Mentoring statt Studienkredit

Seit einem Jahr studiert Barbara Seitz mit dem Deutschlandstipendium. Ihre Stipendienurkunde erhielt sie als eine der ersten Studierenden in Deutschland. Im Interview spricht die 23-Jährige über praktische Erfahrung, engagiertes Mentoring und neue Perspektiven.

Deutschlandstipendiatin Barbara SeitzDeutschlandstipendiatin Barbara SeitzFrau Seitz, herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Bachelorabschluss. Jetzt befinden Sie sich im Masterstudium. Haben Sie sich davor eine Pause gegönnt?

Nur eine kurze: Ich war einige Tage mit einer Freundin im Urlaub. Das war auch dringend nötig. Um rechtzeitig mit meinem Masterstudium in "Finance & Information Management" anfangen zu können, musste ich meinen Bachelor in informationsorientierter BWL in vier statt in sechs Semestern stemmen. Das war schon sehr anstrengend, hat sich aber auf jeden Fall gelohnt.

Bleibt da überhaupt Zeit für andere Dinge, wenn man sein Studium so schnell absolviert?

Eigentlich bin ich ein gut organisierter Mensch. Das letzte Semester hatte es aber dennoch in sich. Ich muss zugeben: Das war wirklich etwas viel, zumal ich noch nebenher gearbeitet habe und ich mich auch als Jahrgangssprecherin engagiere. Praktika, Einblicke in die Forschung und auch meine Hobbys kamen da manchmal zu kurz. Im Master will ich jetzt einiges nachholen, zum Beispiel einen längeren Auslandsaufenthalt.

Vor einem Jahr haben Sie als eine der ersten Studierenden das Deutschlandstipendium erhalten. Was hat sich dadurch für Sie verändert?

Ich weiß es zu schätzen, dass ich das Stipendium bekommen habe. Da ich noch zwei Geschwister habe, können mir meine Eltern leider nicht meine ganze Ausbildung bezahlen. Deshalb muss ich mir mein Studium durch Nebenjobs selbst finanzieren. Wenn ich durch die Universität Augsburg nicht ausgewählt worden wäre, hätte ich mir auf jeden Fall einen Studienkredit nehmen müssen. Das Deutschlandstipendium ist einfach eine Erleichterung für mich.

Was heißt das konkret?

Na, man hat ja auch andere Ziele im Leben als nur den Studienabschluss – und dafür braucht man eben auch Zeit. Ich spiele zum Beispiel in einer brasilianischen Band, die ehrenamtlich in Psychiatrien auftritt. Anderen Menschen helfen können und das mit Musik – das ist für mich auf doppelte Weise eine Bereicherung.

Demnächst steht für Sie ein Praktikum im Finance-Bereich bei der Deutschen Bank an. Zieht es Sie auch beruflich in diese Branche?

Ich möchte zunächst einmal einen Einblick in die Bankenwelt erhalten. Ich könnte mir aber auch sehr gut vorstellen, für ein Unternehmen einer anderen Branche zu arbeiten, zum Beispiel im Kosmetikbereich, in dem ich mich privat gut auskenne (lacht). Oder eben in der Musik, die mir persönlich wichtig ist. Ich glaube, wenn man offen für neue Erfahrungen ist und sich unterschiedliche Berufe anschaut, dann wird man das Richtige finden. Deshalb mache ich jetzt auch das Praktikum. Der Kontakt zur Deutschen Bank ist übrigens auch durch das Deutschlandstipendium entstanden.

Wie kam das genau zustande?

Mein Praktikum absolviere ich direkt bei meiner Mentorin, die bei der Deutschen Bank arbeitet. Kennengelernt habe ich sie bei einem Treffen für Stipendiatinnen und Stipendiaten und Mentorinnen und Mentoren, welches zwei Institute der Universität Augsburg organisiert haben. Meine Mentorin und ich waren uns auf Anhieb sympathisch.

Abgesehen vom Praktikumsplatz – wie sieht die Betreuung durch Ihre Mentorin aus?

Wir gehen etwa einmal im Monat zusammen essen. Eigentlich spreche ich mit ihr über alle möglichen Themen. Zum Beispiel darüber, wie man alles unter einen Hut bekommt: Hobbys, soziale Kontakte, Arbeit, Uni. Meine Mentorin steht mit beiden Beinen im Leben, hat Karriere gemacht und weiß, wovon sie spricht. Es ist sehr hilfreich, von so einer Persönlichkeit Einblicke in die Praxis zu erhalten und darüber hinaus auch über alles andere sprechen zu können.

Sind alle Mentoren so aktiv oder haben Sie einfach Glück gehabt, eine engagierte Ansprechpartnerin kennengelernt zu haben?

Natürlich habe ich Glück gehabt, dass ich eine Mentorin bekommen habe, mit der ich mich auch persönlich gut verstehe. Ich weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Für den Kontakt zu meiner Mentorin bin ich dankbar: Der bietet mir neue Perspektiven, man kann einmal über den eigenen Studienalltag hinausschauen.