Vernetzen, fördern und gewinnen - die Jahresveranstaltung 2013

14.000 vergebene Stipendien, 30 Millionen Euro Fördergelder, neue Chancen für Bildungsaufsteiger und drei ausgezeichnete ideelle Förderkonzepte – das waren am 29. Mai in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom in Berlin die Tagesthemen. Erstmals vergab der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft den Preis "Die Besten begleiten" für vorbildhafte ideelle Förderkonzepte.

Foto Cindy Weinhold am KeyboardJazzsängerin und Deutschlandstipendiatin Cindy Weinhold. Foto | BMBF: © 2013Cindy Weinhold rückt den Hocker am Keyboard zurecht, spielt ein paar Töne an und legt los. Soundcheck. Jazz flutet das Atrium. "Tolle Stimme", flüstert einer der Tontechniker. Vor Kurzem hat die Deutschlandstipendiatin an der Hochschule Franz Liszt in Weimar ihr Diplomkonzert gegeben. Wer die junge Musikerin hört, ahnt, warum sie dafür die Bestnote 1,0 erhielt. Um solche Talente und darum, wie man sie am besten fördert, dreht sich hier heute alles. Mehr als 300 Gäste aus Hochschule, Wirtschaft und Politik kommen an diesem 29. Mai in Berlin unter dem Motto "Gut vernetzt und beste Chancen" zusammen, um sich miteinander über das Deutschlandstipendium und seine Gestaltungsmöglichkeiten auszutauschen.

"Wo hat man schon solche Effekte?"

Rund 14.000 Deutschlandstipendien konnten die Hochschulen allein im Jahr 2012 an begabte Studierende vergeben. "Ich finde das sehr beachtlich", sagt Tina Fix, Fundraiserin an der Berliner Charité. Sie ist nicht die Einzige, die die Entwicklung des Deutschlandstipendiums als Erfolg wertet. Ihre Kollegin Carla Sievers von der Technischen Universität Kaiserslautern pflichtet ihr bei: "Zu unseren Förderern zählen große wie kleine Unternehmen, aber auch zahlreiche private Mäzene. Es ist enorm, was sich dadurch an neuen Netzwerkmöglichkeiten für unsere Hochschule ergeben hat." Solche Verbindungen seien viel wert, gerade auch für Studierende aus nicht-akademischen Familien. "Einer unserer Deutschlandstipendiaten absolviert demnächst ein Praktikum bei einem internationalen Unternehmen in den USA, vermittelt durch seinen Förderer. Wo hat man innerhalb so kurzer Zeit schon solche Effekte?", so die erfahrene Mittelbeschafferin.

Johanna Wanka am RednerpultBundesbildungsministerin Johanna Wanka: "Mich haben die Vielfalt und die Kreativität der Hochschulen in der Ausgestaltung der ideellen Förderung überrascht und beeindruckt." Foto | BMBF: © 2013

"Wir sind stark eingestiegen."

"Wir sind stark eingestiegen mit dem Deutschlandstipendium. Das neue Stipendienprogramm ist aus der deutschen Hochschullandschaft nicht mehr wegzudenken", bilanziert wenig später Bundesbildungsministerin Johanna Wanka in ihrer Eröffnungsrede. Nachdrücklich plädiert sie dafür, Spitzenförderung und Breitenförderung nicht gegeneinander auszuspielen und weist darauf hin, dass das Deutschlandstipendium sowohl für herausragende fachliche Leistungen und besonderes persönliches Engagement als auch für die Überwindung von Hürden in der eigenen Bildungsbiografie vergeben werde.

"Die Kreativität in der Ausgestaltung hat mich beeindruckt."

Für eine weitere Besonderheit des Stipendiums gibt es erstmals einen Preis. "Mich haben die Vielfalt und die Kreativität der Hochschulen in der Ausgestaltung der ideellen Förderung des Stipendiums überrascht und beeindruckt", lobt Bildungsministerin Johanna Wanka das Engagement der Hochschulen, das von der Organisation von Mentoring-Programmen über die Einrichtung von Workshops und gemeinsamen Forschungsprojekten bis hin zu Themenklassen und Sommeruniversitäten reicht. Im Rahmen seines Wettbewerbs "Die Besten begleiten" zeichnete der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft drei von insgesamt sieben Finalisten mit dem auf jeweils 10.000 Euro dotierten Preis für die ideelle Förderung aus: Die Stiftung Studienfonds OWL (Ostwestfalen-Lippe), die Humboldt-Universität zu Berlin und die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

PodiumsdiskussionIm Gespräch, v. l. n. r.: Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen (BMBF), Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger (Caspar Ludwig Opländer Stiftung), Katja Urbatsch (Initiative Arbeiterkind.de), Maria José Muñoz Calvo (Deutschlandstipendiatin), Prof. Dr. Wilhelm-Günther Vahrson (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde), Angela Elis (Moderation). Foto | BMBF: © 2013

"Hinter jedem Bildungsaufstieg stecken herausragende Leistungen."

Victoria Alekseeva ist aus diesem Grund extra aus Frankfurt am Main angereist. Die 20-Jährige studiert Jura an der Johann Wolfgang Goethe-Universität und strahlt sichtlich über die Auszeichnung für ihre Hochschule. Auch sie bekommt das Deutschlandstipendium – "eine große Anerkennung und ein unglaublicher Ansporn", freut sie sich. "Ich bin die erste in meiner Familie, die studiert, und das Stipendium zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin", so die Studentin, die mit vier Jahren aus Russland nach Deutschland kam. "Gerade für Studierende, die die ersten in ihrer Familie sind, die es an die Uni schaffen, hat so ein Stipendium eine wichtige psychologische Wirkung", hebt Katja Urbatsch in der von Angela Elis moderierten Podiumsdiskussion hervor. Die Gründerin der Initiative "Arbeiterkind.de" weist auf die herausragenden Leistungen hin, die hinter jedem Bildungsaufstieg stecken und fordert die Hochschulen auf, solche Bildungsbiografien noch stärker anzuerkennen und zu fördern.

Publikum der VeranstaltungReger Austausch zur neuen Fördererkultur. Foto | BMBF: © 2013

"Essenziell für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Deutschland"

Maria José Munoz Calvo kommt genau das entgegen. Das Deutschlandstipendium bessert ihr BAföG auf, und es bietet der Lateinamerikanistikstudentin mit bolivianischen Wurzeln neben einem Mentoring wichtige Netzwerkkontakte für ihre berufliche Zukunft und ihr Engagement für ein deutsch-bolivianisches Musikprojekt. Von den Netzwerkkontakten profitieren sowohl Studierende als auch Förderer und Hochschulen und damit letztlich die gesamte Gesellschaft, wie Hans-Jörg Bullinger verdeutlicht. "Starke Netzwerke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind essenziell für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Deutschland", so der Vorstand der Casper Ludwig Opländer Stiftung mit Sitz in Dortmund. "Ich erlebe immer wieder, dass sich die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft positiv auf die Region und die Hochschule auswirkt", bestätigt Wilhelm-Günther Vahrson von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.

Dokumente