Von der Freiheit, die Freiheit in der Musik zu finden

Der Swing in ihrer Stimme, ihr Humor und ihre Experimentierfreude stecken an: Von Cindy Weinhold will man mehr hören. Gerade hat sie ihr Jazzgesang-Studium an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar abgeschlossen. Im Interview spricht sie über Kreativität, Disziplin, das Deutschlandstipendium und einen Wunsch.

Vier Fotos von Cindy WeinholdFoto | privat: Cindy Weinhold © 2013Frau Weinhold, Jazz, Rock, Soul, Elektro. Sie bewegen sich scheinbar mühelos zwischen den Genres, leiten das Super Sound Galactic Orchestra, spielen Klavier und singen in dieser Spielzeit am Deutschen Nationaltheater Weimar im Liebesduett – das Ganze unter der launigen Überschrift: "Ist das Kunst oder kann das weg?". Eine ernst gemeinte Frage?

Cindy Weinhold (lacht): Ja, durchaus! Die Frage lautet doch: Was machen wir da eigentlich? Kunst? Unterhaltung? Aufklärung? Wir nehmen uns selbst ein wenig auf die Schippe. Da geht es um die Lust am Spielen ebenso wie um Versagensängste und geplatzte Träume. Ein wunderbares gemeinsames Experiment unter der Regie von Michael Wächter mit Mitgliedern des Schauspiel- und des Musiktheaterensembles! Und es macht mir viel Spaß, das musikalisch zu leiten, gerade auch über die Genregrenzen hinweg. Grenzen habe ich bislang sowieso gerne ignoriert. Mein Faible für Musik ist sehr breit gefächert. So haben wir zum Beispiel auch das "Freemix & Friends-Unplugged" Open-Air-Festival im Voigtland auf die Beine gestellt, das seit 2005 immer im August stattfindet und inzwischen ziemlich bekannt ist. Dabei sammeln wir jedes Mal Spenden für einen regionalen Verein. Das sind so Sachen, die ich gerne ausprobiere und entweder es klappt, oder es klappt nicht. Ich will immer erst alles versucht haben.

Das klingt nach Kreativität und Disziplin. Wie geht das zusammen?

Cindy Weinhold: Meine Erfahrung ist, Kreativität und Disziplin bedingen einander, sie gehören für mich zusammen. Aber ich bin auch mit tollen Vorbildern groß geworden. Meine Mutter hat Musik geliebt, Gitarre und Klavier gespielt. Wir haben gemeinsam gesungen, später auch vierhändig Klavier gespielt. Sie hat mich mit sechs Jahren zum Klavierunterricht angemeldet. Von da an habe ich immer wieder neue Instrumente gelernt. Ich glaube, ich hatte schon immer diesen Forschungsdrang, die Neugier, was ich mit den Instrumenten alles anstellen kann. Die Disziplin kommt dann dazu. Um Neues zu entdecken und auszuloten, musst Du einfach üben. Insofern versuche ich auch meinen Schülerinnen und Schülern vor allem Freude am Entdecken zu vermitteln.

Sie unterrichten, geben Liederabende, machen Musikkabarett und haben gerade Ihr Diplomkonzert an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar absolviert, mit 1,0! Wie schafft man das bei so einem Pensum?

Cindy Weinhold: Ja (lacht), das muss Liebe sein! Im Ernst: Ich hatte viel Unterstützung durch meine Eltern, durch Lehrer, durch Freunde und übrigens auch durch das Deutschlandstipendium. Das hat mich nachts ruhiger schlafen lassen. Ich hatte keinen Anspruch auf BAföG, ich war komplett auf mich gestellt. Da war die regelmäßige finanzielle Unterstützung schon sehr entlastend.

Welche Rolle spielt die Anerkennung durch das Deutschlandstipendium? Und was bedeutet Spitzenleistung für Sie?

Cindy Weinhold: Die Anerkennung durch das Deutschlandstipendium hat mich stolz und glücklich gemacht. So etwas spornt an. Spitzenleistung, na ja: Ich erwarte von mir selber immer Bestleistungen, unabhängig von der Spitzenförderung. Mein innerer Perfektionismus lässt gar nichts anderes zu. Die Freiheit, die ich in der Musik finde, und die Freiheit, die ich dazu brauche, sind ein starker Antrieb, der mich wach hält und stets nach dem bestmöglichen Ergebnis greifen lässt. Das Stipendium lag wunderbarerweise mit auf diesem Weg.

Wenn Sie es sich jetzt frei aussuchen könnten: Mit wem würden Sie am liebsten einmal auftreten und wo?

Cindy Weinhold: Schon als ich ganz klein war, wollte ich einmal mit Mick Jagger auftreten. Ich denke, ich würde im Jazzcafé ACC in Weimar mit ihm "jammen". Musik und Lebensstil der Stones und vor allem ihre musikalische Wandelbarkeit ohne sich selber zu verlieren, das hat mich begleitet, seit ich die Stones als Kind zum ersten Mal auf ihrer Urban Jungle Tour hörte. Ich war seither auf fünf oder sechs Stones-Konzerten. Und so eine feine kleine Kaffeehaus-Jam in Weimar, das wäre doch was, oder?

Finden wir auch! Vielen Dank für das Gespräch!

 

Dokumente

  • Interview Cindy Weinhold
    [PDF - 987,6 kB]

     (URL: http://www.deutschlandstipendium.de/_media/Interview_Cindy_Weinhold.pdf)

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