Mentoren, die sich wirklich kümmern

Mit fünf wollte er Lokomotivführer werden. Heute reizt den 20-jährigen Einserkandidaten die strategische Verkehrsplanung. Deutschlandstipendiat Lorenz Wünsch über seine Studienwahl, die Vorteile eines Freiwilligen Ökologischen Jahres und das Deutschlandstipendium.

Lorenz WünschDeutschlandstipendiat Lorenz Wünsch. Foto: privatLorenz Wünsch studiert im dritten Semester Verkehrsingenieurwesen an der Technischen Universität in Dresden. Der 20-jährige Berliner zählt zu den ersten Studierenden mit Deutschlandstipendium und mag lange Bahnfahrten.

Versammeln sich an der TU Dresden besonders viele Bahnfans?

Die TU Dresden gehört auf jeden Fall zu den wenigen Topuniversitäten in Deutschland, an denen man als Bahnbegeisterter nicht allein ist. Und es macht natürlich einen Riesenspaß, mit anderen über den 628er – einen dieselgetriebenen Schienenbus – oder über Signalbegriffe zu fachsimpeln.

Wann haben Sie Ihre Begeisterung für die Bahn entdeckt?

Eigentlich bin ich damit groß geworden. Meine Eltern haben aus Kosten-, aber auch aus Vernunftgründen irgendwann das Auto abgeschafft. Wir sind sehr oft mit der Bahn gefahren, das fand ich gut. Mit fünf wollte ich Lokomotivführer werden, das ist inzwischen nicht mehr mein Traumberuf. Heute reizt es mich mehr, in die strategische Verkehrsplanung zu gehen und zum Beispiel Fahrpläne zu entwickeln.

Das klingt sehr zielstrebig. Lassen Sie uns raten, Mathe und Physik im Leistungskurs und als Deutschlandstipendiat natürlich mit Einserschnitt?

Fast richtig! (lacht) Mathe und Politikwissenschaften waren meine Leistungskurse, und das Abi ist tatsächlich ziemlich gut für mich gelaufen. Zwischendurch habe ich aber auch einmal daran gedacht, eventuell Journalist zu werden. Ich war Schülerzeitungsredakteur, hatte die Zeitung quasi neu gegründet und ich habe an verschiedenen Workshops für junge Medienmacher teilgenommen, was ich auch sehr spannend fand.

Und dann haben Sie sich doch für das Verkehrsingenieurwesen entschieden?

Während meines Freiwilligen Ökologischen Jahres für die Stiftung Naturschutz Berlin habe ich ein Jahr lang in einer wirklich supernetten Abteilung im Umweltzentrum der Deutschen Bahn gearbeitet. Das hat mich auf jeden Fall in dem Wunsch bestärkt, etwas in Richtung Verkehrsplanung zu machen.

Sie haben sich an der Technischen Universität für die Studienförderung durch ein Deutschlandstipendium beworben. Was gab den Ausschlag?

Meine Lehrerin hatte mir vorgeschlagen, dass ich mich bei der Studienstiftung des deutschen Volkes bewerben sollte. Das hat nicht geklappt, aber dann dachte ich, es wäre doch schade, wenn man so einen Abi-Schnitt und die ersten guten Prüfungsergebnisse zu Studienbeginn versinken lässt. Deshalb habe ich mich für das Deutschlandstipendium beworben. Und das hat zum Glück funktioniert.

Was bedeutet das für Sie einmal abgesehen von der finanziellen Entlastung?

Am allermeisten habe ich mich über die Anerkennung gefreut und über den Kontakt zu meinem Förderer. In meinem Fall ist das ja geradezu idealtypisch: Mein Deutschlandstipendium kommt von der Deutschen Bahn AG.

Nach Ihren ersten persönlichen Erfahrungen mit dem Deutschlandstipendium, wie schätzen Sie den Nutzen der gemeinsamen Förderung von Staat und privat ein?

Ich glaube, dass der wahre Wert von der Gestaltung durch alle Beteiligten abhängt. Die Deutsche Bahn beispielsweise finanziert die Stipendien nicht nur zur Hälfte mit, sie stellt uns auch Mentoren zur Seite. Das finde ich sehr sinnvoll. Nach ersten Begegnungen in Frankfurt und Dresden habe ich den Eindruck, dass die sich wirklich kümmern werden, wenn wir Rat brauchen, uns für ein Praktikum bewerben wollen oder im Rahmen unserer Diplomarbeit für ein Forschungsprojekt interessieren. Eine langfristige Förderung würde mich allein deshalb riesig freuen. Ich werde mich auf jeden Fall um eine Verlängerung des Stipendiums nach den ersten beiden Semestern bemühen.