Eine ganz persönliche Zukunftsinvestition

Wie private Förderer das Deutschlandstipendium unterstützen – ihre Motive, ihre Wünsche und ihr ganz individuelles Engagement

Junge Talente von morgen kennenlernen, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, den Wirtschaftsstandort Deutschland fit für den internationalen Wettbewerb machen: Es gibt viele Gründe dafür, sich an der neuen Spitzenförderung zu beteiligen. Zwei private Förderer geben Auskunft.

Foto: Roland Hoffmann-TheinertRoland Hoffmann-Theinert fördert privat mit dem Deutschlandstipendium, © BMBF 2012Der Lebenslauf von Roland Hoffmann-Theinert dürfte jeden Bildungsexperten entzücken: in Bielefeld als Sohn eines Handwerkers aufgewachsen, Banklehre bei der Dresdner Bank, Jura-, Politik- und Philosophiestudium in Passau, Freiburg und Köln, promovierter Rechtsanwalt, Auslandsstationen in Singapur und New York. Heute sitzt der Rechtsanwalt und Notar mit seiner Sozietät an erster Adresse, im Botschaftsviertel Berlins, hat mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und anspruchsvolle Mandate. So hat er etwa die Karstadt Warenhaus AG durch die Insolvenz begleitet.

Der Weg vom Empfang zum Besprechungsraum führt an einer großen Bibliothek mit langen Bücherregalen vorbei, die Gläser auf dem Konferenztisch tragen das Logo der Sozietät. Keine Frage: Der 52-Jährige ist da angekommen, wo tausende Jurastudierende hinstreben. Doch von Attitüde keine Spur: Der Experte für Finanz- und Gesellschaftsrecht wirkt bodenständig, ruhig und überaus sympathisch; blauer Anzug, weiß-blaue Krawatte, helles Hemd und ein offenes, freundliches Lächeln. Seit Februar 2012 fördert er eine junge Jura-Studentin an der Freien Universität Berlin. "Das war eine ganz persönliche Entscheidung", sagt er. Er selbst habe von einem Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes profitiert. "Wenn es einem dann später beruflich so gut geht, hat man auch die moralische Verpflichtung, etwas zurückzugeben."

"Viele sind ins Nachdenken gekommen"

Als "Botschafter" für das Deutschlandstipendium sieht er sich nicht, aber sein Engagement sei bei Freunden wie Kollegen auf großes Interesse gestoßen. "Viele sind dadurch ins Nachdenken gekommen. Und ich wünschte mir, dass diese Spendenkultur in Deutschland mehr gelebt wird." Von einer solchen Selbstverständlichkeit ist Deutschland noch weit entfernt. Während es in vielen Ländern zum guten Ton gehört, dass Unternehmen und Privatpersonen ihnen nahestehende Bildungseinrichtungen unterstützen, beginnt sich eine solche Förderkultur hierzulande gerade erst zu entwickeln. Zum Vergleich: In den USA stammen laut OECD-Studie zwei Drittel der Ausgaben für den Hochschulbereich aus privater Hand – in Deutschland sind das bisher nur 15 Prozent. "Von zehn Top-Universitäten weltweit kommen heute sechs aus den Vereinigten Staaten. Ein solcher Erfolg könnte uns ja auch anspornen", meint Hoffmann-Theinert. Dabei zeigen sich die Deutschen grundsätzlich großzügig: Insgesamt 4,3 Milliarden Euro spendeten deutsche Bürger allein im vergangenen Jahr an unterschiedlichste Projekte. Das macht pro Kopf 52 Euro. Auch im Bildungssektor steigt die Bereitschaft. So werben inzwischen die unterschiedlichsten Förderprogramme, auch für Studierende, um die Gunst der Spender. Mancher Experte spricht bereits von einem regelrechten "Förderdschungel" im Bildungsbereich. Doch kommen bislang gerade einmal drei von 100 Studierenden in den Genuss eines Stipendiums.

"Plattform für eine breite und vielfältige Förderkultur"

Mit dem zum Sommersemester 2011 eingeführten Deutschlandstipendium soll das anders werden. Auch Hoffmann-Theinert begrüßt diesen Schritt: "Damit gibt es endlich eine Plattform für eine breite und vielfältige Förderkultur." Unter dem Dach des Deutschlandstipendiums teilen sich Staat und private Mittelgeber die Förderung begabter Talente von Morgen: Studierende mit überdurchschnittlichen Leistungen, einem besonderen sozialen Engagement oder außergewöhnlichen Hürden in der Bildungsvita. Förderwillige können sich an jede staatliche oder staatlich anerkannte Hochschule in Deutschland wenden. Auf 150 Euro monatlich aus privater Hand legt der Staat monatlich weitere 150 Euro drauf, für mindestens zwei Semester. Überdies bündelt das bundesweite Stipendium die unterschiedlichsten Fördermotive. Neben kleinen wie großen Unternehmen, Vereinigungen und Stiftungen steht es auch jedem privaten Bürger offen, mit diesem Programm junge Talente zu besseren Leistungen anzuspornen. Da sind Alumni, sprich ehemalige Studierende, die ihrer Hochschule etwas zurückgeben möchten. Da sind Neugierige, die nach einem akademischen Austausch suchen.

"Persönliche Empfehlungen motivieren"

Viele Hochschulen haben das Potenzial privaten Förderengagements erkannt, eigene Fundraiser für das Deutschlandstipendium eingestellt und ihren Career Service ausgebaut. Einer der Leuchttürme bei der Akquise von privaten Fördergeldern ist die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, die mit Hannelore Riesner seit November 2011 außerdem eine eigene Botschafterin für das Deutschlandstipendium gewonnen hat. Die promovierte Biologin geht mit persönlichem Beispiel voran: Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Gründer von Deutschlands größtem Biotech-Konzern Qiagen, unterstützt sie zehn Stipendiaten mit je 150 Euro monatlich. Regelmäßig hält Hannelore Riesner Vorträge, wirbt im Freundes- und Bekanntenkreis, wie etwa im Rotary-Club, um neue Förderer. Die Erfolgsbilanz solcher Aktivitäten lässt sich sehen: Die Universität zählt zu den Hochschulen mit den meisten Privatförderern in Deutschland. Gut jeder dritte Stifter im Wintersemester 2011/12 war eine Privatperson. Gerade die persönlichen Empfehlungen würden andere motivieren, sich ebenfalls für junge Menschen stark zu machen, berichtet Hannelore Riesner. Und die Förderer erhielten etwas Unbezahlbares zurück: neue Impulse durch den persönlichen Austausch mit jungen Menschen. Auch das spricht sich allmählich herum.

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