Zahlen und Fakten: Studium und Begabtenförderung in Deutschland

Trotz steigender Studienanfängerzahlen: Langfristig gibt es in Deutschland nicht genug gut ausgebildete junge Menschen. Bereits jetzt kündigt sich in einigen Branchen ein Fachkräftemangel an. Deshalb braucht Deutschland eine breit aufgestellte Talentförderung. Gerade im Vergleich mit anderen Ländern gibt es hier noch Aufholbedarf.

Deutschland im Vergleich: Warum es Förderung braucht

  1. In Deutschland studieren mehr Menschen als je zuvor.
  2. Durch die demografische Entwicklung kündigt sich ein Fachkräftemangel an.
  3. Bei der Studienfinanzierung aus privaten Mitteln muss Deutschland im internationalen Vergleich aufholen.

Mehr Studierende: In Deutschland studieren mehr Menschen als je zuvor.

Die Zahl der Studierenden zieht seit Jahren kontinuierlich an. Zum Wintersemester 2012/2013 waren rund 2,5 Millionen Studierende an deutschen Hochschulen immatrikuliert. Der Anteil junger Menschen eines Altersjahrgangs, die in Deutschland ein Studium (Universitäten und Fachhochschulen, einschließlich Verwaltungsfachhochschulen) aufnehmen, erreichte im Studienjahr 2011 mit 52,4 Prozent einen Höchststand im Vergleich zu den letzten Jahren. 2012 lag dieser Anteil bei 51,4 Prozent.
Der Anteil derjenigen, die ein aus privaten oder öffentlichen Mitteln gefördertes Stipendium erhalten, beträgt laut der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks 4 Prozent der Befragten (2012). 2012 erhielten etwa 50.000 Studierende ein durch die Bundesregierung gefördertes Stipendium. [1]

Einkünfte von Studierenden

Jeder Studierende hat im Schnitt 864 Euro monatlich zur Verfügung. Die drei wichtigsten Quellen sind: die finanzielle Unterstützung durch das Elternhaus, der eigene Verdienst und BAföG. Zwei von drei Studierenden arbeiten neben ihrem Studium, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. 26 Prozent der Studierenden erhalten BAföG. [2]

Infografik: Studienfinanzierung in Deutschland (JPG, 180 KB)

Das kostet ein Studium

Allein für ausgewählte und wiederkehrende Ausgaben wie Miete, Fahrtkosten, Ernährung, Kleidung, Lernmittel, Krankenversicherung, Telefon, Internet und Ausgaben für die Freizeitgestaltung fallen während eines Studiums durchschnittlich im Monat 794 Euro an. [3]

Fachkräftemangel: Der Bedarf an Akademikern steigt

Trotz steigender Studienanfängerzahlen: Langfristig gibt es in Deutschland nicht genügend gut ausgebildete junge Menschen. Bereits jetzt kündigt sich in einigen Branchen ein Fachkräftemangel an. Neue Technologien, anspruchsvollere Produkte und Dienstleistungen steigern die Nachfrage nach Hochschulabsolventinnen und -absolventen. 29 Prozent der vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befragten Betriebe konnten 2012 Stellen von Fachkräften zwei Monate oder länger nicht besetzen. Von diesen Unternehmen mit Stellenbesetzungsproblemen suchten 43 Prozent (Fach-)Hochschulabsolventen. Die Nachfrage nach hochqualifizierten Akademikerinnen und Akademikern wird weiter steigen. [4]

Deutschland braucht eine starke Stipendienkultur

Viele Unternehmen haben bereits erkannt, dass die direkte Investition in akademische Bildung ein Erfolgskriterium ist. Laut einer Studie des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft investierten 2012 etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent) der deutschen Unternehmen mit 50 und mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in akademische Bildung. In Summe waren das 2,51 Milliarden Euro. 2009 waren es noch 2,18 Milliarden Euro. Besonders ausgeprägt ist der Anstieg bei den Stipendien. Hatten die befragten Unternehmen im Jahr 2009 noch 6.100 Stipendien vergeben, so gab es innerhalb von drei Jahren einen Anstieg von 63 Prozent bei der Stipendienvergabe – von 4.000 auf über 10.000 Stipendien. Diese starke Ausweitung der Stipendien lässt sich laut der Studie im Wesentlichen auf die Einführung des Deutschlandstipendiums im Jahr 2011 zurückführen. 43 Prozent der Unternehmen, die in Stipendien investieren, vergeben ausschließlich Deutschlandstipendien, rund 20 Prozent unterstützen sowohl Deutschlandstipendium als auch andere. Damit fördern insgesamt 63 Prozent dieser Unternehmen Studierende mit Deutschlandstipendien. Von den Unternehmen, die das Deutschlandstipendium unterstützen, bieten mehr als die Hälfte (58 Prozent) ihren Stipendiatinnen und Stipendiaten auch ein ideelles Begleitprogramm in Form von Workshops, Seminaren, Mentoring- oder Netzwerkveranstaltungen an. Nach einer Befragung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft ist das Deutschlandstipendium für 82 Prozent der fördernden Unternehmen daher auch ein geeignetes Instrument, um potenzielle Fachkräfte zu rekrutieren.

Allerdings finanzieren im OECD-Vergleich private Geldgeber in Deutschland deutlich weniger Hochschulkosten als anderswo. In den OECD-Ländern stammten noch 2009 durchschnittlich 16 Prozent der Ausgaben für Bildungseinrichtungen aller Bildungsbereiche aus privaten Quellen, Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Tertiärbereich, zu denen Hochschulen gehören, sogar zu 30 Prozent. In Deutschland hingegen lag der Anteil der privaten Geldgeber im Tertiärbereich mit etwa 16 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt. [5]

Infografik: Deutschland braucht eine starke Stipendienkultur (JPG, 61,5 KB)

Auf dem Weg zu einer neuen Stipendienkultur

Das Deutschlandstipendium ist das jüngste Förderinstrument des Bundes zur Unterstützung begabter und leistungsstarker Studierender. Begabtenförderung stärkt die Zukunftschancen des Standorts Deutschland. Die Bundesregierung hat ihre Förderinstrumente seit 2005 massiv ausgebaut. Die Zahl der aus Bundesmitteln vergebenen Stipendien für begabte und leistungsfähige Studierende wurde von ca. 13.500 im Jahr 2005 auf etwa 50.000 (2013) erhöht. Ebenfalls aus Bundesmitteln finanziert werden die von den dreizehn Begabtenförderungswerken vergebenen Stipendien. Für Menschen mit Berufserfahrung, die ein Hochschulstudium aufnehmen wollen, gibt es seit 2008 das Aufstiegsstipendium.

 

Zahlen und Fakten zum Thema Deutschlandstipendium finden Sie unter
http://deutschlandstipendium.de/de/2157.php.

Weitere Infografiken finden Sie unter http://deutschlandstipendium.de/de/2410.php.

Quellenangaben

[1] Mehr Studierende: In Deutschland studieren mehr Menschen als je zuvor:

Statistisches Bundesamt (März 2013): Studierende an Hochschulen Wintersemester 2012/2013. Verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Hochschulen/StudierendeHochschulenVorb2110410138004.pdf?__blob=publicationFile

Statistisches Bundesamt (Februar 2012): Nichtmonetäre hochschulstatistische Kennzahlen. Verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Hochschulen/KennzahlenNichtmonetaer2110431107004.pdf

Statistisches Bundesamt (November 2012): Schnellmeldungsergebnisse der Hochschulstatistik. Verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Hochschulen/SchnellmeldungWSvorlaeufig5213103138004.pdf?__blob=publicationFile

BMBF | Bundesministerium für Bildung und Forschung (Mai 2013): Stipendienentwicklung in den Jahren 2005 bis 2012. Verfügbar unter: http://www.deutschlandstipendium.de/_media/Stipendienentwicklung-2005-2012.pdf

HIS-Institut für Hochschulforschung: Middendorf, E., Apolinarski, B., Poskowsky, J., Kandulla, M., Netz, N. (2012): Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012. 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt durch das HIS-Institut für Hochschulforschung. Verfügbar unter: http://www.studentenwerke.de/pdf/20-SE-Bericht.pdf

[2] Einkünfte von Studierenden:

Deutsches Studentenwerk in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (Juni 2013): Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012, 20. Sozialerhebung. Verfügbar unter: http://www.studentenwerke.de/pdf/20-SE-Bericht.pdf

BMBF | Bundesministerium für Bildung und Forschung (2012): Neunzehnter Bericht nach § 35 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes zur Überprüfung der Bedarfssätze, Freibeträge sowie Vomhundertsätze und Höchstbeträge nach § 21 Absatz 2. Verfügbar unter: http://www.bmbf.de/pubRD/neunzehnter_bericht_bafoeg.pdf

[3] Das kostet ein Studium:

Deutsches Studentenwerk in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (Juni 2013): Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012, 20. Sozialerhebung. Verfügbar unter: http://www.studentenwerke.de/pdf/20-SE-Bericht.pdf

Deutsches Studentenwerk (Januar 2013): Ein Studium finanzieren. Kurzinformation für Studieninteressierte, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer. Verfügbar unter: http://www.studentenwerke.de/pdf/Studium%20finanzieren%2001_2013.pdf

[4] Fachkräftemangel: Der Bedarf an Akademikern steigt:

DIHK-Arbeitsmarktreport 2012/2013 (Januar 2013). Verfügbar unter: http://www.dihk.de/themenfelder/standortpolitik/arbeitsmarkt-soziales/arbeitsmarkt/umfragen-und-prognosen/arbeitsmarktreport-12-13

BIBB |Bundesinstitut für Berufsbildung (2012): BiBB Report, Heft 18, Mai 2012. Verfügbar unter: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/a12_bibbreport_2012_18.pdf

[5] Deutschland braucht eine starke Stipendienkultur:

OECD (2012): Education at a Glance 2012. Verfügbar unter: http://www.uis.unesco.org/Education/Documents/oecd-eag-2012-en.pdf

Christiane Konegen-Grenier; Mathias Winde (2013): Bildungsinvestitionen der Wirtschaft: Ausgaben der Unternehmen für Studierende und Hochschulen. Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft; Institut der Deutschen Wirtschaft Köln. Essen : Ed. Stifterverb. Verfügbar unter: http://www.stifterverband.de/bildungsinvestitionen/bildungsinvestitionen_der_wirtschaft_2012.pdf