Begeistert von der Weltläufigkeit der Stipendiaten

Sie zählt zu den jüngsten, kleinsten und reichsten Stiftungen Deutschlands: die Caspar Ludwig Opländer Stiftung. An drei Hochschulen fördert sie mit dem Deutschlandstipendium. Ein solches Engagement würde sich für noch viel mehr Förderer lohnen, ist Stiftungsvorstand Professor Hans-Jörg Bullinger überzeugt.

Foto: Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Vorstand Caspar Ludwig Opländer Stiftung.

Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Vorstand Caspar Ludwig Opländer Stiftung. Foto: Fraunhofer.

Professor Hans-Jörg Bullinger ist zwischen zwei Terminen unterwegs und gerade irgendwo auf der Autobahn. Doch dem Präsidenten der Fraunhofer Gesellschaft brennt das Thema auf den Nägeln, deswegen schaltet er die Freisprechanlage an und nimmt sich Zeit für das Gespräch. Richtig unzufrieden sei er, sagt Bullinger. Zwar sind schon im ersten Jahr 5.500 Deutschlandstipendien vergeben worden, doch hätten es noch viel mehr sein können - davon ist Bullinger überzeugt. Er muss es wissen: Schließlich ist er Vorsitzender der Caspar Ludwig Opländer Stiftung, die allein im Wintersemester 2011 sechzig Deutschlandstipendien vergeben hat.

Herausragende Position im internationalen Vergleich

Was ihn dabei antreibt, ist sein Einsatz für den Wirtschaftsstandort Deutschland. "Unsere Wirtschaft lebt von ihrem Innovationspotenzial. Sie sollte daher vorne mitmischen im internationalen Wettbewerb um den Nachwuchs." Das Deutschlandstipendium sei dafür ein neuer und wichtiger Baustein, argumentiert der Stiftungsvorstand. Die erst im Januar 2011 gegründete Caspar Ludwig Opländer Stiftung sieht er dabei in erster Linie als Verknüpfungspunkt im Netzwerk von Wissenschaft und Wirtschaft: "Kleinkarierte Betrachtungen über den eigenen Nutzen stellen wir nicht an", versichert Bullinger, "wir helfen vor Ort dabei, starke Netzwerke für die Zukunft zu bilden."

Auch arbeite die Stiftung vollkommen unabhängig von ihrem Gründungs-Unternehmen und Geldgeber, dem internationalen Pumpen-Spezialisten Wilo. "Das ist in der Satzung extra so festgelegt." Den Stipendiaten kommt die Nähe der Stiftung zu dem Unternehmen trotzdem zugute: "Ob es um Praktika, um Forschungs- oder aber um Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten geht. Unser Netzwerk im In- und Ausland bietet talentierten und ambitionierten Nachwuchskräften natürlich interessante Anknüpfungspunkte."

Förderung von Frauen

Die Nachwuchskräfte kommen von der TU Dortmund, der Hochschule Hof und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg: An allen drei Hochschulen fördert die Caspar Ludwig Opländer Stiftung - in Magdeburg und Hof über drei, in Dortmund über vier Semester. Die Studierenden sollen sich auf die monatliche Finanzspritze von 300 Euro verlassen können, die zur Hälfte die Stiftung und zur anderen Hälfte der Bund trägt. In Dortmund hat Professor Hans-Jörg Bullinger einige der Deutschlandstipendiaten bei einem gemeinsamen Abendessen kennengelernt und ist hellauf begeistert: "Die sind schon überall in der Welt herum gekommen, sprechen mehrere Sprachen, sind aufgeschlossen und interessiert. Eine solche Weltläufigkeit spielt heute wirklich in allen Bereichen eine ganz zentrale Rolle."

Sehr gefreut hat ihn auch, dass die Hälfte der Stipendiaten Frauen sind. Das sei gerade in den Ingenieurwissenschaften ja immer noch keine Selbstverständlichkeit. Sein Rat an die Studierenden: Soziale Kompetenz mit fachlicher Kompetenz zu kombinieren - das sei der Schlüssel für eine erfolgreiche Arbeit als Ingenieur. Und dank des Deutschlandstipendiums müssten sie weniger nebenbei arbeiten und hätten mehr Zeit, sich auf das Erlernen dieser Kernkompetenzen zu konzentrieren.

Die Fahrgeräusche sind leiser geworden. Professor Hans-Jörg Bullinger hat die Autobahn hinter sich gelassen. Gleich ist er an seinem nächsten Ziel.