Angelsächsisches Erfolgsgeheimnis

Was macht eine Spitzenuniversität wie Cambridge aus, was sichert ihr kontinuierlich einen der obersten Plätze in internationalen Rankings? Dieser Frage sind Studierende der Technischen Universität Dresden nachgegangen. Sie gehören dem Deutschlandstipendiaten-Netzwerk ihrer Universität an, und das ist vielleicht auch schon ein Teil der Antwort.

Danny Haubold und Uta PetersDanny Haubold und Uta Peters profitieren vom Deutschland­stipendiaten-Netzwerk der TU Dresden.
Foto: © BMBF 2014

Behutsam sortiert Deutschlandstipendiatin Uta Peters die gereinigten Fläschchen und Reagenzgläser zurück ins Laborregal. Eben hat sie Trinkwasser auf giftige Schwermetalle und Mineralien untersucht. Jetzt muss sich die angehende Lebensmittelchemikerin aus Halle sputen. Schnell noch einen „Link“ auf der Facebook-Seite des Fachschaftsrates teilen, raus aus dem Laborkittel und ab zum nächsten Termin: Das Stipendiatennetzwerk der TU Dresden wartet. „Unsere Treffen sind richtig spannend“, sagt die 21-jährige Studentin. „Wir kommen aus unterschiedlichen Fachbereichen zusammen, tauschen uns aus und stellen gemeinsam Projekte auf die Beine.“ Uta Peters leitet die Stammtisch-AG des Stipendiatennetzwerkes, organisiert dort regelmäßige Zusammenkünfte und Ausflüge. Wie anregend diese Begegnungen sein können, weiß Kommilitone Danny Haubold, der zu den Netzwerkern der ersten Stunde zählt:

„Was haben die, was wir nicht haben?“

„Irgendwann debattierten wir abends bei einem unserer Treffen darüber, was das Renommee einer Universität wie Cambridge ausmacht, die unglaubliche 89 Nobelpreisträger hervorgebracht hat“, erzählt der 25-Jährige. Schnell habe die Frage im Raum gestanden: Was haben die, was wir nicht haben. Und auch, wenn ein solcher Vergleich meistens etwas hinkt und schon deshalb selten glücklich macht: Die Netzwerker wollten genauer wissen, warum die University of Cambridge in internationalen Rankings stets einen der ersten Plätze belegt. Fachbücher und Studien wurden gewälzt, Internetseiten ausgewertet und erste Kontakte zur German Society in Cambridge geknüpft. „Danach wussten wir: Die Ausbildungsinhalte allein können es nicht sein“, macht es der angehende Doktor der Chemie spannend. Weitergegangen ist die Recherche direkt vor Ort – mit ideeller und organisatorischer Unterstützung durch die sächsische Alma Mater.

„Die Vorlesungen waren so voll wie bei uns“

„Das waren wirklich vier hoch interessante Tage in Cambridge. Wir konnten intensive Gespräche mit den Studienkollegen führen, wir konnten auch die Vorlesungen besuchen.“ Und? „Nun ja“, lacht Haubold, „die Vorlesungen waren genauso voll wie bei uns. Inhaltlich ließ sich auch kaum ein Unterschied feststellen. Was mir aber sofort auffiel, war das Tempo. Das hat sich dann auch im Austausch mit den Studierenden und Lehrkräften bestätigt: Hut ab, was da in einem Trimester an Lehrstoff verdaut wird.“ Den entscheidenden Schlüssel dafür sieht Haubold in der intensiven Betreuung: „Auf zwei Studierende kommt ein Tutor. Gemeinsam werden alle Vorlesungen nachbereitet.“ Und damit ist er auch gleich beim nächsten Punkt, der Mittelausstattung der Universität. Laut Jahresbericht hat allein das Trinity College im Studienjahr 2012/2013 rund 60 Millionen Pfund aus Spenden und Schenkungen gewonnen. Das entspricht weit mehr als 70 Millionen Euro.

Netzwerken lohnt

Das Fazit des ehemaligen Deutschlandstipendiaten: „Die University of Cambridge profitiert von der starken Bindung ihrer Alumni, einem in Jahren gewachsenen und geförderten Netzwerk.“ Dass so etwas nicht von jetzt auf gleich entsteht, ist Verena Leuterer klar. Die Dezernentin für Studium und Weiterbildung an der TU Dresden hat natürlich ihre Ohren gespitzt, als die Arbeitsgruppe bei einer Veranstaltung ihre Ergebnisse vorstellte: „Für die Alumni-Betreuung und das Fundraising sind das ausgesprochen anregende Einblicke“, freut sie sich. Zum Start des Deutschlandstipendiums hatte sie mit ihren Kolleginnen das Stipendiatennetzwerk ins Leben gerufen. „Wir haben von Anfang an das Ziel verfolgt, eine Kultur des Mit- und Füreinanders über Fachgrenzen hinweg zu fördern.“ Uta Peters, Danny Haubold und ihre Netzwerkkollegen wissen das zu schätzen. Und wer weiß, was das einmal für künftige Generationen an der TU Dresden bedeutet. Nobelpreise? Vielleicht.