Kunst kommt von Können und Gunst kommt von Gönnen

Elisabeth Seidel will einmal als Fotokünstlerin arbeiten und unterrichten will sie auch. In Kassel studiert sie Deutsch und Kunsterziehung für das Lehramt. Zusätzlich hat sie visuelle Kommunikation belegt. Das Deutschlandstipendium unterstützt sie dabei und es verhilft ihr zu Einblicken in die Wirtschaft.

Foto: Elisabeth Seidel Elisabeth Seidel, Deutschlandstipendiatin an der Universität Kassel und der Kunsthochschule Kassel: "Ich finde es toll, dass ich mit Hilfe des Deutschlandstipendiums neben meinem Lehramtsstudium noch visuelle Kommunikation studieren kann. Ohne das Stipendium ginge das nicht, denn dann müsste ich nebenher arbeiten. Auch der Kontakt mit Förderern aus der Wirtschaft ist für mich als angehende Künstlerin sehr bereichernd." © Telegrau.com für Universität Kassel

„Das war wirklich eine tolle Erfahrung“, freut sich Elisabeth Seidel. „Ich habe sehr positive Reaktionen auf meine Fotos bekommen.“ Bei der Jahresausstellung der Kunsthochschule Kassel hat die Studentin gerade zum ersten Mal ihre Werke ausgestellt. Ihre Fotoserie trägt den Titel Leerräume und dokumentiert anhand von leerstehenden Geschäftsräumen die Spuren der Vergangenheit. „Die Gardinen, die immer noch in den leeren Schaufenstern hängen, oder die Schriftzüge, die noch nicht entfernt wurden – das fand ich interessant.“
Seit Herbst 2011 studiert die 21-Jährige an der Universität Kassel Kunst und Deutsch. Das Deutschlandstipendium ermöglicht der Einserabiturientin, neue Wege zu gehen. Zum Wintersemester 2012 hat sie sich an der Kunsthochschule Kassel zusätzlich für den Studiengang „Visuelle Kommunikation“ eingeschrieben – Schwerpunkt Fotografie. „Ohne das Deutschlandstipendium wäre das nicht zu schaffen, dann müsste ich auch während des Semesters jobben“, erklärt Elisabeth Seidel. Nach dem Abi hat sie als Bedienung in einem Restaurant gearbeitet. Während der Semesterferien kellnert sie auch schon mal. Nur während des Studiums, da braucht sie Zeit und Raum für Kreativität: „Man muss sich sehr intensiv mit den Studieninhalten und auch mit gesellschaftlichen Veränderungen auseinandersetzen“, sagt sie.

Wechselseitige Inspiration

Zu dieser Auseinandersetzung trägt auch der Kontakt mit den Förderern des Deutschlandstipendiums bei. Dass die monatliche Finanzspritze aus einem Topf kommt, in den mehrere Geldgeber einzahlen, sieht sie daher als großen Vorteil. „Neulich waren wir bei privaten Förderern zum Kaffeetrinken eingeladen, anschließend gewährte uns ein Unternehmen aus Kassel Einblick in den Betrieb. Das sind einfach anregende und interessante Begegnungen, die sonst nicht zustande gekommen wären.“ Elisabeth Seidel interessiert sich seither für ein Praktikum bei der W. & L. Jordan GmbH. Der Großhändler vertreibt unter anderem Holzfußböden, Teppichböden und Gardinen. „Ich habe mich im Studium intensiv mit dem Thema Holz beschäftigt und unter anderem Skulpturen gebaut. Das hat mich neugierig auf den Umgang mit Holz und Textilien in einem Wirtschaftsunternehmen gemacht.“ Norman Virks hat die Deutschlandstipendiaten durch den Betrieb geführt. Er ist bei Jordan für die Unternehmenskommunikation zuständig. Eine Lehramtstudierende als Praktikantin, das findet er keinesfalls abwegig: „In einem dynamischen Unternehmen kann man immer Menschen gebrauchen, die neue Impulse einbringen. Gerade Quereinsteiger mit einem solchen Hintergrund sind doch spannend.“ Ob aus der Fotokünstlerin und Lehrerin vielleicht auch noch eine Möbeldesignerin und Geschäftsfrau wird? Wer weiß! Vorerst ist Elisabeth Seidel mit ihren beiden Studiengängen jedenfalls recht gut ausgelastet.