Ein Spiel gegen das Vergessen

Gründer und Wissenschaftler Manouchehr Shamsrizi | © Jan-Bennet Voltmer, Leuphana Universität LüneburgDer Macher Manouchehr Shamsrizi schloss vor zwei Jahren sein Masterstudium in Public Policy an der Humboldt-Universität zu Berlin ab. Heute hat sich der 28-Jährige als Kopf des Start-ups „RetroBrain“ sowie als Mitbegründer des „gamelab.berlin“ am Exzellenzcluster der HU längst einen Namen gemacht – auch international: In diesem Jahr wurde er von Präsident Obama zu dessen „Global Entrepreneurship Summit“ an der Stanford University und als „Ariane de Rothschild Fellow of Innovative Entrepreneurship“ an die University of Cambridge eingeladen. Das Deutschlandstipendium hat den Weg des Durchstarters entscheidend geprägt und ihm wichtige Türen geöffnet: „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt er heute. Denn die Idee, Videospiele für ältere Menschen, insbesondere Demenzkranke, zu entwickeln, hatte der Hamburger mit persischen Wurzeln während seiner Zeit als Stipendiat der HU und Mitglied der interdisziplinären Themenklasse „Altern & Alter“. Hier forschte er ein Jahr lang mit anderen Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten seines damaligen Förderers, der Schering Stiftung, gemeinsam an eigenen Projekten. Er erzählt: „Ich erkannte damals, wie wenig das Potenzial der Digitalisierung dort genutzt wird, wo sich die alternde Gesellschaft zeigt.“ Das war die Geburtsstunde von „RetroBrain“. Mit Medizinern, Informatikern und Designern entwickelte er erfolgreich Videospiele, die heute in Altenheimen und Krankenhäusern therapeutische und präventive Zwecke erfüllen. Der Kontakt zur Schering Stiftung und der fächerübergreifende Austausch waren für Manouchehr Shamsrizi als Stipendiat besonders wertvoll: „Dadurch wurde aus dem Deutschlandstipendium weit mehr als ein Überweisen von Geld. Den interdisziplinären Umgang mit unterschiedlichsten Methoden und Weltsichten zu lernen war viel wert.“ Als Vordenker blieb Manouchehr Shamsrizi schon damals nicht unbemerkt. Er durfte seine Ideen zur Zukunft Europas im Schloss Bellevue Bundespräsident Joachim Gauck vorstellen und Vorträge auf der re:publica oder dem Zukunftsforum der Malteser halten. Dem Deutschlandstipendium und der HU bleibt er in vielerlei Hinsicht verbunden: Nicht nur durch seine Forschung im „gamelab.berlin“, sondern auch durch die Teilnahme an den jährlichen Stipendienvergabefeiern: „Da gehe ich sehr gerne hin. Ich sehe alle anderen wieder und kann mich auch mit den neuen Stipendiatinnen und Stipendiaten austauschen.“