„Das Beste, was einem jungen Athleten passieren kann“

Fabian Hambüchens größter Erfolg: Olympisches Silber 2012. Im selben Jahr begann der Kunstturner und heutige Deutschlandstipendiat sein Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS). Auch im Leben von Privatförderer Dr. Thomas Bscher spielt der Sport eine große Rolle. Der ehemalige Banker und Manager in der Automobilindustrie war auch erfolgreicher Rennfahrer. Warum die Förderung junger Leistungssportler wichtig ist, berichten beide im Doppelinterview.

Fabian Hambüchen | © erimaSportliches Doppel: Leistungssportler Fabian Hambüchen (Foto © erima) ...Welchen Stellenwert hat der Sport in Ihrem Leben?
Fabian Hambüchen: Für mich bedeutet Sport alles. Ich bin Leistungssportler und damit groß geworden. Ich freue mich, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte und jetzt auch noch Sportwissenschaften studieren kann.

Dr. Thomas Bscher: Sport ist nicht alles, aber sehr wichtig. Ohne körperliche Aktivität fühle ich mich krank und unwohl. Ansonsten bin ich an Leistungssport in verschiedenen Disziplinen interessiert, immer noch besonders am Rennsport. Aktiv bin ich heute nur noch im Yachtsport.

Herr Hambüchen, Sie sind Student der DSHS und einer der erfolgreichsten Kunstturner Deutschlands. Welche Herausforderungen hält Ihr Alltag für Sie bereit?
Mein Tag fängt mit einer Trainingseinheit oder Seminaren an und hört oft mit einer Einheit Krafttraining oder Physiotherapie auf. Wenn ich erst meinen Körper und dann meinen Kopf müde mache, ist das manchmal schon hart, aber das eine unterstützt auch das andere. Die Disziplin und den Ehrgeiz aus dem Training kann ich auf mein Studium übertragen. Dieses wiederum hilft mir dabei, mehr über meinen Körper zu lernen und manche Sachen besser zu reflektieren. An der DSHS habe ich außerdem die besten Bedingungen. Die Turnhalle ist direkt auf dem Campus, da habe ich keine weiten Laufwege.

... und sein Förderer, der ehemalige Rennsportler Dr. Thomas BscherWarum sollten junge Athleten Ihrer Meinung nach eine „zweite Karriere“ neben dem Sport anstreben?
Bscher: Profisport ist endlich. Mit dem Ende seiner Karriere fällt der Sportler in ein Loch. Um dieses Loch so klein wie möglich zu halten, ist es wichtig, ein Berufsziel zu haben. Das ist für mich existenzbedeutend.

Hambüchen: Da stimme ich Herrn Dr. Bscher zu. Wir sprechen in meinem Fall vom Kunstturnen – einer Randsportart. Deshalb muss es nach dem Leistungssport für mich beruflich weitergehen, um dieses Loch zu vermeiden. Ein Grund, warum ich mich für das Studium an der DSHS entschlossen habe.

Herr Hambüchen, Sie werden seit 2014 mit dem Deutschlandstipendium gefördert. Was bedeutet Ihnen die Förderung und wie profitieren Sie davon?
Es ist für mich einfach eine riesige Unterstützung. Neben dem Sport und dem Studium noch Geld zu verdienen, wäre für mich unmöglich. Das Deutschlandstipendium ist enorm wichtig für meinen Lebensunterhalt – Unterkunft, Fahrtkosten, Physiotherapie. Wenn Leute, wie Herr Dr. Bscher dann noch persönlich dahinter stehen, dann ist es das Beste, was jungen Athleten passieren kann.

Herr Dr. Bscher, was hat Sie dazu bewogen, sich privat für das Deutschlandstipendium zu engagieren?

Das Deutschlandstipendium ist eine gute Sache, weil sich die Förderung aus einem staatlichen und einem privaten Teil zusammensetzt. Der Studierende weiß, dass ihn eine Privatperson oder ein Unternehmen persönlich unterstützt. Das ist eine ganz andere Motivation. Und der Förderer weiß auch, wen er unterstützt. Er sieht seinen Stipendiaten, er spricht mit ihm. Für mich ist das ein besonders wichtiger Aspekt. Ich bin Kölner und der Sport ist ein Kernthema in meinem Leben. Dass ich Studierende an der DSHS mit dem Deutschlandstipendium unterstützen kann, freut mich deshalb besonders.

Worüber tauschen Sie sich aus? Gibt es Themen, bei denen Sie voneinander lernen können?
Hambüchen: Ich werde nun schon zum zweiten Mal von Herrn Dr. Bscher gefördert. Zu Beginn haben wir uns zusammengesetzt und uns kennengelernt. Er war Leistungssportler, ich bin es noch. Dadurch haben wir uns gleich gut verstanden. Ich schätze den Austausch mit Herrn Dr. Bscher sehr, zum Beispiel wenn es um mein Leben nach dem Sport geht. Der Kontakt zu ihm kann auch für meine Zukunft sehr wichtig sein.

Bscher: Man kann ja immer lernen. Mit dem Alter neigt man bedauerlicher Weise dazu, sich von der Jugend etwas loszukoppeln. Der Kontakt zu jungen Leuten ist für mich erfreulich. Meinen Stipendiaten stehe ich als Mentor zur Verfügung. Ich habe in meinem Leben viele Kontakte aufbauen können und schaue natürlich auch, wie ich sie für meine Stipendiatinnen und Stipendiaten nutzen kann.

Herr Hambüchen, welche sportlichen Ziele haben Sie für 2016 und was haben Sie sich in diesem Jahr für Ihr Studium vorgenommen?
Dieses Jahr ist aufgrund der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro eines der interessantesten und schwierigsten Jahre. Schwierig, weil wir uns als Mannschaft im Turnen im April erst noch qualifizieren müssen. Die sportliche Herausforderung ist einfach, topfit zu sein. Das Studium noch unterzukriegen, wird nicht leicht. Aber im Wintersemester hat es wieder Priorität. Ich möchte so schnell wie möglich vorankommen, um 2017 auch meinen Bachelor abschließen zu können.