Märchen-App fürs Sprachenlernen

Ein Gespräch mit dem Deutschlandstipendiaten Jerome Goerke

Jerome Goerke ist aufgeregt. Seit ein paar Wochen wirbt er per Crowdfunding-Plattform für eine ungewöhnliche Sprachenschule. Es läuft gut an für seine Märchen-App. Mit der Idee für die digitale Lernsoftware war er beim Flying-Sparks-Wettbewerb der Frankfurter Buchmesse aufgefallen. Fünf Jahre später präsentiert er einen Zwischenstand. Beim Zustandekommen hat ihm das Deutschlandstipendium geholfen. 

Porträt Max HundelshausenDeutschlandstipendiat Jerome Goerke | Foto: Robert Schlesinger © 2014
Als der 34-jährige Australier mit deutschen Wurzeln vor zehn Jahren nach Berlin kam, musste er erst einmal selbst in die Sprachenschule. Die Idee zu Addison’s Tales kam ihm, während er als Englischlehrer tätig war. Parallel zu seinem Studium an der Hochschule für Wirtschaft und Recht arbeitete er an seiner Märchenwelt, in der Kinder spielerisch sowohl Sprach- als auch Musik-Kenntnisse erwerben und vertiefen können. Schon 2010 ist er beim Flying-Sparks-Wettbewerb der Frankfurter Buchmesse damit aufgefallen. Im Webblog der Frankfurter Buchmesse stellt der frisch gebackene Master of International Management jetzt den Zwischenstand seines Projektes vor.

Herzlichen Glückwunsch zum Master, Herr Goerke!
Vielen Dank! Das war ein hartes Stück Arbeit (lacht).

Kein Wunder, Sie entwickeln ja nebenher auch noch eine eigene Sprachlern-Plattform für Kinder! Sie kommen aus Perth in Australien, der Name Goerke klingt aber eher deutsch? 
Ja, das stimmt! Meine Ur-Urgroßeltern waren Weber aus Thüringen und sind Mitte des 19. Jahrhunderts nach Australien ausgewandert. Meine Verbindung zu Deutschland ist also sehr stark. Meine Schwester und meine Mutter haben hier Deutsch gelernt. Meine Mutter ging mit siebzehn zum Schüleraustausch nach Ingolstadt. Sie spricht Deutsch mit bayerischem Akzent, das klingt sehr hübsch.

Und die Idee zu der Sprachlernplattform kam Ihnen beim Deutsch lernen?
So ungefähr: Ich kam vor zehn Jahren nach Berlin, weil ich außerhalb von Australien Sprachen erlernen wollte. Berlin hat mir sofort gefallen, es liegt so zentral in Europa, das merkt man auch an den vielen Sprachen, die hier jeden Tag zu hören sind. Ich bin also hier geblieben, habe Deutsch gelernt und parallel Englisch unterrichtet. Dabei wurde mir klar, dass man am besten in eine Sprache eintaucht, wenn man von etwas erzählt, mit dem man sich identifiziert. Mich hat schon als Kind während der Lektüre von „Der kleine Hobbit“ die Vorstellung fasziniert, mich in die Gedankenwelt der Figur versetzen zu können und Musik und Abenteuer aus seiner Perspektive zu erleben.

Diese Idee greifen Sie mit Ihrem Projekt auf, Addison’s Tales ist eine App für Tablet-PC, richtig?
Ja, das Tolle ist, dass die digitale Technik ermöglicht, solche Phantasien zu verwirklichen. Auf diese Weise lassen sich spielerisch und auf ganz neue Art und Weise Fremdsprachen lernen. Addison’s Tales handelt von einem Märchenerzähler, der seinen Figuren Leben einhaucht, indem er sie in die selbst erfundenen Abenteuer einfügt und miteinander verbindet. Kinder können diese Geschichten nicht nur lesen und die Musik hören, sondern mittels animierter Sequenzen auch sehen. Sie können sich auf einer weiteren Ebene zudem in die Figuren hineinversetzen und ihre Fähigkeiten erlernen. Die Geschichten sind dabei auf unterschiedliche Lernkompetenzen abgestimmt. Mit jedem Level verbessert sich die Sprach- und Lesefähigkeit, da der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben und Themen steigt. 

Von der Idee bis zur Umsetzung ist es sicher ein großer Schritt. Was gab den entscheidenden Anstoß? 
Ich habe die Idee vor vier Jahren beim Flying-Sparks-Wettbewerb der Frankfurter Buchmesse vorstellen dürfen. Und sie schaffte es unter rund 150 anderen auf Platz zehn. Das war für mich ein Zeichen dafür, dass dieses Konzept Erfolg haben könnte, und so begann es.

Sie haben dann zusammen mit einem Freund eine eigene Produktionsfirma gegründet, Addison’s Tales weiter entwickelt, sich eine Vermarktungsstrategie ausgedacht – und gleichzeitig studiert?
Ja. Ich habe an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin International Management studiert. Das hat mir auch bei meinem Projekt geholfen. Und ich bekam ja das Deutschlandstipendium. Das war mein großes Glück. Diese Unterstützung war für die Fortführung des Projekts extrem wichtig, weil sie mir ein regelmäßiges Einkommen und den Freiraum gab, mich während meines Studiums auf mein Projekt zu fokussieren.

Sie zählen zu den ersten Deutschlandstipendiaten, die an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht gefördert wurden.

Ja, und ich wurde auf diese Weise gefördert bis zum Schluss. Das war wirklich eine tolle Erfahrung. Mir gefällt vor allem, dass das Deutschlandstipendium gezielt Studierende unterstützt, die sich engagieren und etwas Nützliches für die Gesellschaft tun. Ich glaube, dass Deutschland hier mit gutem Beispiel vorangeht und wichtige Bereiche wie Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft miteinander verbindet. Das finde ich beachtenswert. Es bietet Raum für Begegnungen von verschiedensten Menschen.

Haben Sie Ihren Förderer persönlich kennengelernt?

Ja, denn ich wollte mich unbedingt bedanken. Ich hatte erfahren, dass Catherine von Fürstenberg-Dussmann mein Stipendium finanziert. Für mich war das eine tolle Erfahrung, zu sehen, wie engagiert und motiviert sie ist für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Stadt. Es steht auch jetzt schon für mich fest, dass ich selbst einmal Förderer werde. Das habe ich mir vorgenommen.

Ihr Projekt kommt richtig gut voran?
Mal schauen, würde ich sagen (lacht). Wir haben Addison’s Tales auf einer Crowdfunding-Plattform vorgestellt und noch fast drei Wochen bis zum Ende unserer Kampagne. Es könnte etwas Zeit in Anspruch nehmen, aber wenn unsere Idee das Publikum anspricht, sehen die Chancen in ein paar Jahren sehr gut aus.

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