Für einen Stammtisch ohne Parolen

Die Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten der AG Asyl an der TU Dresden engagieren sich für Flüchtlinge und setzen sich in ihrer Stadt für ein friedliches Miteinander ein. Mit einer sachsenweiten Bierdeckel-Aktion klären die Studierenden nun über typische Stammtischparolen auf.

Vorurteile wie „Flüchtlinge nehmen den Deutschen die Arbeitsplätze weg…“ werden in Sachsen jetzt kurz und knapp mit beidseitig bedruckten Bierdeckeln widerlegt – durch nachprüfbare Zahlen. Die Idee für die im Juli gestartete Aufklärungsaktion „Vorurteile? Nachfragen! Was ein Bierdeckel erklärt.“ stammt von Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten der TU Dresden. Zusammen mit Projektpartnern haben die geförderten Studierenden der AG Asyl die Aktion geplant und umgesetzt. Sechs verschiedene Motive sorgen jetzt in Biergärten für Diskussionsstoff und liefern Stammtischbesucherinnen und -besuchern Fakten zu den Bereichen Arbeitsmarkt, Kriminalität und Fluchtursachen.

Bierdeckel als Denkanstoß: Mit sechs unterschiedlichen Motiven werden Vorurteile gegenüber Flüchtlingen widerlegt | © Seidel/SMGIEin Bierdeckel?!
Über die Anfänge des Projekts erzählt Till Neumeier, Deutschlandstipendiat und einer der Köpfe der AG Asyl: „Wir haben uns bei einer der ersten Sitzungen überlegt, wie wir in Zeiten von Pegida und AfD Aufklärungsarbeit betreiben können.“ Nur: Wie erreicht man die breite Masse und die, die Vorurteile haben? Der Maschinenbaustudent erklärt: „Immer wieder ist von Stammtischparolen die Rede. Mit den Bierdeckeln wollen wir genau dort angreifen.“ Zwischen der Idee und dem ersten Untersetzer liegen die Monate, in der die AG-Mitglieder typische Vorurteile gesammelt, Zahlen recherchiert, Quellen geprüft und das Design entworfen haben. Die Zusammenarbeit mit dem Geschäftsbereich Gleichstellung und Integration im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz und den Projektpartnern ARBEIT UND LEBEN Sachsen e. V., Format Media GmbH, Atticus e.V. und DGB Jugend hilft den AG-Mitgliedern, das Vorhaben zu professionalisieren und auf breitere Beine zu stellen. Zum Start der Aktion sagt Till Neumeier: „Vor einem Jahr hätten wir nicht gedacht, dass es so eine riesige Aufgabe ist, ein paar Bierdeckel zu drucken. Jetzt sind wir stolz, dass die Aktion so groß geworden ist und sachsenweit umgesetzt wird.“

Was zählt, ist das Miteinander
Die AG Asyl wurde vor rund zwei Jahren als Angebot von und für engagierte Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten der TU Dresden gegründet. Bereits im Jahr 2015 sorgten die Studierenden um Till Neumeier mit ihrer Bierdeckel-Idee für Aufsehen: Im Rahmen des Wettbewerbs „Macht was draus!“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft wurde die AG Asyl als eines von zehn Gewinnerprojekten ausgezeichnet. Prämiert wurden Initiativen, die Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten ehrenamtlich neben ihrem Studium umsetzen, um beispielsweise den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den interkulturellen Austausch zu fördern. Das Bierdeckel-Projekt ist nur eine Aktion, mit der die Mitglieder seitdem verstärkt Aufklärungs- und Integrationsarbeit leisten und in Dresden ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Die rund 20 Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten der TU Dresden engagieren sich in der Hausaufgabenbetreuung, geben Deutschunterricht, koordinieren und unterstützen Hilfsaktionen oder organisieren gemeinsame Freizeitaktivitäten für Dresdner und Flüchtlinge. Durch Veranstaltungen wie Picknicks und Minigolf-Runden will die AG Asyl Berührungspunkte schaffen und beiden Seiten die Möglichkeit geben, sich beim persönlichen Miteinander kennenzulernen.