Der Look für die Laufstege der Zukunft

Kreieren mit dem Deutschlandstipendium

Modedesigner klingt für viele nach Glamour und Traumberuf. Brayonna Taylor studiert das Trendfach in der ältesten Stadt Deutschlands. An der Hochschule Trier entwickelt die Deutschlandstipendiatin ihren eigenen Stil für eine vegane Unisex-Mode – fest überzeugt davon, dass auch in der Mode die Kunst von Können kommt.

Porträt Brayonna Taylor"Ich muss schon genau wissen, wie man etwas realisiert" Deutschlandstipendiatin Brayonna Taylor | Foto: Hochschule Trier © 2014 Hunde in einem Tierheim, Holzmaserungen im Treppengeländer, eine wehende Flagge, eine Stubenfliege – Brayonna Taylor hat einen besonderen Blick für Details. Wo sie auch steht und geht, beobachtet sie Körperbewegungen, Formen, Farben, Muster und Texturen. Dabei fühlt sie sich oft gerade von dem angesprochen, was augenscheinlich nicht zusammenpasst. Das wandelt sie um. Was entsteht, sind Kleider und eine Idee davon, was die 22-jährige Deutschlandstipendiatin aus Hannover später vielleicht einmal auf die Laufstege der Welt bringt. Die wehende Flagge gewann als elegant drapiertes Abendkleid bereits einen Designpreis der Stadt Luxemburg. Und die Stubenfliege inspirierte unlängst eine ganze Sommerkollektion von Brayonna Taylor: "Man mag die Fliege im Zimmer nicht besonders schön finden, aber im Umgang mit ihr wird plötzlich eines der schönsten Wesen daraus", erzählt die angehende Modedesignerin sichtlich begeistert.

"Ich muss schon genau wissen, wie man etwas realisiert."

Das klingt so mühelos und locker, dass kaum spürbar wird, wie viel Fleiß dahinter steckt. Nach ihrem Bachelor im kommenden Januar will sie noch vor dem Master, zu dem sie sich im Frühjahr anmeldet, die Gesellenprüfung zur Maßschneiderin bei der Handwerkskammer ablegen: "Ich möchte nicht nur entwerfen. Ich muss schon genau wissen, wie man etwas realisiert." Das Handwerk wirklich zu beherrschen, das ist Brayonna Taylors Anspruch. Geübt hat sich die Enkelin einer Schneiderin früh. Ihre ersten eigenen Entwürfe an der Nähmaschine hat sie als Teenager produziert. "Ich fabrizierte mit Feuereifer höchst eigenwillige Taschen", sagt sie lachend.

"Da ist unser ganzes Können gefragt"

Dass sie das Entwerfen von Mode einmal als "Full-time-job" anstreben würde, hat sie sich erst nach dem Abitur wirklich klar gemacht. Konsequent hat sie die Hochschule in Trier ausgewählt. Die Fachhochschule fördert gezielt interdisziplinäres und intermediales Arbeiten. Die neuen Funktionalitäten von Textilien werden ständig weiter erforscht. In Sachen Mode genießt die Hochschule einen guten Ruf: "Die Eintrittskarten für die Abschlussmodenschauen sind schon nach kürzester Zeit ausverkauft, die Resonanz nach diesen Veranstaltungen ist sehr positiv." Gut findet Brayonna Taylor auch, dass die Professoren immer nach neuen, außergewöhnlichen Projekten Ausschau halten. "Da ist dann unser ganzes Können gefragt."

"Ich dachte anfangs, ich passe da nicht rein."

Davon hat sie sich diszipliniert so einiges angeeignet. Als sie im vergangenen Jahr für vier Monate auf die Philippinen reiste, ging es ihr weniger um Urlaub und Strandbesuche: In der Handwerkerstadt Cebu konnte sie ein Praktikum bei der für ihre Trend setzenden Schmuckkollektionen bekannten griechischen Designerin Miranda Konstantinidou absolvieren. "Das war eine wunderbare und sehr intensive Lehrzeit. Im Anschluss konnte ich sogar bei der Präsentation auf der Berliner Fashion Week unterstützen", freut sich Brayonna Taylor. Dass sie ihr enormes Pensum durchziehen und dabei auch solche Erfahrungen sammeln kann, ermöglicht ihr das Deutschlandstipendium. So froh sie jetzt darüber ist, es zu haben, so unsicher war sie sich, es überhaupt zu bekommen. "Ich dachte anfangs, als Modedesignerin passe ich in so ein Stipendienprogramm gar nicht hinein." Sie passt gut hinein: Seit bereits zwei Jahren wird sie von der 1993 durch die Witwe des Trierer Verlegers Nikolaus Koch ins Leben gerufenen gleichnamigen Stiftung gefördert.

"Man sollte gut mit Kritik umgehen können"

"Sehr viel Tatkraft, Ehrgeiz und ein stabiles Selbstbewusstsein sind notwendig, um auch wirklich im Modedesign anzukommen", schätzt Brayonna Taylor, und: "Man sollte gut mit Kritik umgehen können. Das lernt man bei uns schon während des Studiums, wir haben zahlreiche Präsentationen und unterstützen uns gegenseitig." Worauf es beim Arbeiten außerdem für sie ankommt? "Ich verweigere mich der digitalen Falle des Computers und zeichne oft stundenlang. Alles auf Papier. Ich möchte auf eigene Ideen kommen und das funktioniert am Computer einfach nicht." Eine Unisex-Kollektion schwebt ihr als nächstes vor, deren Teile Mann und Frau untereinander kombinieren können. Und noch etwas ist ihr wichtig: Als Vegetarierin möchte sie keinerlei tierische Produkte verwenden. Ihr erklärtes Ziel ist eine vegane Mode.

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