Vom Mädchengymnasium zum Deutschlandstipendium

Wenn sie nicht studiert, hilft Verena Pitzl anderen auch schon mal mit den richtigen Flötentönen weiter. Die 20-Jährige studiert an der Universität Augsburg Wirtschaftsmathematik, spielt Querflöte und probt mit jungen Orchestermitgliedern in ihrem heimatlichen Musikverein. Sie gehört bundesweit zu den Ersten, die ein Deutschlandstipendium erhalten haben. Im Interview spricht sie über ihr Studium in Augsburg, ihr Orchesterengagement in Bobingen und über das Deutschlandstipendium.

Sie studieren im dritten Semester Wirtschaftsmathematik und schreiben gerade eine anspruchsvolle Klausur nach der anderen - noch dazu in Mathematik, Informatik und BWL. Und das ohne Anzeichen von Reue?
(lacht) Ich habe mir das Studium ja ausgesucht. Und an Mathematik hatte ich immer schon Spaß. Insofern bereue ich nichts. Im Gegenteil: Die Kombination mit Informatik und BWL bietet mir eine spannende Bandbreite an interessanten Möglichkeiten. Das wird in ganz vielen Bereichen gebraucht.

Portraitfoto Verena PitzlVerena Pitzl

Ist man als Frau in diesem Studiengang eigentlich noch eine Ausnahmeerscheinung?
Ich weiß nicht, wie das an anderen Unis ist, aber in unseren Vorlesungen halten sich Frauen und Männer eher die Waage. Vorher bin ich auf ein Mädchengymnasium gegangen. Die Mathematik-Leistungskurse an meiner Schule waren gut besucht. Deshalb habe ich mich nie in der Minderheit gefühlt mit meinem Faible für Mathe.

Sie gehören zu den Ersten, die ein Deutschlandstipendium erhalten haben. Vor kurzem hat Ihnen Bundesministerin Annette Schavan in Berlin ihre Urkunde überreicht. Was bedeutet das für Sie?
Das war natürlich wunderbar. Ich fühle mich sehr geehrt. Diese Wertschätzung meiner Leistung spornt mich auch an. Zugleich bedeutet das Stipendium ein großes Plus an Bewegungsfreiheit. Mit BAföG und Deutschlandstipendium kann ich endlich von zu Hause nach Augsburg ziehen und schneller in der Uni sein. Wir sind drei Geschwister, meine Eltern hätten das gar nicht für jedes Kind finanzieren können.

Beim Auftakt in Berlin war viel von einer Stipendienkultur und von Netzwerken zwischen Hochschulen und Förderern die Rede. Wie erleben Sie das als Studierende?
Wie das ab April konkret aussieht, darauf bin ich sehr gespannt. Gerade von der engen Zusammenarbeit der Universität Augsburg mit unseren Förderern verspreche ich mir einiges. Auf diese Weise können wir Kontakte knüpfen und auch schon einmal in die Praxis hereinschnuppern. Das ist viel besser, als sich anonym zu bewerben. Auch auf den Erfahrungsaustausch mit den anderen Stipendiaten freue ich mich.

Sie engagieren sich neben Ihrem Studium für das Sinfonische Blasorchester des Musikvereins Bobingen. Hat das bei Ihrer Bewerbung eigentlich auch eine Rolle gespielt?
Das Auswahlgremium hat im Feedback-Gespräch neben meinen Abiturnoten und Studienleistungen auch die Arbeit mit Jugendlichen im Orchester als einen entscheidenden Punkt hervorgehoben. Das hat mich gefreut, denn die wöchentlichen Registerproben mit den Flötisten halte ich wirklich sehr gerne.

Was ist eine Registerprobe?
Stimmt, diesen Begriff muss man nicht kennen. Jede Gruppe von Instrumenten bildet im Orchester ein Register. Und jedes Register hat vor der Gesamtprobe seine eigene Registerprobe.

Ein arbeitsintensives Studium in Augsburg und die Arbeit für das Orchester - wie kriegen Sie das unter einen Hut?
Das passt schon. Nein, im Ernst, auf das Orchester werde ich so schnell nicht verzichten. Mir machen die Musik und die Zusammenarbeit mit den Orchestermitgliedern sehr viel Spaß. Da möchte ich dran bleiben. Dabei hilft mir natürlich auch der Freiraum, den mir das Deutschlandstipendium verschafft.