Mit dem Deutschlandstipendium ins Ausland

Simon-Werrel und Birgit Opferkuch mit BASF-LogoDeutschlandstipendiat Simon Werrel und BASF-Personalmanagerin Birgit OpferkuchJeder vierte deutsche Studierende geht für mindestens sechs Monate ins Ausland. Global aufgestellte Konzerne wie die BASF oder Bosch fördern den Auslandsaufenthalt auch im Rahmen des Deutschlandstipendiums. Davon profitieren beide Seiten.

Acht Uhr morgens, Tarrytown, USA, eine halbe Stunde von New York City entfernt. Simon Werrel scherzt putzmunter und in bestem Englisch mit seinen Kolleginnen und Kollegen. Mindestens vier Akzente klingen dabei durcheinander. Aus Deutschland, aus Ungarn, aus der Schweiz und vor allem natürlich aus den USA stammen die Kolleginnen und Kollegen, mit denen der Chemiestudent aus Heidelberg zusammenarbeitet. Simon Werrel ist guter Dinge. Man hat sich gerade zum Wildwasser-Rafting mit dem Schlauchboot verabredet. „Das wird ein schöner Abschluss für mein Praktikum hier.“ Der bevorstehende Abschied stimmt ihn allerdings ein bisschen wehmütig. Fünf Monate hat der 25-jährige Deutschlandstipendiat aus Heidelberg im Rahmen des BASF-Programms „Explore Together“ im New Yorker Labor des Weltkonzerns mitgeforscht – in einem Themengebiet, auf dem er sich auch mit seiner Doktorarbeit bewegen wird. Simon Werrel interessiert sich für die Bioverträglichkeit von Substanzen und Materialien. Mit Ingenieuren, Biologen und Chemikern hat er in Tarrytown an Beschichtungsmaterialien für besonders gut verträgliche Katheter geforscht. „Die dabei gewonnene Laborerfahrung hilft mir sicher auch künftig weiter“, sagt er.

Der Teamgedanke ist stärker ausgeprägt

Was er außerdem von der nordamerikanischen Ostküste nach Deutschland mitnimmt? „Vor allem die tolle Teamarbeit“, sagt er ohne zu zögern. „Der Teamgedanke ist hier viel stärker ausgeprägt als ich das bislang kannte. Das beginnt damit, dass alle Türen, auch die unseres Chefs, jederzeit offenstehen. Es wird sehr viel Wert auf selbstständiges Arbeiten gelegt, aber trotzdem gemeinsam nach Lösungsvorschlägen für technische Probleme gesucht. Und wir haben auch privat in der Freizeit viel miteinander unternommen.“ Simon Werrel ist überzeugt davon, dass man so schneller zu guten Arbeitsergebnissen gelangt. Umgekehrt tue man sich in den USA allerdings auch schwerer damit, ohne Umschweife zu sagen, wenn etwas nicht so gut laufe, fügt er nach einer kurzen Pause hinzu und lacht: „Da wird dann schon einmal der deutsche Chef herangezogen mit der Bitte, doch Klartext zu reden, weil wir Deutschen das angeblich besser können.“

Das Deutschlandstipendium war der Katalysator

Ein halbes Jahr prall gefüllt mit neuen Eindrücken liegt hinter Simon Werrel. Wenn er im Oktober sein Promotionsstudium in Oxford antritt, hat er auch eine Empfehlung seines amerikanischen Chefs bei der BASF in der Tasche. Auf ihn aufmerksam geworden ist das Unternehmen durch das Deutschlandstipendium: „Das war wie ein Katalysator für mich. Die Anerkennung durch das Deutschlandstipendium hat mir überhaupt erst die Bestätigung dafür gegeben, dass ich das Richtige mache mit meinem Studium, gerade auch, weil es mehr ist als eine finanzielle Unterstützung für Bestnoten.“ 300 Euro monatlich zahlen die BASF und der Bund. Seither muss er nicht mehr jobben. Fast wichtiger ist Simon Werrel jedoch, dass der Förderer sich auch wirklich für seine fachliche Entwicklung interessiert. Die BASF hat ihn in den European Talent Pool aufgenommen. Rund 200 Studierende fördert das Unternehmen derzeit mit dem Deutschlandstipendium. Wer möchte kann wie Simon Werrel am BASF-internen Talentbindungsprogramm teilnehmen und sich von hier aus auch für ein Praktikum im Ausland bewerben.

Interkulturelle Kompetenz wird wichtiger

Das Engagement für den Nachwuchs zahlt sich aus, ist Jörg Leuninger, Leiter Rekrutierung Europa bei der BASF, überzeugt: „Arbeitsprozesse in gemischten Teams und über Ländergrenzen hinweg sind für die BASF selbstverständlich. Interkulturelle Kompetenzen sind daher sehr gefragt bei uns. Gerne bieten wir den Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten an, sie auch auf diesem Wege systematisch zu fördern.“ Die BASF arbeitet heute an fast 400 Standorten in 80 Ländern. „Wer sich wie Simon Werrel schon während seines Studiums für längere Zeit in einem Arbeitsprozess auf eine andere Kultur und andere Gepflogenheiten eingelassen hat, kann sich viel besser auf die Anforderungen einstellen“, weiß auch Personalmanagerin Birgit Opferkuch, die den European Talent Pool bei der BASF betreut.

Sinnvolle Verknüpfung von materieller und ideeller Förderung

Damit steht die BASF keineswegs allein. „Internationale Entsendungen leisten einen wertvollen Beitrag zur Vernetzung unserer Mitarbeiter und schärfen den Blick für andere Sichtweisen“, erklärt Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH. Das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen beschäftigt mehr als 300.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über 50 Ländern. „Der weltweite Wissenstransfer und der interkulturelle Austausch sind Teil unserer Vielfalt. Das schafft Impulse für neue Ideen.“ Auf die Kombination von Deutschlandstipendium und Auslandspraktikum setzt daher auch der Konzern aus Gerlingen bei Stuttgart, der ebenfalls 200 Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten fördert. „Die Verknüpfung ist sinnvoll, denn das Stipendium zeigt: Da hat jemand mit Spitzenleistung überzeugt. Und die Bewerbung für ein Auslandspraktikum bei uns verdeutlicht zusätzlich: Da ist jemand neugierig und hat Lust auf Neues“, urteilt Hartwig Löffler, der für Bosch die Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten rund um den Unternehmensstandort Homburg betreut.

Per Deutschlandstipendium zum Forschen nach South Carolina

Felix Diewald ist so einer, der sich auf Neues freut. In wenigen Tagen wird ihn sein amerikanischer Kollege in Charleston vom Flughafen abholen. Sechs Monate lang wird der Maschinenbaustudent der Technischen Universität Kaiserslautern am Bosch-Standort in South Carolina gemeinsam mit amerikanischen Ingenieuren an der Einspritztechnik von Verbrennungsmotoren feilen. Neben neuen fachlichen Einblicken in die produktionsnahe Forschung erhofft sich der 23-Jährige vor allem Einblicke in andere Arbeitsweisen: „Der Ingenieursberuf ist ein kommunikativer Beruf, bei dem es in der Regel um gemeinsame Problemlösungen geht. Ich bin sehr gespannt auf die Herangehensweisen der amerikanischen Ingenieure. Und ich freue mich darauf, mein technisches Englisch zu verbessern.“ Dass ihm Bosch diese Erfahrungen ermöglicht, empfindet er keineswegs als Zwang, sich jetzt schon für den Arbeitgeber entscheiden zu müssen. „Im Gegenteil! Später einmal für Bosch im Ausland zu arbeiten – das käme für mich aber auf jeden Fall in Frage.“