„Das Deutschlandstipendium stärkt mich“

Anoush Seferian studiert Musik in Damaskus, als der Krieg in Syrien ausbricht. Die hochbegabte junge Frau will Geigerin werden. Doch sie muss fliehen. In Weimar findet sie eine neue Heimat und die Möglichkeit, ihren Traum weiterzuleben. Unterstützt durch das Deutschlandstipendium studiert sie an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.

Deutschlandstipendiatin Anoush Seferian ist aus Damaskus nach Weimar gekommen | © Maria BocharovaEs bleibt ein unvergesslicher Augenblick für Anoush Seferian, als sie die Zusage für das Deutschlandstipendium bekommt. „Es war ein so toller, ein so wichtiger Moment“, schwärmt die junge Musikerin. Seit sie am 26. September 2012, ihrem 21. Geburtstag, nach Deutschland gekommen war, hat sie hart gearbeitet. Sie musste Deutsch lernen und sich auf die anspruchsvollen Prüfungen der Musikhochschule vorbereiten. Als sie als Deutschlandstipendiatin angenommen wird, weiß sie, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben, dass das, was sie auf sich genommen hatte, nicht umsonst gewesen war. Dass sie sich nicht von ihrem Traum, eine große Geigerin zu werden, verabschieden muss.

Üben statt Geld verdienen

Das Deutschlandstipendium verschafft der jungen Musikerin den Freiraum, den sie zum Lernen und Üben braucht und befreit sie von der finanziellen Last. „Ich hatte ganz wenig Geld und habe ständig nach Arbeit gesucht“, erinnert sich die 23-Jährige. Im Nationaltheater verdiente Anoush sich als Garderobenfrau etwas dazu. Glücklich war sie damit nicht. „Ich konnte durch die Arbeit viel weniger Geige üben, weil ich abends keine Zeit mehr hatte.“ Anoush muss jeden Tag mindestens vier bis fünf Stunden Geige spielen. „Durch das Deutschlandstipendium habe ich nicht nur mehr Zeit zum Üben, sondern auch einen größeren Antrieb“, sagt sie. „Ich habe versprochen, hart zu arbeiten und das möchte ich auch erfüllen.“

Ein Benefizkonzert als Dankeschön

Der Förderer von Anoush ist die Ernst Freiberger Stiftung, die vor mehr als 20 Jahren von dem Unternehmer Ernst Freiberger gegründet wurde und sich sozial, kulturell und gesellschaftlich engagiert. Die Stiftung unterstützt in Weimar gleich sieben Musikstudentinnen und -studenten. Anoush gibt diese Hilfe Stabilität und Vertrauen. „Ich bekomme diese Förderung jeden Monat. Das macht mich stärker, weil es mir zeigt, dass ich nicht im Stich gelassen werde.“ Dieses Gefühl möchte Anoush nun Menschen vermitteln, die ein ähnliches Schicksal wie sie erlebt haben. Deshalb hat sie im Februar mit 16 anderen Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten ein Benefizkonzert für den Verein Asyl e.V. aus Jena organisiert. Auch ihre Förderer haben die jungen Musikerinnen und Musiker eingeladen. „Wir wollten ihnen damit für das danken, was sie für uns tun“, sagt Anoush. Auf dem Programm stand Kammermusik aus aller Welt, etwa von Tschaikowski, Mozart oder Zucchinetti. Weitere Benefizkonzerte sind in Planung.

Künstlerische Richtung ist Zukunftsmusik

Ob Kammermusik auch in ihren Zukunftsplänen eine Rolle spielen wird, weiß Anoush noch nicht. „Mal sehen, wohin mein Weg mich führt“, sagt sie. „Erst einmal mache ich meinen Bachelor und dann kommt die Richtung von allein. Wenn ich mich jetzt schon festlege, verpasse ich vielleicht etwas.“ Was Anoush Seferian aber genau weiß: Sie will etwas erreichen, nicht einfach nur eine Nummer sein, sondern eine wirklich gute Musikerin. Ihre mit der Note 1,3 bestandene Zwischenprüfung beweist, dass sie das Zeug dazu hat.