Die Innovativen - Stipendiaten in der Forschung

Gemeinsam haben sie nicht nur die Forscherleidenschaft, sondern auch das Deutschlandstipendium: zwei junge Männer und eine Frau, die mit Begeisterung neue Wege erkunden. In den Wäldern der Mongolei, in einem ungewöhnlichen Wirtschaftsexperiment oder in der Elektromobilität auf deutschen Straßen. Wie das Stipendium ihren Weg in die Forschung beflügelt hat, erzählen sie hier.

Zwei Männer im WaldDeutschlandstipendiat Martin Wyschka erforscht Ökosysteme in Wäldern Foto: privat © 2014Wenn Olexander Filevych jetzt in den Urlaub an den Bodensee fährt, dürfte es etwas länger dauern. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Hildesheim legt die gut 600 Kilometer in einem Elektroauto zurück. Seine Kolleginnen und Kollegen erklärten ihn schon für verrückt. Etwa alle 100 Kilometer muss sein Gefährt in eine der dünn gesäten Ladestationen. Von denen weiß er noch nicht einmal, ob sie gerade frei oder zugeparkt sind. Die Ladezeit beträgt dann gut fünf Stunden. Für Ungeduldige wäre das nichts. Für den 28 Jahre alten Forscher, der letztes Jahr seinen Master in Umweltwissenschaften und Naturschutz ablegte, ist das ein spannendes Abenteuer.

„Man hat Menschen, die an einen glauben“

Beim Forschungsprojekt „eAutarke Zukunft“ erforscht er die Zukunft in den Bereichen Elektromobilität und „Carsharing“: „Als ich mit dem Thema anfing, ahnte ich nicht, wie viel Spaß mir das machen würde. Und dass ich im Urlaub weitere Erfahrungen für das Projekt sammeln kann, ist einfach super.“ Filevych, der vor 14 Jahren aus der Ukraine nach Deutschland kam, analysiert die Fahrdaten und das Fahrverhalten von 70 universitären Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Nach seinen bisherigen Beobachtungen nehmen sie die Fortbewegung in einem Elektromobil bewusster wahr. „Man fährt langsamer und sparsamer. Mit wachsender Entfernung verzichten außerdem viele auf Geräte mit hohem Energieverbrauch wie zum Beispiel eine Klimaanlage, weil sie Angst haben, mit einem leeren Auto liegen zu bleiben.“ Filevych untersucht, welche Kriterien für die Nutzer wichtig sind und prüft ein im Rahmen des Forschungsprojektes entwickeltes Geschäftsmodell, das für optimale Auslastung bei einer die Umwelt bestmöglich schonenden Nutzung sorgen soll. Ihn begeistert die neue Technologie, die noch in den Anfängen steckt. Dass er sich zielstrebig auf dem Gebiet Elektromobilität spezialisieren konnte, führt er auch auf die Förderung durch das Deutschlandstipendium während des Studiums zurück. „Es ist nicht nur der finanzielle Vorteil. Man weiß: Das, was man macht, ist richtig. Man wird dafür belohnt. Man hat Menschen, die an einen glauben.“

„Wir betreten Neuland“

Auch Vivian Dietrich erlebt das Deutschlandstipendium als „enorme Erleichterung“ und „extrem motivierend“. „Offenbar werde ich für das, was ich tue, wertgeschätzt. Das macht mich natürlich auch stolz“, meint sie lachend. In der Forschung ist sie nahezu zwangsläufig gelandet, schließlich nahm sie schon als Kind Radios und Toaster auseinander, um zu gucken, wie sie funktionieren. Einen Master in „Molecular Biosciences“ der Universität Heidelberg hat die 29-Jährige bereits in der Tasche. Jetzt plant sie für ihren Master in experimenteller Wirtschaftsforschung an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen ein Experiment, das beide Fachrichtungen einbezieht. Sie untersucht die Kooperationsbereitschaft von Medizinern und Wirtschaftswissenschaftlern. „Besonders an Krankenhäusern gibt es einiges Konfliktpotenzial. Ich schaue, ob dies vielleicht in der verschiedenartigen Ausbildung begründet ist.“ Am 28. Juli sollen nun Studierende der Medizin und der Wirtschaftswissenschaften in einer simulierten Konfliktsituation schnell Entscheidungen treffen. Vivian Dietrich betritt damit Neuland. Wirtschaftswissenschaftliche Experimente sind noch etwas Ungewöhnliches.

Während Vivian Dietrich derzeit ihre elf Wochen alte Tochter versorgt, beschäftigt sie sich intensiv mit  Literaturrecherchen in ihrem Forschungsgebiet. „Für mich ist es immer wieder spannend zu sehen, dass Wirtschaftswissenschaften auf gewisse Weise komplexer erscheinen als die Naturwissenschaften. Wirtschaft basiert auf Psychologie. Und über die Psyche des Menschen wissen wir noch weniger als über eine Zelle.“ Als Forscher sollte man generell die Dinge hinterfragen, findet sie, und „sich nicht einfach berieseln lassen“.

„Ich kann damit etwas erreichen“

Martin Wyschka hat vor kurzem noch in einer Jurte in der dunklen Taiga kampiert. Dort, in der nördlichen Mongolei, untersuchte er im Rahmen eines Praktikums die Strukturen von ungenutzten und genutzten Waldflächen. Etwa wie die Einwohner Nüsse und Pinienkerne ernten können, ohne die Bäume zu beschädigen. Zu seiner direkten „Arbeit im Feld” gelangte er oft nur in stundenlangen Wanderungen mithilfe von GPS-Navigation. Erst im sechsten Semester studiert Martin Wyschka an der Fachhochschule Eberswalde und ist schon viel unterwegs. „International Forest Ecosystem Management“ heißt sein Studienfach, das sich mit den Grundlagen für nachhaltige Forstwirtschaft befasst. Im vergangenen Jahr hat der 25-Jährige in Australien das Feuerverhalten von Grasflächen untersucht. Er ist der Frage nachgegangen, inwieweit Feuchtigkeit und Alterungsprozesse von Gräsern die Flammenbewegung bestimmen. Auch dieser Auslandseinsatz hat ihm sehr viel gebracht. „Mit den ersten Erfahrungen im Feld kam die Begeisterung. Das, was ich untersuche, wird gebraucht. Ich kann damit etwas bewirken“, erzählt Martin Wyschka. „In der Art und Weise wäre das alles ohne das Deutschlandstipendium nicht machbar gewesen. Stipendien sind extrem wichtig, weil sie einen finanziell entlasten und einem die Möglichkeit geben, etwas weiter weg zu gehen und ein bisschen intensiver zu forschen.“

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