Vom Lehrling zum Bauingenieur

Baustelle und Vorlesungssaal: Markus Lechner kennt beides. Der Student zum Bauingenieur machte zunächst eine Ausbildung zum Zimmerer. Der Umweg erweist sich dabei keinesfalls als Nachteil. Im Gegenteil.

Foto: Markus Lechner"Ich denke, dass der Weg zum Studium, den ich eingeschlagen habe, den Ausschlag für meine Auswahl als Stipendiat gegeben hat. Es gibt sicher Kommilitoninnen und Kommilitonen, die bessere Studienleistungen vorweisen können, aber ich bin froh, dass neben den Noten auch andere Faktoren eine Rolle spielen."

"Unkonventionell" – so nennt Markus Lechner selbst seinen Weg ins Studium. Denn zunächst hatte der 24-Jährige aus Tittmoning, einer kleinen Stadt im Chiemgau an der Grenze zu Österreich, ganz andere Pläne. "Nach meinem Realschulabschluss war mir klar, dass ich in der Firma meines Onkels eine Ausbildung zum Zimmerer machen werde." Zunächst als Lehrling, später als Geselle sägte er Holzplatten, versenkte Nägel in Balken, baute Dachgestelle. Gepackt vom Ehrgeiz ging er auch die Prüfung zum Zimmermeister an. Mit Erfolg. Mittlerweile hat er Baustellen gegen Vorlesungssäle eingetauscht. Dank eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz, der den Zugang zum Hochschulstudium für beruflich Qualifizierte verbessert hat, studiert er an der Technischen Universität München Bauingenieurswesen.

Dabei greift ihm nun das Deutschlandstipendium unter die Arme. "Die Lebenshaltungskosten in München sind sehr hoch, da brauche ich zusätzlich Hilfe", sagt Markus Lechner. Um sein Studium zu finanzieren, musste er bisher auf Rücklagen zurückgreifen, als Hilfskraft an der Uni arbeiten und in den Semesterferien in seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb anpacken.

Seinen Umweg von der Lehre zum Studium bereut er heute keineswegs. Im Gegenteil. "Ich kann mir vieles nun einfacher erklären, verstehe Zusammenhänge, das führt zu richtigen Aha-Effekten in der Vorlesung. Und da ich jetzt beide Seiten kenne, sehe ich mich als Vermittler zwischen Praktikern und Wissenschaftlern."

Er ist stolz, dass er von so vielen Studierenden an der TU München für das Deutschlandstipendium ausgewählt wurde. "Einer der wenigen zu sein, die ein Stipendium bekommen haben, freut mich sehr." Sein Förderer, die BayWa Stiftung, hat Markus Lechner bereits zu einem Kennenlerntag für Stipendiatinnen und Stipendiaten eingeladen. "Es ist toll, dass man durch das Stipendium viele Kontakte knüpfen kann."