Von Kathmandu nach Berlin

Bestnoten, Forschungspreis, Deutschlandstipendium – Sulav Duwal ist durchgestartet. Der 26-Jährige ist Masterstudent der Bioinformatik an der Freien Universität Berlin, forscht im HIV-Bereich und engagiert sich für junge Menschen in seiner Heimat: Nepal. Im Interview erzählt er, was ihn dazu brachte, sich mit 19 in einen Flieger nach Deutschland zu setzen.

Porträt Sulav Duwal vor einem BücherregalSulav Duwal ist Deutschlandstipendiat an der Freien Universität Berlin. Gefördert wird er von der Investitionsbank Berlin (IBB).
Foto: © BMBF 2013
Herr Duwal, wie sind Sie auf die Idee gekommen, in Deutschland zu studieren?

Mein Onkel hat in Kassel zum Thema Windenergie promoviert und mir die deutsche Forschungskultur empfohlen. Als ich dann den Studiengang Bioinformatik in Deutschland entdeckte, war für mich klar, dass ich hier studieren will. Die Fächer Mathe und Biologie interessierten mich, und ich wollte unbedingt etwas Interdisziplinäres machen. Genau das bietet mir dieses Fach. Außerdem hatte ich Lust darauf, etwas Neues zu entdecken und eine andere Kultur kennen zu lernen. Ich musste nur noch meinen Vater überzeugen.

Was waren seine Bedenken?

Mein Vater wollte, dass ich Medizin studiere. Meine Eltern hatten nicht die Möglichkeit, an eine Universität zu gehen. Und sie wünschen sich, dass meine Schwester und ich es besser haben. Der Beruf des Mediziners ist überall sehr anerkannt. In Nepal entscheiden sich die meisten dafür oder für Ingenieurswissenschaften, auch mein Cousin und meine Cousine haben Medizin studiert. Aber meine Entschlossenheit hat ihn zum Glück überzeugt. Meine Schwester studiert jetzt übrigens Medizin. (lacht)

Offensichtlich war es die richtige Entscheidung: Für Ihre Bachelorarbeit gab es die Bestnote, Sie haben den DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender und das Deutschlandstipendium bekommen.

Ja, es war wirklich toll. Am Anfang hatte ich zwar einige Probleme mit der Sprache. Aber an der Uni fühlte ich mich sofort wohl. Ich habe schnell Kontakt zu anderen Studierenden bekommen. Während meiner Bachelorarbeit hatte ich die Möglichkeit, mit meinem Dozenten im HIV-Bereich zu arbeiten. Er hat mich schon sehr unterstützt und die Idee mit dem Deutschlandstipendium kam übrigens auch von ihm.

Was hat sich für Sie durch das Deutschlandstipendium verändert?

Dass ich sorgenfrei studieren und forschen kann, weil es mich finanziell entlastet. Und ich habe sehr von dem Mentorenprogramm profitiert, das die FU anbietet. Ich wusste lange nicht, ob ich den Master machen und promovieren oder lieber in die Industrie gehen soll. Mein Mentor arbeitet bei der Bayer Pharma AG, mit ihm kann ich die Vor- und Nachteile von Karriereschritten besprechen. Seine Erfahrung hat mir schon sehr geholfen. Und ich finde es großartig, dass unsere Gespräche nicht immer nur förmlich sind, wir treffen uns auch mal in einer Kneipe zum Fußball schauen.

Sie haben die seltene Chance, als Student im HIV-Bereich zu forschen, und sind auch sonst sehr engagiert im Thema. Wie kam es dazu?

Aids ist eine verbreitete Krankheit in Nepal, aber noch ein großes Tabu. Die Menschen wissen wenig darüber. Als Schüler habe ich Spenden für eine Aufklärungskampagne und Infizierte gesammelt. Die Gesundheitsstruktur ist kaum entwickelt, es gibt wenige Forschungseinrichtungen, die relevante und gute Forschung machen. Da war es naheliegend, mich in meiner Bachelorarbeit damit zu beschäftigen.

Worum geht es genau in Ihrer Arbeit? Sie haben ja sogar den DAAD-Preis dafür bekommen.

Ja, ich habe ein mathematisches Modell entwickelt, mit dem man die Folgen präventiv eingesetzter Wirkstoffe gegen HIV/Aids einschätzen kann. Und das Tolle ist, dass das Modell nun die Grundlage für ein Folgeprojekt in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut ist.

Woran forschen Sie gerade?

Ich entwickle mathematische Modelle und Algorithmen, um die Dosierung von HIV-Medikamenten zu berechnen. Es wäre toll, wenn das später einmal die Prophylaxearbeit unterstützen könnte, um einen Impfstoff zu entwickeln. Das mache ich im Rahmen meiner Masterarbeit.

Sie studieren, forschen und engagieren sich seit sieben Jahren in Deutschland. Was nehmen Sie mit aus dieser Zeit und was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?

Ich bin einfach dankbar für diese Chance, hier Erfahrungen und wissenschaftliche Kenntnis zu sammeln. Mein Fach und die Forschung sind mir sehr wichtig, mich interessiert das total. Auch die Unterstützung am Institut und in der Uni motiviert mich sehr. Ich hoffe, ich kann mich später in meiner Heimat in der Aidsforschung engagieren. Mir sind in meiner Zeit in Deutschland natürlich auch einige kulturelle Unterschiede aufgefallen. (lacht) Die deutschen Studenten sind unabhängiger und freier, sie kommen aus eigener Motivation an die Uni. In Nepal haben die Eltern viel mehr zu sagen, was die Berufswahl der Kinder angeht. Ich denke, es hat mich sehr bereichert, eine andere Kultur kennen zu lernen – jeder sollte diese Erfahrung machen. Das finde ich gut und versuche das weiterzugeben. Ich bin ja auch noch Mitglied einer Organisation, die mithilfe der nepalesischen Botschaft junge Leute in Nepal unterstützt, die sich für ein Studium in Deutschland interessieren. Bei mir hat das ja auch sehr gut geklappt.

Und was sagt Ihr Vater jetzt dazu?

Der ist stolz auf mich. Meine Eltern sind sehr glücklich darüber, dass ich hier so gefördert werde.