"Ich kann doch mehr!"

Dass er einmal als Student an der Uni landen würde, hätte Mike Urban vor ein paar Jahren nicht gedacht. Sein Abitur holte der gelernte Elektrotechniker auf dem zweiten Bildungsweg nach. Inzwischen erhält er an der Technischen Universität Berlin ein Deutschlandstipendium und plant seine Promotion.

Porträt Mike UrbanDeutschlandstipendiat Mike Urban.
Foto | Robert Schlesinger für BMBF © 2014
Technische Geräte auseinander und wieder zusammenbauen, sich neue Apparate ausdenken – das war schon als Kind sein Ding. Gerade beschäftigt sich Mike Urban mit der technischen Erfassung und Bewertung von Stress, für seine Masterarbeit an der Technischen Universität Berlin. "Ich möchte eine Technik entwickeln, die sich positiv auf das alltägliche Leben auswirkt", sagt der 27-Jährige. Der Wunsch, selbst etwas zu erschaffen und zu forschen, entstand während seiner Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme. "Ich kann mehr und ich will mehr", dachte Urban, als er nach dem Realschulabschluss erste Erfahrungen im Arbeitsleben sammelte.

Heute schreibt er Bestnoten

Mutig entschied er sich dafür, das Abitur nachzuholen. Er wollte unbedingt Elektrotechnik studieren. Der Weg an die Uni, in seiner Familie war er keineswegs selbstverständlich. "Meine Eltern äußerten zunächst große Bedenken. Sie waren der Meinung, ein solider Berufseinstieg wäre die bessere Alternative", erzählt Mike Urban. Inzwischen machen sie sich keine Sorgen mehr. "Das kam eigentlich ganz von selbst, meine Erfolge haben sie überzeugt", so der gebürtige Berliner. Im vergangenen Jahr absolvierte er seinen Bachelor, und zwar als Jahrgangsbester seines Fachs. "Es ist schon verrückt, wie sich alles entwickelt hat", sagt Urban. Denn heute studiert er genau dort, wo er als Azubi einst für sich erkannt hat, dass das noch nicht alles gewesen sein kann: an der TU Berlin, die als Arbeitgeber in mehr als zehn Berufen ausbildet.

Wertvolle Kontakte in die Wirtschaft

Und er macht das mit besonderer Auszeichnung: Seit 2011 erhält der angehende Elektroingenieur das damals frisch an der TU Berlin eingeführte Deutschlandstipendium. Die 300 Euro monatlich, die sich der Bund und ein privater Förderer teilen, kann er sehr gut gebrauchen. Erst förderte ihn die Intel Corporation, dann die Siemens AG: "Ich kann mich so voll und ganz auf mein Studium konzentrieren. Das Stipendium hat mir außerdem Kontakte in die Wirtschaft vermittelt, die ich sonst nicht hätte." Einmal im Monat trifft er sich mit seinem Mentor bei der Siemens AG. Dabei erfährt er jede Menge Interessantes über den Berufsalltag in einem großen Unternehmen und auch zu technischen Entwicklungen im Bereich der Medizintechnik, seinem Spezialgebiet.

Der Traum vom eigenen Produkt

Forschen, entwickeln, Ideen prüfen – Mike Urban hat Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten. Sein nächstes Ziel ist die Promotion. Sein Masterthema will er dann weiter vertiefen. "Im Idealfall entsteht daraus die Idee für ein Produkt, mit dem ich ein Unternehmen gründen kann", überlegt er. Das ist sein Traum: Sich nach dem Studium selbstständig zu machen und möglichst unabhängig eigene Ideen realisieren zu können. Ob er zur Vorbereitung besser noch einmal ins Ausland geht oder eine Weile in der Industrie arbeitet – auch über solche Fragen tauscht er sich mit seinem Mentor aus. "Wo hat man das schon, das ist doch toll! Ich glaube, dass jeder Mensch seine Begabung nur dann voll entfalten kann, wenn er darin bestärkt und gefördert wird", sagt er und verabschiedet sich zielstrebig in Richtung Bibliothek. Er hat noch viel vor.

Dokumente

  • Feature: "Ich kann doch mehr!"
    [PDF - 68,5 kB]

     (URL: http://www.deutschlandstipendium.de/_media/DStip_Themenservice_Mike-Urban-forscht-zu-Stress.pdf)